Wenn man ohne Vorwissen an einen Thriller herangeht und mit nur vagen inhaltlichen Informationen umgeben ist, entscheiden oftmals die ersten Minuten darüber, ob man einen Twist erwartet oder nicht.
Hubschrauberflug über ein malerisches Hawaii, - erstmal nicht.
Doch etwa 80 Minuten später, als der Twist mit einem annähernd zehnminütigen Flashback illustriert wird, ahnt man, dass der Autor lediglich auf diesen hingearbeitet hat.
Etwas zu wenig für einen Psycho-Thriller, der außer bekannten Gesichtern und eine farbenfrohe Kulisse die brauchbare Prämisse zu unspektakulär umsetzt.
Wir befinden uns also auf Hawaii. Cliff (Steve Zahn) und Sydney (Milla Jovovich) genießen gerade ihre Flitterwochen und wagen einen abenteuerlichen Trip zur Insel Kauai, als sich ihnen das Paar Nick (Timothy Olyphant) und Gina (Kiele Sanchez) anschließt. Fast zeitgleich wird man von einem Doppelmord in Honolulu gewahr und beginnt, sich still und heimlich gegenseitig zu verdächtigen. Doch es mischt noch ein drittes Paar mit, welches sich den beiden anderen gegenüber recht auffällig verhält…
Wer sich mit der Exposition und der etwas ausführlicheren Vorstellung der Charaktere etwas Zeit lässt, verfällt nicht zwangsläufig in Lethargie. Und so ist auch hier, trotz fehlender Spannung zumindest Bewegung im Spiel, wobei die farbenprächtige Kulisse der hügeligen Landschaft immer wieder positiv ins Auge sticht und Fernweh beim Betrachter hervorruft, was die Stimmung der Paare natürlich verdeutlicht: Abenteuer, Flucht aus dem Alltag, etwas Exotisches, aber auch ein gesundes Risiko.
Letzteres ist bei jenem Paar, welches sich als Killerduo entpuppen wird, natürlich von einer etwas anders gearteten Motivation begleitet, doch gerade hier spielt das Wagnis zur Zeit des Plot Twists eine besondere Rolle.
Auf inhaltlicher Ebene wandelt man hingegen auf etwas ausgetretenen Faden und versteht es kaum, Spannungen zu schüren, noch gegenseitige Verdächtigungen zu streuen.
Cliff der zurückhaltende Autor, Sydney die eher besonnene Romantikerin. Dagegen der muskulöse Nick, ein Elite-Soldat, der bei der Erstürmung des Palastes von Saddam Hussein offenbar ganz vorne dabei war, während Gina zumindest eine Ziege ausnehmen kann, weil sie mal in einer Fleischerei gearbeitet hat, - beide sehr verdächtig, zwiespältig handelnd und oftmals wirken sie etwas verwegen, wie ein eingespieltes Bankräuberpärchen.
Sind Hinweise etwa zu deutlich vorhanden, so dass die es gegen Plot Twist eben nicht sein können oder eben sein müssen? Oder doch das ominöse dritte Paar, welches zunächst als Anhalter einen verdächtigen Eindruck hinterlässt?
Eine Weile gelingt Regisseur David Twohy dieses Verwirrspiel recht ordentlich.
Denn Dank der überaus soliden Vorstellung sämtlicher Mimen werden falsche Fährten gestreut, die teilweise nur auf kleinen Gesten, nuancierten Gesichtsausdrücken beruhen.
Weniger das eigentliche Tun steht im Vordergrund, - im Grunde bewegt man sich nur von A nach B und ist kaum äußeren Einflüssen ausgesetzt, sondern die Reaktionen Einzelner lassen ansatzweise Suspense aufkommen.
Über jene Ansätze kommt man allerdings nicht hinaus, bis zum Showdown, als nach einer Stunde schließlich die Wahrheit auf den Tisch kommt und die Sache in ein kleines, aber durchaus ironisch-blutiges Katz-und-Maus-Spiel verlagert wird.
Glaubwürdig erscheint innerhalb der etwa letzten fünfzehn Minuten kaum noch etwas, aber man ist im Grunde dankbar, dass man auf konventionellen Pfaden des Showdowns wandelt, denn endlich wird man ein wenig mitgerissen, da sich das Tempo unweigerlich erhöht und auch der visuelle Anreiz noch einmal angehoben wird.
Dennoch bietet der „Perfect Getaway“ lediglich einen Durchschnitts-Thriller, der allenfalls durch seine bekannten und gleichermaßen sauber agierenden Mimen aufgewertet wird.
Vielleicht noch durch die Kulisse Hawaiis.
Denn ansonsten fallen Verdachtsmomente und Rätselraten um die wahren Killer zu mau und für Genrekenner vor allem zu vorhersehbar aus. Da gibt es zu wenige Reibungspunkte, niemanden in einer wirklich brenzligen Situation vorm Finale und am Ende zu viele Unwahrscheinlichkeiten, um im Gesamtbild zu überzeugen.
Nette Absicht, aber dramaturgisch nicht gerade versiert umgesetzt.
5 von 10