Frankreichs Aushängeschild Luc Besson produzierte nicht nur das Sequel, sondern schrieb auch das Drehbuch, doch leider musste er ohne Regisseur Pierre Morel auskommen. Den muss Patrick Alessandrin (Wochenende!, Der Kleine Scheißer) ersetzen, welcher im Genre Action noch keinerlei Erfahrung sammeln konnte, was "Ghettogangz 2 - Ultimatum" nicht unbedingt zu Gute kommt. Alles in allem eine ordentliche Fortsetzung, die dem spektakulären Original aber kaum das Wasser reichen kann.
Es ist jetzt drei Jahre her, seit der Polizist Damien Tomaso (Cyril Raffelli) und Extremsportler Leito (David Belle) das ummauerte "Banlieue 13" vor dem Untergang retteten. Im Jahr 2016 hat sich die Situation nicht verändert, im Gegenteil es kommt noch viel schlimmer. Die Sondereinsatz-Behörde DISS will dieses Viertel endlich dem Erdboden gleichmachen und inszeniert einen Bandenkrieg. Dafür schrecken sie sogar vor Polizistenmord nicht zurück, auch Damien wird plötzlich wegen Drogenbesitz verhaftet. Doch leito gelingt es Damien aus dem Gefängnis zu befreien, mit Hilfe der anderen Gangmitglieder aus dem Bezirk holen sie zum Gegenschlag aus.
Schon im fünf Jahre zuvor entstandenen Vorgänger wurde kein großer Wert auf eine Story gelegt. Hier steht "Banlieue 13" erneut vor der totalen Vernichtung, doch diesmal durch die Regierung. Während unsere zwei Hauptcharaktere eine Weile brauchen um das Ganze zu durchschauen, so hat der Zuschauer schnell den Durchblick. So gibt es bei der Inszenierung des Bandenkriegs einige Zeugen, die diese Aktion sogar mit dem Handy gefilmt haben. Das bekommt man leider alle paar Minuten zu sehen. Überhaupt ist das wieder eine sehr simple Angelegenheit, aber hauptsächlich gilt es ja einen Rahmen zu kreieren, der die Actionszenen miteinander verbindet. Doch die beste Szene gibt es gleich zu Beginn, als Damien eine ganze Horde Dealer hochnimmt. Natürlich läuft der Einsatz nicht reibungslos und Damien muss mit Hilfe eines wertvollen Van Gogh Bildes jede Menge Gegner vermöbeln. Doch dies bleibt die einzige Actionszene, welche den Vergleich mit dem Original nicht scheuen muss. Zudem geht es hier nicht Nonstop zur Sache, Alessandrin lässt dem Zuschauer schon einige Verschnaufpausen und lässt dadurch den Charakteren ein wenig mehr Platz. Zum Beispiel führt uns eine Szene in Damiens Wohnung, wo wir auch seine Freundin zu Gesicht bekommen.
Auch die verschiedenen Gangs, welche sich im Bezirk 13 tummeln, bekommen wir einmal zu Gesicht. Zwar lässt man da keine Klischees aus, von Tattoos bis hin zu großspurigen Sprüchen, doch im Original wurde uns das durch die hohe Rasanz komplett verwehrt. Und Action ist auch hier noch reichlich vorhanden, doch Alessandrin hat nicht das immense Können eines Pierre Morel. So kommen in einigen Szenen hektische Schnitte zum Einsatz, erfreulicherweise nur ganz selten bei den Kämpfen. Die dominieren den Actionanteil, ansonsten darf noch ein wenig geschossen werden und natürlich darf ein langer Parcourlauf nicht fehlen. So gibt es auch hier viele schicke Stunts zu bewundern, die Choreographien sind gut, doch das Finale darf man schon als schlechten Scherz bezeichnen. Schon dem Vorgänger ging zum Ende hin die Puste aus, doch hier bekommen wir die mit Abstand schwächste und kürzeste Actionsequenz zu sehen und besonders die Versöhnungsdialoge mit dem Präsidenten könnten lächerlicher nicht ausfallen. Cyril Raffaelli (Kiss of the Dragon, Stirb Langsam 4.0) und David Belle (Femme Fatale, Ghettogangz) sind wahrlich keine Charakterdarsteller, verkaufen sich aber dank ihres horenten Körpereinsatzes recht gut.
Das Original war nicht nur rasanter, sondern auch spektakulärer. Mit Minimalstory geht man hier erneut ans Werk, die zahlreichen Actionszenen können sich trotzdem sehen lassen, nur das Finale ist eine Enttäuschung. Lückenlose Unterhaltung ist jedenfalls garantiert, auch dank der beiden uns schon bekannten Hauptdarsteller fühlt sich der Actionfan schnell wohl.