Mit Gerhard Hroß geht ein weiterer deutscher Filmer ins Rennen um Anerkennung auf dem internationalen Markt an den Start. Doch trotz einiger bekannter Gesichter wie Rick Yune, David Gant oder Marie Zielcke kann er die eigentlich gute Grundidee zu keiner ansprechenden Einheit umwandeln.
Einige angehende Mediziner melden sich freiwillig zu einer Therapie, um ihre persönliche Phobie in den Griff zu bekommen. Julia (Marie Zielcke) etwa hat seit einem traumatischen Erlebnis mit ihrem Bruder Panik vor Klingen, während ihr guter Freund Philip unter Höhenangst leidet. Unter der Leitung von Dr. Lee (Rick Yune) und Gingrich (David Gant) wollen sie sich einer Konfrontationstherapie stellen, doch dann taucht ein vermummter Mediziner in dem verlassenen Krankenhaus auf...
Ein paar illustre Figuren mit speziellen Phobien wären durchaus ein Grundstein für funktionierende Spannung gewesen, doch die Figurenzeichnungen bleiben komplett oberflächlich und auch die Ängste binden eigentlich nur die gängigen Formate ein wie Klaustrophobie oder Furcht vor Spiegeln. Auch die Form der Therapie scheint von Beginn an fragwürdig, zumal die Sache lediglich von zwei Medizinern geleitet wird, wo psychologische Fachkräfte dringend notwendig gewesen wären.
Werden diverse Ängste zu Anfang nur indirekt erwähnt, sehen sich die Probanten schon bald mit ihrem jeweiligen Manko konfrontiert, was die soliden Mimen zumindest halbwegs passabel transportieren können, etwa als die Bodenplatte im Lift fehlt oder eben jener Fahrstuhl stecken bleibt. Nur leider bieten die kargen Räumlichkeiten zu wenig, um etwaige Ängste näher zu thematisieren, so dass es im Mittelteil zwangsläufig zu einigem Leerlauf kommt.
Überhaupt mangelt es an allen Ecken und Enden an Drive, lediglich das Finale mit einigen körperlichen Auseinandersetzungen erinnert daran, wie die Chose im besten Fall hätte ablaufen können. Stattdessen kommt es zu einigen unnötigen Flashbacks, hinzu gesellt sich eine urbane Legende um einen mordenden Arzt in eben jenem Gemäuer und im letzten Drittel werden immerhin noch zwei Twists in die Runde geworfen, auch wenn die damit verbundenen Überraschungen nicht allzu unerwartet ausfallen.
Darstellerisch wird immerhin solides Niveau geboten, auch wenn Christopher-Lee-Klon Gant bei seinen Erklärungen in ausufernde Tonlagen gerät und Yune ein wenig wie auf Schlafmittel performt. Die Kamera liefert indes saubere und schnörkellose Aufnahmen ab, der Schnitt läuft rund und auch der Score, einschließlich des Songs "Colour-ize" von "Deine Lakaien" im Abspann geht voll in Ordnung.
Woran es hapert, ist schließlich die fehlende Dramaturgie rund um die Patienten, den dubiosen Behandelnden und einem ominösen Killer. Die wenigen Effekte wie ein Kehlenschnitt, ein heraus getrennter Augapfel, Scherben im Mund und ein abgetrenntes Bein sehen okay aus, der Cast ist mindestens passabel, doch die träge Inszenierung, die wie eine preiswerte Fernsehproduktion aus den Neunzigern anmutet, sorgt dafür, dass das Interesse spätestens ab Mitte schwindet und erst zum Showdown nochmal kurzfristig angekurbelt wird.
Für ein Langfilmdebüt brauchbar, für einen mitreißenden Thriller einschließlich kleiner Horroreinlagen eindeutig zu wenig, um den Genrefreund zu beeindrucken.
4 von 10