Review

Hat keinen Haken

„Rolling Thunder“ (geschrieben von Paul Schrader!) handelt von einem Vietnamveteranen, der nach Jahren der Gefangenschaft und Qual zurück in die Staaten kommt. Dort wird er (oberflächlich) gefeiert, doch innerlich ist er vollkommen tot. Als ihm dann auch noch seine Frau und sein Sohn und seine Hand (!) weggenommen werden, bringt er den Krieg in all seiner Abgebrühtheit an die mexikanische Grenze zu den Gangstern, die ihm brutal den letzten Schimmer Hoffnung genommen haben und rammt ihnen seine neuen Piratenhaken dahin, wo es besonders weh tut...

Nicht nur Tarantino ist großer dieses Heimkehrer-Rache-Dramas, ich bin es auch. Vielleicht nicht so episch wie „The Deer Hunter“ oder so alptraumhaft wie „Dead of Night“ oder so emotional wie „Coming Home“ - doch in seiner Sache so klar und unterkühlt, dass es einen gleich mit fröstelt. William Devane und Tommy Lee Jones (in sehr jung!) spielen ihre Parts famos, voller Resignation und Understatement. Erst im Kugelhagel des krachenden Finales in einem Bordell brechen ein paar Gefühle und minimale Mimik aus ihnen heraus. Davor sind sie wie wandelnde Leichen ohne Sinn und Zweck, deren Leben und Verbindungen zu anderen menschlichen Wesen vollkommen verkümmert bis abgestorben sind. „Rolling Thunder“ ist ein feines, trauriges und intensives Charakter- und Nationenporträt, eine drastische Anklage an die verlorene Unschuld der USA und ihrer Truppen, an den Wahnsinn und Unsinn des Krieges, an Soldaten mit Schäden, die nicht wegzureden, totzuschweigen oder zu reparieren sind. „Rolling Thunder“ ist beeindruckend, zurückhaltend und sagt mit wenigen Worten mehr als andere mit tausend Schüssen. Denn Patronen reichen hier nicht. Egal wie oft noch abgedrückt würde. Ehre, Herz und Seele lagen schon weit vor dem Familienmassaker in Trümmern. Das hallt nach. 

Fazit: einer der stoischsten und ehrlichsten und (auf seine Art) coolsten Antikriegs-Revenger aller Zeiten. Höllisch unterschätzt. Charakterzeichnung deluxe, Schauspiel suberb, Finale furios. „Rolling Thunder“ macht seinem Namen alle Ehre und geht langsam aber unaufhaltsam nach vorne. „Taxi Driver“ trifft „The Deer Hunter“. 

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