Melville hochkonzentriert
Ich muss mehr Filme von Jean-Pierre Melville gucken! Nach „Le Doulos“ und „Un Flic“ wird mir das besonders heftig deutlich. Dabei fällt es einem schwer sich mit den Figuren zu identifizieren oder Melvilles unterkühlte Thriller wirklich zu lieben, sie sind so anders und außerweltlich. Aber dennoch fühle ich mich nach seinen einzigartigen Werken wie bei keinem anderen Regisseur. Erschöpft und glücklich. Härter. Was für eine krasse filmische Identität und Sprache diese französische Legende hatte… „Der Chef“ aka „Un Flic“ ist Melvilles letzter Film vor seinem Tod und ganz klar Vorbild für Dinger wie „Heat“ oder „Drive“. Nur noch viel, viel strikter. Er erzählt von Polizisten und Kriminellen, ihren Verbindungen und dem gegenseitigen, beruflichen Respekt, den Grauzonen und der „Verfolgungsjagd“ zweier Freunde auf verschiedenen Seiten des Gesetzes…
„Un Flic“ ist so ein eisenharter und kalter, leerer, stürmischer und zugleich bürokratischer Kriminalfilm, das hat man so noch nicht erlebt. Melville ging hier kurz vor seinem Ableben ganz klar all-in und beendete seinen Stil krass. Er führte alles zu Ende und auf die Spitze. Klar ist auch „Un Flic“ enorm einflussreich. Z.B. die Zugszene hat sicher auch DePalma beim ersten „Mission: Impossible“ beeinflusst. Aber im Grunde stößt das Ding sämtliche Zuschauer ab. Und ist vollkommen fein damit. Und ich bin es auch. Kantig, egoistisch, ein abartiger Alleingänger von Film. Diese Aura hatten auch viele vorangegangene Werke Melvilles, aber immer eher gepaart mit einer gewissen Melancholie oder gar Traurigkeit, Coolness eh. Aber „Un Flic“ ist schon brutal abweisend. Da fällt es einem echt schwer dran zu bleiben geschweige denn etwas zu fühlen. Und das ist enorm beeindruckend und konsequent. Delon, Crenna und Co. spielen stark, ohne Frage. Aber selbst die größte Starbrillanz kommt nicht durch diese Stahlaura. „Un Flic“ hat kaum Action oder Dramatik, er ist biederster Realist und ein Wolf im Wolfspelz. Er schmeckt nach Blut, Eisen und Schweiß. Neutral und unnachgiebig. Dagegen wirkt selber die Matrix warm… Kann ich nicht super hoch bewerten - kann ich nur super hoch respektieren!
Fazit: kalt, bläulich, leer, unmenschlich, bitter… „Un Flic“ ist als Melvilles Abgesang perfekt. Und sein sturster, (positiv-)unsympathischster Film. Seine Definition.