Review

kurz angerissen*

erstmals veröffentlicht: 09.08.2014

Da mag aufs Grab gespuckt werden, bis ein Bach entsteht, “Day Of The Woman” wäre auch auf dem deutschen Markt der weitaus kraftvollere Titel gewesen. Und er hätte die wahre Identität des Films als durchaus feministisch motivierte Gewaltspirale stärker in den Vordergrund gestellt. So wird Meir Zarchis Indie-Klassiker, wie so viele Filme, die Wagnisse eingehen, immer wieder als voyeuristische Sauerei missverstanden und die Feinheiten angesichts des groben Ganzen übersehen. Dass die Vergewaltigungssequenz so sehr ausgeschlachtet wird, immer wieder unterbrochen wird, um dann unverhofft fortgeführt zu werden, treibt die Darstellung zwar zwangsläufig ins Exploitation-Feld, der Sinn der Vorgehensweise ist aber keineswegs Selbstzweck, sondern die pandiabolistische Interpretation des Bösen. Die Entstehung der Vergewaltigung lässt sich zwar aufgrund der seltsamen Verhaltensweisen der Einheimischen vorausahnen, sie ergibt sich aber durch ein anfangs harmlos erscheinendes Spiel und schließlich durch die Gelegenheit. Die Vergewaltiger verkörpern nicht im herkömmlichen Sinne das Böse, sondern sind eher Opfer ihrer Triebe. Zarchi macht das durch ihre intensiven Charakterisierungen vollkommen klar und stellt sie als verlorene, desorientierte Wesen dar, die kaum wissen, was sie tun – was auch ihre Verhaltensweisen in der zweiten Filmhälfte erklärt, die mitunter unlogisch erscheinen, müssten sie bei eingeschaltetem Verstand doch viel argwöhnischer reagieren, als sie es tun.

In dieser zweiten Hälfte verwandelt sich der Film, der bis dahin noch die gleiche Sprache spricht wie „Straw Dogs“ (1971) und „Deliverance“ (1972), in eine symbolträchtige Machtwechselfantasie, bei der das Opfer plötzlich alle Fäden in der Hand hält und ausgerechnet ihre größte Schwäche zu ihrer Stärke macht. Der naturalistische Ansatz ist dahin, als Camille Keaton ihr verschmutztes, von Verletzungen übersätes Adamskostüm gegen ein blütenweißes Kleid tauscht und zum Racheengel stilisiert wird. Dieser radikale Stilbruch wird allerdings durch das Subgenre legitimiert, ebenso wie die antiklimatische Abfolge der Tötungen der Peiniger, die flach und überhastet abgeschlossen wird. Ein guter, weil schockierender und bisweilen auch unterschätzter Genrebeitrag, bei dem man aber natürlich trefflich über die Grundaussage streiten kann.

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