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Fotograf Willi Kuckuck ist Vater dreier Töchter und der hingebungsvolle Präsident des chronisch unterfinanzierten Fußballvereins 1. FC Jungborn. Der Verein steht vor einer existenziellen Krise. Für die Platzmiete fehlen 15.000 Mark, die binnen 14 Tagen beglichen werden müssen. Ansonsten droht das Spielfeld in einen Schrottplatz verwandelt zu werden. Aber Willi hat eine reiche Schwester in Brasilien, die für jede ihrer Nichten 15.000 Mark als Mitgift schicken will. Bereits zweimal zuvor hat Willi Hochzeitsfotos von zweien seiner Töchter ohne deren Wissen gefälscht und für den Verein kassiert. Nun soll die dritte Tochter sozusagen den Verein retten. Doch statt des erhofften Schecks kündigt sich die Schwester persönlich an. Nun ist guter Rat teuer, denn weder die Töchter noch die drei vermeintlichen Gatten sind von dem Schwindel besonders angetan. 


Willi wird das Kind schon schaukeln ist eine der damals beliebten, heiteren deutschen Komödien. Nach Das kann doch unsren Willi nicht erschüttern (1970), Was ist denn bloß mit Willi los? (1970) und Unser Willi ist der Beste (1971) ist dies der vierte Film der qualitativ höchst unterschiedlichen Willi‑Filmreihe. Drei der Willi-Filme entstanden unter der Regie von Werner Jacobs. Der Ton der Reihe schwankt zwischen leichter Satire mit Wortakrobatik und biederem Klamauk. Besonders der dritte Film baut vor allem auf episodische Kalauer und wiederkehrende Witze und stellt dabei den Tiefpunkt der Reihe dar.

Zwar spielt Heinz Erhardt in allen Filmen die markante und seinerzeit sehr populäre Hauptfigur mit Namen Willi, doch ist es mit Willi Winzig nur in den Filmen 2 und 3 die gleiche Figur. In den beiden anderen Filmen tragen die Willis andere Nachnamen, auch wenn sie als Figuren alle ähnlich angelegt sind. 

Wie bei den Willi-Filmen fast schon üblich, basiert auch dieser Teil auf einer Bühnenvorlage, dem Theaterstück Die Eintagsehe. Die Außenaufnahmen fanden hauptsächlich in Bad Pyrmont statt, die Innenaufnahmen in Berlin-Wannsee. Nach den Dreharbeiten erlitt Heinz Erhardt einen Schlaganfall, weshalb einige Szenen in der Nachsynchronisation von Klaus Havenstein übernommen werden mussten. Erhardt zog sich danach weitgehend ins Privatleben zurück.

Heinz Erhardt spielt den stets gutmeinenden, aber chaotischen Präsidenten des FC Jungborn Willi Kuckuck mit seiner üblichen Hingabe. Gleichzeitig nimmt er sich aber auch etwas zugunsten des restlichen Ensembles zurück und gibt den anderen Darstellenden genug Raum zur Entfaltung. So können vor allem Erika von Thellmann als belogene Schwester Elvira und Balduin Baas als stets am Rande des Nervenzusammenbruchs stehender, inszenierter Gatte Wolfgang Amadeus Wirsing glänzen. Gernot Endemann und Stefan Behrens vervollständigen das Trio der Zwangsgatten, deren Frauen von Hannelore Elsner, Barbara Schöne und Claudia Butenuth mit sichtlichem Spaß verkörpert werden. Zudem hat Fußball-Legende Uwe Seeler einen netten kleinen Auftritt als Fußball-Legende Uwe Seeler. Ein augenzwinkernder Gag und wahrscheinlich der Traum aller kleinen Klubs.

Willi wird das Kind schon schaukeln ist eine klassische deutsche Lustspielkomödie der frühen 1970er Jahre. Erhardt ist gewohnt warmherzig und chaotisch charmant. Allerdings bleibt der Humor durchgehend klischeehaft und konventionell. Viele Gags entstehen durch vorhersehbare Verwicklungen und setzen auf gängige Klischees. Das ist durchaus ulkig, wie man in der Zeit zu sagen pflegt, wirklich originell geht aber anders. Der Film neigt stellenweise gar zu einer leicht überdrehten Hektik, die das Tempo anzieht, aber zugleich auch etwas anstrengend wirkt.


Eine angenehm nostalgische, familienfreundliche Komödie mit mancher gelungener Situationskomik, die deutlich unterhaltsamer ist als ihr unmittelbarer Vorgänger. Dank Heinz Erhardts Präsenz und des gut aufgelegten Casts bietet der Film ausreichend spaßige Momente für einen entspannten Nachmittag. Fans klassischer deutscher Lustspiele der 1970er Jahre machen hier nichts falsch. Für moderne Zuschauer wirkt er zwangsläufig etwas altbacken und überdreht, bleibt aber insgesamt ein sympathischer Abschluss der Willi‑Reihe.

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