Jean-Pierre Melvilles letzter Film, "Un Flic", beginnt - wie gewohnt - mit einem prätentiösen Zitat. Was folgt sind unterkühlte, in bläuliche Blässe getauchte Aufnahmen, die dem Ästheten so ziemlich alles geben, was er haben will. Man geht also davon aus, dass man sich einen hochkonzentrierten, sinnigen Film ansieht - wie etwa den Vorgänger "Le Cercle Rouge". Das ist aber leider nicht der Fall.
Im großen und ganzen geht es um einen aggressiv-verbissenen Polizisten namens Edouard Coleman, gespielt von Alain Delon, der Jagd auf seinen Freund, Simon, macht - ein gewitzter Gangster, gespielt von Richard Crenna. Zwischen den Zweien steht ihrer beider Liebhaberin, Cathy, gespielt von Catherina Deneuve.
In den knapp 96 Minuten passiert so Einiges: zuerst überfällt Simon mit seinen Komplizen eine Bank, dann sieht man Coleman am Tatort eines Mordes, dann will er drei Räuber verhören, später führt Simon mit seiner Bande von einem Helikopter aus einen waghalsigen, spannend und in Echtzeit inszenierten Überfall auf einen fahrenden Zug durch (Nostalgiker dürfen sich hierbei an den liebevollen Miniaturen erfreuen). Die Fülle an Ereignissen offenbart jedoch eine der zwei großen Schwächen des recht kurzweiligen Films: der fokale Punkt in der Story fehlt - Vieles geschieht, Weniges wird erläutert.
Der zweite Schwachpunkt sind die Charaktere. Emotional bleiben Coleman und Simon uninteressant, ihre Freundschaft unterbelichtet. Weder Delon, noch Crenna schaffen es, den Film an sich zu reißen. Auch das Potentail, das im eigentlich interessantesten Charakter des Films, Cathy, steckt, wird nicht ausgereizt. Sie steht zwischen Coleman und Simon, von einer emotionalen Zerissenheit jedoch kaum eine Spur.
Sieht man darüber hinweg, darf man sich an einem Film erfreuen, der immerhin zwei "Kardinalkriterien" erfüllt: "Un Flic" sieht gut aus und langweilt nicht.