Daß Paul Schrader einige spitzenmäßige und viele sehr diskutable Drehbücher verfaßt hat, ist unbestritten – auch sein Regiewerk regt zum gegenseitigen Austausch an.
Bewußt machen muß man sich aber, daß er auch zu den aparten Koksopfern der auslaufenden 70er Jahre gehörte – irgendwo in die Übergangsphase fiel dann wohl auch das Drehbuch zu „Rolling Thunder“ – der in Deutschland allein bei der Nennung des Titels schon Raunen verursacht.
Wirklich zu kennen scheint den Film aber kaum jemand – und das ist aufgrund der kontroversen Einstellung einerseits und der bekannten Rachethematik andererseits auch kein Wunder, sieht man das Gesamtwerk, das leicht unausgoren und die Möglichkeiten nicht ausnutzend wirkt.
Die Story wirkt auf den ersten Blick wie von der Stange: nach fünf Jahren Folter und Gefangenschaft kehrt ein Vietnamveteran aus dem Dschungelcamp zurück und wird begeistert empfangen, will aber eigentlich nur seine Ruhe mit Frau und Sohn. Stur und ruhig erträgt er die Tatsache, daß seine Frau jetzt einen alten Kumpel an ihrer Seite hat, nimmt Ehrungen entgegen und arbeitet an seinen Traumata.
Da schlägt das Schicksal zu – ein ihm überreichter Preis zieht eine Gruppe Gaunerles an, denen er, Sturheit in Person natürlich trotz Folter nichts verrät, selbst als sie seine Hand in den Abfallzerkleinerer stecken. Und recht hat er, denn Frau und Sohn, die natürlich sofort alles ausplaudern bekommen als Lohn die Kugel – und nicht die von Rocher.
Darob gibt natürlich nur noch eines: Rache wie Blutwurst. Also packt er sich eine willige Kellnerin ein, versichert sich der Assistenz eines Kriegskameraden und lädt durch...
Ich bin sicher, der eine oder andere Kriegsveteran wird den Film sicher nach seiner Scheidung geradezu genossen haben, dennoch ist es furchtbar traurig um die verpaßte Chance. Daß Major Rane angefangen hat, den Schmerz der Folter zu genießen, geht halbwegs unter, seine stoische Art beim Rachefeldzug dagegen kommt nicht gerade gut an: seine Begleiterin nutzt er immer wieder für gefährliche Auskunftschaftungen, worauf sie natürlich kremsch reagiert, um dann doch nicht Leine zu ziehen.
Das ist wirklich mal eine sadomasochistische Beziehung, wie sie im Buche steht.
William Devane hatte wohl selten eine charismatischere Rolle als hier und poltert sich dumpf durch die hakenreiche Story, die in Sachen fremdenfeindlichen Rassismus noch eine Schippe drauf legt, denn die Täter sind aus Mexico und wie das Nachbarland hier in schmierige Kneipe, eklige Puffs und verräterische Rückenschießer gekleidet wird, merkt man, daß das Kroppzeug unbedingt mal wieder durch den Abfluß mußte, wenn denn die Schlitzaugen schon nicht mehr zur Verfügung stellen.
„Rolling Thunder“ ist dabei keine Gewaltorgie ersten Grades, macht aber in seinen sparsam eingesetzten harten Szenen keine Verwandten und kulminiert dann in einem Schrotflintenmassaker, das sich gewaschen hat, aber am Ende einfach kommentarlos dran geklatscht wird, Kontroverse Auseinandersetzung sieht anders aus – hier holen sich die Kriegshelden auf jeden Fall ihr langerwartetes Extra ab und genießen halb dabei, von drei Seiten angeschossen zu werden.
Was danach kommt, läßt der Film tunlichst aus, hier mußte nur mal Großreinemachen auf die Leinwand und so schön die Ansätze (Tommy Lee Jones als Armeekumpel war nie bedrohlicher) auch manchmal sind, einige Bilder einprägsam und manche Sequenzen hochintensiv, so schwachbrüstig ist das Ergebnis, wenn man mal tiefer bohrt. Paul Kersey brauchte sich dabei sicher keine Sorgen zu machen, aber sollte euch ein Kriegsheld auf der Straße begegnen, wäre ich mit Sprüchen hiernach vorsichtiger. (5/10)