Morde in der Südsee...18.02.2010
Eine Hochzeit ist etwas besonders Schönes im Leben, und die darauf folgende Hochzeitsreise dient der noch näheren Zusammenführung der nun auf ewig miteinander verbundenen Menschen - "welche Puffer das Stellwerk verbunden hat, soll die Bahn nicht trennen" - und ist, wie auch die Hochzeit selbst, ein großartiger Lebensabschnitt. Ich spreche aus Erfahrung, been there, done that. Nun ging leider meine Reise nicht nach Hawaii, sondern nach Südafrika, sonst hätte ich den einen oder anderen Filmausschnitt vielleicht landschaftlich zuordnen können. Obwohl, auf Hawaii hat man nicht viel gedreht, man spricht von Costa Rica und Jamaica, letztere Insel findet sich zumindest im Abspann. Macht aber nichts, denn die Aufnahmen sind von einer faszinierenden Schönheit - allein die vielen Formen von Grün rauben dem Betrachter den Atem. Dumm nur, wenn in dem ganzen Grün noch ein mordendes Pärchen sein Unwesen treibt.
Drei Pärchen sehen wir nun auf Hawaii, konzentrieren uns insbesondere auf Cliff und Cydney, die sich auf der eingangs erwähnten Hochzeitsreise befinden. Nettes Pärchen, freundliche Leute, und genau diese begleiten wir auf einer Wanderung zu einer abgelegenen, nur zu Fuß oder per Boot erreichbaren Bucht. Ebenfalls auf dem Weg dorthin zwei weitere Paare - und wer schon mal allein sein wollte, kennt das Unbehagen, wenn auf einmal andere Leute den gleichen, einzigen Weg beschreiten und ein Gespräch beginnen. Schluß ist es dann mit Ruhe und romantischer Zweisamkeit. Ganz unangenehm aber wird es, wenn man erfährt, daß just ein paar Tage zuvor ein Paar ein anderes auf der benachbarten Hauptinsel brutal gemeuchelt hat - und unerkannt geflohen ist. Hieraus nimmt der Film seine Spannung, wenngeleich der erfahrene Vielseher den Twist mit Anlauf kommen sieht. Macht aber nichts, denn am Ende sind Menschen verhaftet, verletzt oder gar tot - und das ohne viel Federlesens und weitläufige Erklärungen. Letzteres erweist sich leider als Fehler.
Habe ich in einer der letzten Reviews eine gewisse Langatmigkeit und Geschwätzigkeit angeprangert, so nörgele ich hier am Gegenteil. Ich hätte mich über aufklärende Hintergründe gefreut, über das "Warum" der Mordtaten, anstatt im Handstreich einfach en passant und in schwarzweißen Rückblenden ein diffuses Konglomerat aus Fakten präsentiert zu bekommen. Es ist doch viel schöner, wenn man weiß, warum der Böse mordet, auch wenn er es einfach so tut, wie dereinst Herr Lecter im Schweigen der Lämmer. Das allein verwehrt dem Fim eine bessere Punktzahl, denn er ist schön photographiert, spannend inszeniert, von erfreulicher Härte im dramatischen Finale und auf der darstellerischen Seite ordentlich besetzt. Olyphant und Zahn als Antagonisten machen ihre Sache gut, die mitwirkenden Damen sind nett anzusehen, das Meer sowieso - und so wird man über die gesamte Länge, einige Logikfehler und symptomatische Patzer der Figuren mal außen vor lassend, gut unterhalten. Und das ist, angesichts des aktuellen Wetters und Landeszustands hier in Deutschland eine willkommene Abwechslung...7/10.