Die Banlieue 13 ist auch im zweiten Teil der Story immer noch - frei nach dem von der Klapperschlange abgekupferten Vorbild - ein abgesperrtes Areal mit Millionen von Bewohnern, von denen sich das restliche Paris distanziert und sich mittels hoher Mauern offenbar glaubt schützen zu müssen. Das hindert skrupellose Immobilienspekulanten mit Verbindungen in die höchsten Kreise der Politik nicht daran, mittels einer Intrige jene Banlieue 13 räumen und planieren zu lassen - wenn da nicht die beiden Helden aus Teil 1 wären, David Belle als Ghettobewohner Leïto und sein Partner, den derzeit in Ungnade gefallenen Polizisten Damien Tomaso (Cyril Raffaelli), die ihnen einen dicken Strich durch die Rechnung machen. So der Plot von Ghettogangz 2, der noch deutlich stärker als im ersten Teil auf Visualisierung zu Lasten von Story, Figurenzeichnung, Spannung und Gewalt setzt.
Prinzipiell gut gemacht ist diese Mischung aus Martial-Arts-Kämpfen, rasanten Kamerafahrten durchs Ghetto (ein Teil der Aufnahmen wurde in Belgrad gedreht) und der dezenten Komik der beiden Helden Leïto und Damien, die jede Sicherheitssperre spielend durchdringen und dabei sämtliche Gegner locker aus dem Weg räumen, auch der Soundtrack mit französischem Rap und HipHop passt hervorragend zu den stylischen Bildern, enttäuscht war ich dagegen von den ganz wenigen Parkour-Einlagen, die den ersten Teil von Ghettogangz so unverwechselbar gemacht hatten. Diese wurden stark zurückgeschraubt zugunsten jeder Menge Martial-Arts-Prügeleien, deren vorhersehbarer Ausgang keinerlei Spannung aufkommen läßt. Zwar schafft es Ghettogangz 2 jedesmal, wenn es droht langweilig zu werden, doch noch durch einen gekonnten Szenenwechsel den Zuseher bei Laune zu halten, aber mit zusehender Dauer des Films wünscht man sich doch etwas mehr Handlung. Apropos, die von Leïto und Damien vorgeschlagene und ohne weiteres akzeptierte Zusammenarbeit der Ghetto-Größen plus die Hands-on-Mentalität des Präsidenten zum Schluß, die waffenfreie Erstürmung des Élysée-Palasts sowie der strenggenommen fehlende Schluß (nach der letzten Sprengung laufen schon die Credits) hinterlassen den Eindruck, daß hier eine - zugegeben gelungene - Kampfsport-Inszenierung auf Spielfilmlänge aufgeblasen wurde. Diesbezüglich angeboten hätte sich zumindest beim Tête-à-tête mit dem Oberfiesling am Schluß ein entsprechender Endkampf (als Krönung dieses Kampfsport-Films), aber nein, der fällt nach einem Tritt auf die Knie und darf sich dann mit clownesk verzerrtem Gesicht dumme Sprüche anhören. Sein Boss wird kurz danach in einen Teppich eingerollt. Immerhin nimmt sich Ghettogangz 2 an keiner Stelle ernst: Die Spezialeinheit heißt DISS (ja wirklich!) und fährt auch mit gut sichtbaren derartigen Nummernschildern herum, die Immobilienspekulanten firmieren unter Harriburton, Parallelen zur US-Skandalfirma Halliburton beabsichtigt.
Darstellerisch gibt es prinzipiell nichts auszusetzen, die beiden Helden sind immer noch fit und springlebendig, die Gangster klischeehaft fies und der französiche Präsident zumindest ein Mann mit Prinzipien, der nicht vorschnell handelt (den schlecht darzustellen traute sich selbst Drehbuchautor Luc Besson nicht). Am Interessantesten freilich sind die 5 Bosse der tonangebenden Gangs im Ghetto: ein Schwarzer mit reichlich Narben im Gesicht, ein Islamist, der wohl die maghrebinische Gemeinschaft repräsentiert, ein Glatzkopf mit Hakenkreuz-Tattoo auf der Schulter (für die rechtsradikale weiße Community?), eine Asiatin (als einziger weiblicher Boss) sowie ein kleinwüchsiger Gangster mit Hut (ob dieser einen italienischen oder jüdischen Mobster darstellen sollte, wird nicht ganz klar). Der Schwarze und die Asiatin mit dem merkwürdig tätowierten Gesicht und den - erst später als zusätzlicher Gag offenbarten - scharfen Klingen am Zopf haben etwas mehr Screentime, die anderen drei sind nur Staffage - schade, diesen optisch auffälligen Charaktären hätte man mehr Zeit widmen sollen, was sogar der Grundidee von Ghettogangz 2, der nur auf Schauwerte setzt, gerecht geworden wäre - dann aber wären wohl über 2 Stunden Film herausgekommen. Die restlichen Darsteller - Gangstergehilfen, Handlanger, Polizisten und Spezialeinheiten - bewegen sich zwar ebenfalls, fallen aber bei der geringsten Berührung um und können die beiden Helden nie aufhalten.
Auch wenn der Film den schmalen Plot nur als Gerüst für seine stylischen Bilder nutzt, sollten in Sachen Logik wenigstens die grundsätzlichsten Dinge passen. Ein paar Beispiele: Als der Streifenwagen mit den bereits toten Polizisten in der Banlieue 13 abgesetzt wird, bemerken ihn die dortigen Bewohner sofort - aber den Lastwagen, aus dem er geplumpst ist sowie den schwarzen Geländewagen (mit dem gar nicht auffälligen Kennzeichen DISS) bemerken sie nicht? Dann ist beispielsweise von einer "Evakuierung" der Banlieue 13 die Rede, welche vom Militär veranlasst wurde, der Zwischenbericht nach vielleicht 24 Stunden spricht von 1 Million(!) Evakuierten - wo sind die alle untergekommen, wieso gibt es davon keine Bilder? Auch als dann die 5 neuralgischen Punkte doch noch, in allerdings anderer Absicht, gesprengt werden, wird jeder Knopfdruck von einem kurzen Brummen begleitet, Bilder davon gibt es jedoch nicht. Die jeweiligen Clanchefs erkennen offenbar anhand dieses "Brummens", daß ihre jeweilige bisherige Behausung in die Luft gejagt wurde, was sie klaglos akzeptieren - sie kriegen dafür ja neue Häuser gebaut, Monsieur le President hat es doch versprochen. Und ihre "Geschäfte" in der Zwischenzeit? Total unglaubwürdig... Wenigstens ein gesprengtes Wohnsilo hätte man CGI-technisch einbauen können, so aber wirkt das alles nicht. Daß der Film danach dann so abrupt endet, ohne jede weitere Szene (ich hätte mir wenigstens eine Großbaustelle erwartet, an der die Banlieue-Bewohner mithelfen oder etwas in dieser Art) ist dann doch eine ziemliche Enttäuschung.
Somit bleibt der Eindruck eines sauber abgedrehten Kampfsport-Spektakels ohne tatsächliche Höhepunkte, gefällig und stylisch abgefilmt, welches aber keinen bleibenden Eindruck hinterläßt. 5,51 Punkte.