Review

“Startschuss in Afrika“

Stewart Granger ist in Deutschland vor allem für eine Rolle berühmt: die des Old Surehand. Das dürfte den eitlen Schauspieler ziemlich geärgert haben, hielt er doch nicht sonderlich viel von den (allerdings extrem erfolgreichen) Karl May-Verfilmungen. Um so mehr hielt er allerdings von sich selbst. Dummerweise war sein Stern Mitte der 1960er Jahre schon ordentlich im Sinken begriffen, was wohl in erster Linie der Grund für seine Unmutsäußerungen gewesen sein dürfte. Denn ob die zwar naiven, aber doch professionell gemachten und auch sehr unterhaltsamen Winnetou-Filme wirklich schlechter waren als manche seiner Hollywood-Erfolge, wollen mir einmal dahin gestellt sein lassen.
Tatsache ist, dass Granger in den 1950er Jahren zur ersten Garde Hollywoods zählte. Zur Liste seiner Co-Stars gehörten u.a. Grace Kelly, Deborah Kerr, John Wayne, Peter Ustinov und Janet Leigh - um nur die bekanntesten zu nennen. Er spielte fast ausschließlich in Abenteuerfilmen und wurde nicht selten als der Douglas Fairbanks oder Errol Flynn der 50er Jahre bezeichnet.
Den Durchbruch schaffte er mit der Verfilmung eines Klassikers des phantastischen Abenteuerromans: Sir Henry Rider Haggards (1856-1925) König Salomons Diamanten.

Zur Story:
Der desillusionierte Großwildjäger Allan Quatermain hat genug von Afrika und seinem Leben. Aus rein finanziellen Gründen übernimmt er den Auftrag Lady Elizabeth Curtis, eine Suchexpedition nach ihrem verschollenen Ehemann zu leiten. Dieser ist von der Suche nach König Salomons sagenumwobenen Diamantenminen nicht zurückgekehrt. Die Reise führt die Gruppe in das bisher unerforschte, unbekannte Innere Afrika und birgt allerlei Gefahren durch wilde Tiere, Eingeborene und die Natur selbst. Die Expedition gerät schließlich zu einem Selbstfindungstrip sowohl für Quatermain wie auch die (zunächst) spröde Elizabeth.

König Salomons Diamanten
ist ein Prototyp des klassischen Abenteuerfilms der 1950er Jahre. Alle Versatzstücke sind vorhanden. Der einsame, souveräne Abenteurer zieht in die gefährliche, unbekannte und unerforschte Fremde, um eine Aufgabe zu bestehen (hier die Suche nach dem vermissten Lord Curtis). Unterwegs muss er allerhand Schwierigkeiten und Hindernisse überwinden (hier vor allem wilde Tiere und feindliche Stämme). Die Natur ist selbst Teil des Abenteuers und fungiert ebenfalls als Hürde (besonders Dschungel und Wüste). Auf seiner Reise macht er eine Wandlung durch (hier die Entwicklung vom Misanthropen zum liebenden Partner) und erhält nach bestandenen Prüfungen eine Belohnung (die Liebe Elizabeths).
Der Film trat eine Welle vergleichbarer Produktionen los, die erst Mitte der 60er Jahre wieder abebbte. Er wurde für drei Oscars nominiert (u.a. als Bester Film) und gewann zwei (Kamera und Schnitt). Stewart Granger wurde zum Abenteuerstar und trat in den Folgejahren in zahlreichen Subgenres (u.a. Mantel-und-Degen-, Antikfilm und Western) der Gattung auf.

