Review

Informiert man sich über Heaven's Gate, so bekommt man das Gefühl, dass es einer der Art von Filmen ist, die man entweder liebt oder hasst. Dazwischen gibt nur wenige Kritiken.

Also wagte ich mich auch mal an die epischen 3,5 Stunden, um mir selber eine Meinung zu bilden. Im Originalton (mit dt. UT), damit das Erlebnis authentisch ist.

In den ersten 20 Minuten, dem Prolog, habe ich mich gefragt, ob das Ganze in dieser Länge wirklich notwendig sein musste. Es wurden einige Charaktere vorgestellt, in langen Sequenzen, die, wenn es sie nicht gegeben hätte, ich keine Sekunde davon vermisst hätte. Einer der vorgestellten Charaktere ist die Figur, die von John Hurt verkörpert wird. Dass ich ihn in den nächsten 2 Stunden nur noch in einer kleinen Szene sehen werde, weiß ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Frage mich aber später, warum mir diese Figur in diesem Detailgrad so vorgestellt wurde. Ebenso die Frau, um die beiden (dachte ich zu dem Zeitpunkt) Protagonisten buhlen und die viel Screentime bekommt, sehe ich nach diesen 20 Minuten erst im Epilog wieder. Warum dann überhaupt das ganze Drumherum?!

30 Minuten später sitze ich immer noch fragend, wie es ein Film schaffen kann, mir so viel zu zeigen, ohne mich auch nur eine Sekunde (abgesehen von der Szene mit Christopher Walken) zu unterhalten. Von geplanten 9 Millionen Dollar hat der Film letztendlich 40 Millionen (heute wären das inflationsbereinigt knapp 156 Millionen Dollar) verschlungen. In der damaligen Zeit ein Vermögen. Und man sieht auch, wohin das ganze Geld geflossen ist. Kostüme, Art Design etc. und der Detailgrad, der in diesen Film gesteckt wurde, ist immens. Aber macht das einen Film wie Heaven’s Gate besser? In meinen Augen ganz und gar nicht, eher im Gegenteil! Hier wirkt alles aufgebläht, in meinen Augen, unnötigerweise ausgeschmückt, ohne auch nur ein Fünkchen dabei dem Unterhaltungsgrad des Filmes beizutragen. Es fühlt sich so an, als ob man ein opulentes 5 Gänge Menü erhalten hat, das man komplett verschlingen muss, obwohl man einfach nur gemütlich zu Abend essen wollte.

Das, was mir Regisseur Cimino in den ersten 50 Minuten erzählt hat, hätte man wirklich in 5 Minuten zusammenkürzen können, ohne auch nur eine relevante Info verpasst zu haben. Ähnlich was anschließend folgt…ein Hahnenkampf, der mit 3 Minuten so lang ist, wie eine Runde im Profiboxen. Warum?! Weil es Cimino wahrscheinlich nicht detailliert genug sein konnte. Musste das sein und hat es was zur Unterhaltung beigetragen? Natürlich nicht.

Nach 1,5 Stunden und einer lächerlichen Liebesszene bin ich mir mittlerweile sehr sicher, dass ich zu der Gruppe gehören werde, die mit Heaven’s Gate nichts anfangen können. Aber, da ich bis dato, sofern ich mich richtig erinnern kann, keinen einzigen Film abgebrochen habe, wird auch hier durchgezogen, obwohl ich mir sicher bin, dass das, was noch kommt, wahrscheinlich nichts an meinen 1/10 Punkten ändern wird.

Unser letztendlicher Protagonist, übrigens gespielt von Kris Kristofferson und seine holde Dame geben sich die Ehre bei einem Tanz. In anderen Filmen wären das 15-20 Sekunden Laufzeit. Und hier? Hier wird der ganze Tanz minutiös gezeigt, der einige Minuten dauert. Aber nichts, wirklich nichts zu der Handlung beiträgt. Die bisherigen Lichtblicke waren 2 Szenen mit Christopher Walken. Und da werde ich direkt optimistischer, als ich ihn in seiner 3. Szene nach elendig langen 95 Minuten wiedersehe. Aber selbst der gute Chris kann hier nichts mehr retten.

Ein Blick auf die restliche Zeit: 1:57 Stunden! Oh boy…das werden noch lange 2 Stunden. Heaven’s Gate ist kein schlecht gemachter Film, viele Shots sind schön in Szene gesetzt. Die wenigen Naturaufnahmen sind beeindruckend. Der Szenen sind aber, da sie kaum was zu erzählen haben, einfach zu lang und leider daher auch langweilig.

125 Minuten vergangen und John Hurt ist endlich wieder ganz kurz zu sehen. Seine 3. Szene, obwohl ich nach dem Prolog gedacht hatte, dass er, neben Kristofferson die Hauptfigur sein wird. Und da hoffe ich, dass der Film nun endlich losgeht, da sich das Thema, um das sich der Film dreht, langsam zuspitzt: Der Konflikt der damaligen Viehzüchter gegen die europäischen Immigranten, die sich dort niedergelassen haben, jedoch fast verhungern und aus der Not heraus das Vieh der Züchter stehlen und schlachten. Die Viehzüchter erstellen eine Liste mit 125 Namen, die quasi zum Abschuss freigegeben werden. Und als in einer Szene unser Protagonist anfängt, die Namen vorzulesen, ahne ich Böses…er wird doch wohl nicht alle 125 Namen vorlesen?! Zuzutrauen wäre es Cimino, wenn man bedenkt, was er bisher im Film alles gezeigt hat. Cimino erlöst uns aber nach gefühlt 20 Namen, aber selbst diese Szene zieht sich mehrere Minuten lang.

Nach 2,5 Stunden kommt der Plot Point / Wendepunkt, der aber meilenweit schon gerochen werden konnte: 2 Kontrahenten schließen sich zusammen bzw. arbeiten nun Seite an Seite. Zudem darf sich John Hurts Figur wieder lächerlich machen. Nun hat die vermeintliche Hauptfigur nach dem Prolog eine Screentime von ca. 3 Minuten (nach 150 Minuten!). Diese Film zieht sich so lang, wie selten ein Film, den ich vorher gesehen habe. Und das waren laut ofdb / letterboxed / imdb ca. 2.600 Filme.

Eine Stunde verbleibt noch und ich gehe davon aus, dass sich 2/3 davon wahrscheinlich auf Schlachtszenen konzentrieren werden. In deinem Detailgrad, der wahrscheinlich wie der Großteil des Films absolut unnötig sein wird.

Und ich sollte leider Recht behalten. Es ist mir ein Rätsel, wie man so ein ernstes Thema so langweilig darstellen kann. Nach 3,5 Stunden sehe ich nun endlich die Credits und habe nicht den schlechtesten, aber wahrscheinlich einen der langweiligsten Filme bis dato gesehen.

Wer hier seinen Spaß ziehen konnte, den beglückwünsche ich. Für mich waren es die seit laaaaanger Zeit die längsten 3,5 Stunden meines Lebens. Und ich kann solchen langen Eposfilmen vieles abgewinnen. Ben Hur oder Vom Winde verweht, die genau so lang sind, sind für mich Meisterwerke. Ebenso die Herr der Ringe Filme in den Extended Cuts, Der Pate 2 oder Lawrence von Arabien. Aber bei Heaven’s Gate wurde so viel gezeigt und kaum was erzählt. Schade.













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