Dr. Mabuse ist eine um 1919 von dem Luxemburger Schriftsteller Norbert Jacques (1880–1954) erfundene literarische Figur eines Superverbrechers, die auch in mehreren Verfilmungen auftritt. 1921 erschien der erste Roman mit dem zentralen Charakter Dr. Mabuse, einem Genie, das mit seiner Energie und Genialität Verbrechen begeht. Dieser ist von Beruf Psychoanalytiker - ein Verbrechergenie mit hypnotischen Fähigkeiten und ein Mann mit tausend Gesichtern.
Der Roman wurde ein großer Publikumserfolg und 1922 von Fritz Lang verfilmt, dem damit sein Durchbruch gelang und später zu einem der Star-Regisseure des Landes aufsteigen sollte. Seine Frau, die deutsche Schauspielerin und Drehbuchautorin Thea von Harbou, schrieb nach Jacques’ Roman das Drehbuch für den ersten Teil des Stummfilms "Dr. Mabuse, der Spieler". Zwar wurde der Film, wie auch der Roman, wegen reißerischer Elemente gerügt, doch konnte dies seinem internationalen Erfolg keinen Abbruch tun.
Für eine Fortsetzung ließ sich Norbert Jacques schließlich von Fritz Lang dazu anregen, den Roman "Das Testament des Dr. Mabuse" zu schreiben, den er 1932 fertigstellte. Das Werk diente wiederum als Vorlage für Thea von Harbou und Fritz Lang, und so erschien 1933 der gleichnamige Tonfilm..
1953 verkaufte Norbert Jacques die Rechte an der Figur des Dr. Mabuse an die Berliner CCC-Film von Filmproduzent Artur Brauner, der als Pendant zu den erfolgreichen Wallace-Verfilmungen, ab 1960 sechs Krimis um Dr. Mabuse und seine Machenschaften in die Kinos brachte.
Nachdem sich der letzte Film "Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse" als künstlerischer und finanzieller Misserfolg erwiesen hatte, wurden bereits geplante Projekte nicht mehr realisiert. 1970 konnte Brauner mit dem von ihm koproduzierten Giallo "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" die ebenfalls 1964 eingestellte Bryan-Edgar-Wallace-Filmreihe erfolgreich wiederbeleben. Im gleichen Jahr entschloss er sich, auch die Figur Dr. Mabuse wieder auferstehen zu lassen.
Artur Brauner verfasste unter seinem Pseudonym Art Bernd ein Drehbuch mit dem Titel "Der Mann, der sich Mabuse nannte", das auf Motiven bisher unverfilmter Drehbücher aus den 60er Jahren basierte, und von Jess Franco mehrfach überarbeitet wurde. Der Film war die erste Zusammenarbeit zwischen Brauner und Franco, der mit identischem Stab und wechselnder Besetzung auch "Der Todesrächer von Soho" inszenierte.
In der deutschen Synchronfassung von "Dr. M schlägt zu" wird die Figur des Dr. Mabuse jedoch nicht erwähnt. Lediglich im deutschen Titel und insbesondere im spanischen Verleihtitel "La Venganza del Doctor Mabuse" blieb der Name des bekannten Verbrechers aus Gründen der Werbung erhalten.
So viel zur Entstehungsgeschichte der Roman- und Filmfigur des Dr. Mabuse, die sich unterhaltsamer liest, als dieses Trash-Machwerk jemals sein könnte. Während der zeitnah und unter gleichen Umständen inszenierte Krimi "Der Todesrächer von Soho" noch ein halbwegs ernstzunehmender Beitrag von mittelmäßiger Qualität und mit Trashanleihen war, der aber das Publikum zu unterhalten wusste, fällt es mir bei "Dr. M schlägt zu" sehr schwer, diesem albernen Kasperletheater auch nur etwas Positives abzugewinnen.
Das Resultat ist beschämend und peinlich und kann nicht im Interesse Brauners gewesen sein - selbst für Franco-Verhältnisse ist dieses Flickwerk schon mehr als grenzwertig. Das Drehbuch ist so hanebüchen und schwachsinnig, dass es nur im Vollrausch überarbeitet worden sein kann. Die Kulissen sind spärlich und billig, Handlung und Dialoge spotten jeder Beschreibung, die Darsteller agieren lustlos (vor allem Siegfried Lowitz in seinem kurzen Auftritt) oder talentfrei, und die Inszenierung passt sich dem Niveau des Drehbuchs nahtlos an: die Beleuchtung ist ein Desaster, die Szenenabfolgen ergeben stellenweise keinen Sinn und Anschluss- und Regiefehler zeugen von der Talentlosigkeit des Regisseurs, der hier ein kurioses Machwerk hingeschludert hat, bei dem man sich wirklich nicht sicher sein kann, ob es als Parodie ohne jeglichen Witz verstanden werden will oder einfach nur schlecht und uninspiriert ist.
Lediglich die deutsche Synchronisation und der Soundtrack von Jazzmusiker Rolf Kühn setzen Akzente, wobei der Score aber in einigen Szenen unpassend platziert wurde. Neben Kühns Kompositionen finden sich auch Stücke von Gert Wilden oder Martin Böttcher wieder - insgesamt handelt es sich hier um einen atmosphärischen Recycling-Eintopf, der aus unzähligen anderen Filmen bekannt ist.
Für die deutsche Synchronfassung konnten versierte Sprecher wie Michael Chevalier, Gerd Martienzen, Arnold Marquis und Beate Hasenau gewonnen werden. Sie verleihen dem Schund etwas an Klasse, die er gar nicht verdient hat.
"Dr. M schlägt zu" ist Unterhaltung auf unterstem Niveau und lediglich Franco-Liebhabern und Komplettisten zu empfehlen. Wer weniger francophil eingestellt ist, sollte einen Bogen um diesen Film machen, denn er ist nichts weiter als 80 Minuten seelische Grausamkeit!
1/10