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Finanzbeamter Willi Winzig ist nun endlich im Ruhestand. Als seine Schwester mitsamt Familie bei ihm einzieht, reicht die Pension vorne und hinten nicht. Um die Haushaltskasse aufzubessern, versucht sich Willi als Vertreter für Haushaltsgeräte der Marke Star Elektrik. Doch Willis Gutmütigkeit steht seinem Verkaufstalent im Weg. Er gewährt absurde Ratenzahlungen und verschenkt sogar mehr Geräte, als er verkauft. Schnell sieht er sich mit finanziellen Problemen konfrontiert, hat jede Menge Ärger am Hals und den Gerichtsvollzieher in der Wohnung stehen. Ein zufälliger Fernsehauftritt in einer Kochsendung verändert aber alles.


Der von Werner Jacobs inszenierte Film bildet die direkte Fortsetzung zu Was ist denn bloß mit Willi los? von 1970 und ist insgesamt der dritte Teil der losen Willi-Reihe mit Heinz Erhardt. Produziert wurde der Film von der für leichte Unterhaltung bekannten Rialto Film. Einmal mehr setzte man auf das bewährte Erfolgsrezept, nahm einen populären Komiker, ein biederes Milieu und reihte eine lose Folge episodischer Situationen aneinander.

Leider wirkt dieses Konzept hier erschreckend ausgelaugt. Die Geschichte hangelt sich von einer absurden Szene zur nächsten, ohne je einen echten erzählerischen Fluss zu entwickeln. Willis Vertreterkarriere ist weder dramaturgisch sinnvoll aufgebaut, noch entwickelt sie sich zu einem befriedigenden Gesamtbild. Seine Missgeschicke sind durchweg vorhersehbar und die Wendungen wie der Fernsehruhm oder die Finanzamtsbestellung sind lediglich schwach konstruierte Zufälle.

Auch der Humor, eigentlich Erhardts große Stärke, funktioniert hier erstaunlich selten. Seine typischen Wortspiele und Kalauer sind altbacken, oft auch müde und bemüht. Sämtliche noch so alten Humor-Klischees werden mitgenommen. Die Autofahrt beispielsweise ist geradezu grotesk witzlos, schlecht mit schnellem Vorlauf inszeniert und viel zu lang geraten. Dazu gipfelt sie in einer Szene, die selbst für die Geschichte vollkommen ohne Belang bleibt. Wo Erhardt sonst mit Sprachwitz und Timing glänzt, verpuffen die Pointen hier häufig wirkungslos. Trotz turbulenten Tempos und viel Geschrei mangelt es an Präzision und einem ordentlichen erzählerischen Rahmen. Dabei ist der gutmütige Pensionär mit finanziellen Problemen eigentlich eine dankbare Prämisse. Doch daraus wird weder bissige Satire noch stringente Komödie, es bleibt alles einfach zu brav und bruchstückhaft.

Das Ensemble um Ruth Stephan, Edith Hancke und Rudolf Schündler spielt solide, kann dem schwachen Material aber nichts Entscheidendes abgewinnen. Auch Nebenfiguren und Running Gags bleiben blass, wiederholen sich schnell oder nerven sogar. Selbst die für pointiert-absurde Momente prädestinierte Vertreter-Thematik wird nicht sinnvoll genutzt. Wie die Figur Willi Winzig geht auch der Film das Thema weitgehend ohne Sinn und Verstand an.

Inszenatorisch liefert Jacobs routinierte, aber vollkommen uninspirierte Arbeit ab. Die Bilder sind funktional, die Schauplätze austauschbar. Er verlässt sich zu sehr auf seinen Hauptdarsteller. Dass der Film dennoch einige wenige brauchbare Momente hat, liegt hier eher an Nebenfiguren wie der von Jutta Speidel gespielten Nichte, die ihren Onkel bedingungslos verteidigt, oder Paul Esser, der als Firmenchef seine Meinung beständig neu ausrichtet.


Altbackenes, bieder inszeniertes Lustspiel, das weder erzählerisch noch komödiantisch überzeugt. Die lückenhaft konstruierte Handlung reiht schwache, teils schlicht irrelevante Episoden aneinander und lässt sogar Erhardts Wortwitze verpuffen. Selbst ein großer Komiker kann gegen ein schwaches Drehbuch wenig ausrichten. Nur für eingefleischte Erhardt-Komplettist:innen interessant, für alle anderen anstrengend bis nervig und problemlos verzichtbar. 



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