Review

Da Pierre Morel, Regisseur des Originals, sich lieber „Taken“ und „From Paris with Love“ widmete, für das „Banlieue 13“-Sequel Patrick Allesandrin verpflichtet.
Undercovercop Damien (Cyril Raffaeli) und Ghetto-Extremsportler Leito (David Belle) haben sich durch das Ghetto des 13ten Bezirks bereits im Vorgänger gekämpft, wesentlich gebessert hat sich die Situation nicht: Die Gangs herrschen und angesichts der multiethnischen Mischung wird auch nicht so schnell Frieden einkehren, gibt es doch Gangs für Schwarze, Araber, Asiaten, Latinos und Skinheads. So zeigt eine Montage zu Beginn, die etwas mehr über das titelgebende Ghetto enthüllt in und dem um das hier wieder gekämpft wird.
Während Damien Besserung verspricht, hat ein Kollege von der Internen radikalere Pläne: Er lässt einige Cops erschießen, platziert deren Wagen im 13ten Bezirk und hängt die Morde einer Gang an. Um Damien aus dem Weg zu haben, lässt er ihn mit angeblich bei ihm gefundenen Drogen festnehmen. Damit wäre Leito schon quasi involviert, aber das Drehbuch spielt ihm zusätzlich noch ein belastendes Band mit Aufnahmen des Polizistenmordes zu, nur um auf Nummer sicherzugehen, dass hier genug Involvierung besteht.

Also haut Leito vor den Cops ab und befreit seinen Kumpel Damien. Gemeinsam müssen sie genug Beweise finden, ehe die Regierung einen Luftangriff auf Bezirk 13 befiehlt, in dem die Gewalt zwischen Gangs und Polizei zu eskalieren droht...
Sonderlich viel Tiefgang haben die von Luc Besson produzierten und geschriebenen Martial Arts Filme der letzten Jahre selten, „Banlieue 13 – Ultimatum“ versucht aber immerhin die Hintergründe besser auszuarbeiten als sein Vorgänger. Man erfährt geringfügig mehr Details über die Protagonisten, gerade Damiens Privatleben wird ansatzweise angeschnitten; außerdem wird die Gangsituation in Bezirk 13 besser ausgearbeitet, den Gangführern Gesichter gegeben, wobei natürlich vor allem auf Klischees zurückgegriffen wird. Die Anführerin der Asiaten ist eine schöne (und natürlich leichtbekleidete) Kampfsportexpertin, der Chef der Skins heißt Karl und der Boss der Latinos ist eine Möchtegern-Verschnitt von Toni Montana.
Drehbuchtechnisch ist die Chose dann nicht mehr und nicht weniger ausgeklügelt als der erste Teil, denn das Ganze ist solide erdacht, setzt aber vor allem auf Tempo und Schauwerte, denn die Handlung um korrupte Cops und belastende Tapes setzt sich aus zur Genüge bekannten Versatzstücken zusammen. Etwas nervig, dass Produzent und Drehbuchautor Besson meint hier alles dreimal erklären zu müssen, für den Fall dass irgendwelche besonders simpel gestrickten Zuschauer bereits nach 10 Minuten vergessen haben, was auf dem Band drauf ist, oder warum der Oberfiesling es denn auf Damien abgesehen haben könnte.

Vor allem ist „Banlieue 13 – Ultimatum“ aber wieder eine Spielwiese für Martial Arts und Parcours, denn es wird mal wieder über Dächer gejumpt, Leitern runtergerutscht und allerlei Gerät zweckentfremdet. Spektakuläre Stunts sind dabei, z.B. der Megasprung von Haus zu Haus, gleichzeitig arbeitet der Film oft mehr mit dem Schnitt anstatt das Können seiner Protagonisten in einer Einstellung zu zeigen wie der Vorgänger. Der versuchte weniger Superlative, dafür konnte man dort davon ausgehen, dass die Stunts auch wirklich so ausgeführt wurden. Die Kampfszenen sind wieder sehr spektakulär und zeigen fantastische Moves, bei einer Autojagd rast man sogar durch die Flure eines Gebäudes und die Choreo der Action stimmt durchweg. Ein dicker Wehrmutstropfen ist das enttäuschend kurze Finale, das die quasi unspektakulärste Actionszene des gesamten Films darstellt.
Cyril Raffaeli und David Belle verkörpern ihre Rollen ähnlich solide wie im Vorgänger, wobei Raffaeli sich nicht zu schade ist in einer Undercoverszene gar nicht Frauenkleidern rumzulaufen, auch wenn das teilweise befremdlich wirkt. Der Rest vom Fest ist ebenfalls OK, auch Elodie Yung als Gangleaderin der Asiaten, denn bei Bessons Neuentdeckungen muss man ja immer vorsichtig sein, man denke an die grausige „Transporter 3“-Hauptdarstellerin.

„Banlieue 13 – Ultimatum“ gibt mehr Backgroundinfos, ist storytechnisch dem Vorgänger ebenbürtig, im Actionbereich aber etwas unterlegen. Parcours und Fights machen immer noch viel her, der erste Teil war aber spektakulärer und das Finale enttäuschend. Ein netter Actionfilm, aber einer, der Potential verschenkt.

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