Nach heutigen Maßstäben wirkt der Film natürlich etwas antiquiert, was in erster Linie auf Dialogführung und Spezialeffekte zurückzuführen ist. Aber auch das Storytelling ist etwas holprig. Ein Problem ist sicher, dass der Film v.a. im Mittelteil nicht richtig in Fahrt kommt. Die Gruppe wandert, begegnet ein paar wilden Tieren (mehrmals wehrt Quatermain einen Schlangenangriff auf Elizabeth Curtis ab) und begibt sich zur Nachtruhe unter freiem Himmel. Diese Szenenfolge ermüdet spätestens bei der dritten Wiederholung - und das ist nicht einmal die letzte.
Des weiteren bekommt die aufkeimende Liebesbeziehung zwischen dem eigenbrötlerischen Quatermain und der anfangs sehr zugeknöpften Lady Curtis entschieden zu viel Raum. Das ist umso ärgerlicher, da diese in der Romanvorlage überhaupt nicht vorkommt. Vielmehr geht der Großwildjäger mit Sir Henry Curtis auf die Suche nach dessen Bruder sowie König Salomons Diamantenminen und nicht - wie im Film - mit Lady Curtis auf die Suche nach ihrem verschollenen Ehemann. Dies wäre allerdings ein reiner Männerfilm geworden, den das Geld gebende Studio (MGM) offenbar nicht riskierte bzw. riskieren wollte.
Auch auf technischer Seite gibt es einiges zu bemängeln. Obwohl der Film zahlreiche Szenen der Konfrontation mit Afrikas mannigfaltiger Tierwelt enthält, ist es überdeutlich, dass die Schauspieler nur selten mit Tieren in derselben Einstellung gefilmt wurden. Die Darsteller agieren oft vor einer leeren Savanne, die Tieraufnahmen wurden offensichtlich erst später reingeschnitten. (Die Academy of Motion Pictures und Sciences sah das damals wohl anders, erhielt König Salomons Diamanten doch den Oscar für den Besten Filmschnitt.)
Zudem gibt es zahlreiche Studioaufnahmen, die überdeutlich als solche zu erkennen sind. Hier zeigen sich insbesondere technische Mängel, da oft Lichtverhältnisse und Farbgebung nicht übereinstimmen. Das hätte man auch in den 50er Jahren schon besser realisieren können. Zumal die Dreharbeiten durchaus aufwändig und nicht ungefährlich waren, da ein Großteil der Szenen vor Ort in Afrika entstanden.
Die gezeigten Landschaftsaufnahmen sind dann auch das große Plus des Films. Die Gruppe wandert durch Steppen, Dschungel, Wüsten und Gebirgslandschaften. Hier gelingt es dem Film eindrucksvoll, die grandiose Natur und Vegetation Afrikas einzufangen. Zu Recht erhielt Robert Surtees 1950 den Oscar für die beste Kamera.
Die Darsteller agieren überzeugend. Stewart Granger gibt souverän den abgebrühten, aber auch desillusionierten Abenteurer und verzichtet hier völlig auf seine später oft gezeigte scherzhaft-komische Seite (z.B. in Scaramouche - der galante Marquis 1952, Beau Brummel - Rebell und Verführer 1954, und auch in den Karl May-Filmen). Während Deborah Kerr in ihrer etwas faden Rolle zumindest nicht negativ auffällt, hinterlassen vor allem die Leistungen der größtenteils afrikanischen Laiendarsteller einen bleibenden Eindruck. Neben den bereits erwähnten grandiosen Landschaftsaufnahmen tragen insbesondere letztere zum Abenteuercharakter des Films bei und sorgen für eine gewisse „exotische Authentizität“.

Fazit:
König Salomons Diamanten war der Startschuss für die hollywoodsche Abenteuerfilmwelle der 1950er und 60er Jahre. Alle genretypischen Versatzstücke sind enthalten. Während Dialogführung, Spezialeffekte und Storytelling nach heutigen Standards leicht antiquiert wirken, kann der Film mit grandiosen Aufnahmen Afrikas und seiner Tierwelt glänzen. Stewart Granger gibt hier gewohnt souverän seine Paraderolle als Abenteuerheld. Insgesamt zwar eher aus filmhistorischer Sicht interessant, aber immerhin noch relativ kurzweilig und unterhaltsam. In diesem Genre (z.B. Des Königs Admiral 1951) und speziell auch mit Granger (z.B. Scaramouche - der galante Marquis 1952) sollten allerdings noch weit rasantere und bessere Produktionen folgen.

(6/ 10 Punkten)

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