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Fight Club ist kein Film der einen leiten sollte. Aber es könnte ein Film sein, der Nachdenken bewirken kann. Nachdenken. Worüber? Über sich, über seine Haltung zu sich selbst, zu anderen. Jeder der als Konsequenz aus diesem Film meint einen ebensolchen Club gründen zu wollen, scheint einen fragilen Charakter zu haben. Dies kann keine Intension des Films sein. Der Film fördert keine Brutalität oder gar Terror, und sicher warnt er auch nicht vor jenen.

Die Szene in der der Lebensmittelhändler gezwungen wird sein Studium wiederaufzunehmen ist exemplarisch für den Film. Zum Glück gezwungen zu werden, mit harten Mitteln zwar, aber womöglich als einziger Weg sehr effizient. Der Film macht sich lustig über Berühmtheiten, über das Suchen nach Perfektion und über das Scheffeln von Materialien. Dies alles beeinflusst unser Leben, unseren Charakter, in den Massenmedien wird dies in unendlichem (unerträglichem) Maße propagiert.

Der Film wehrt sich dagegen. Will gegen jene kämpfen, will den Charakter auf sich selbst reduzieren. Wer sind wir denn? Der Film meint: wir sind die Summe alle jener scheinbar ach so bedeutenen gehypten Ereignisse. Ja, wir sind verfälscht. Der Film ist höchst psychologisch, deshalb wird er ja auch als "gefährlich" eingestuft, weil er nicht auf oberflächliche Auseinandersetzung mittels Gewalt setzt, sondern die psychologische Komponente einen starken Part einnimmt. Diejenigen, die sich berufen fühlen etwas zu adaptieren, und sowieso leicht beeinflussbar sind, könnten Schwierigkeiten mit dem Plot haben. Oder eher mit den darauf -für sie- folgenden Konsequenzen.

Der Film macht Sinn, er zeigt wie wir uns arrangiert haben, aber wie wir alle eigentlich gar nicht leben wollen. Viele wünschen sich vielleicht jemanden wie Tyler Durden, der all das machen darf, wozu man sich selbst nicht traut, weil die Konsequenzen das folgende Leben zu schwierig machen würden. Dabei geht es nicht um Mord oder kriminelles, siehe Lebensmittelhändler, es geht um sich selbst. Er ist der Ausweg aus der Langeweile. Wir alle wägen Entscheidungen ab, JA oder NEIN, oder Kompromisse, womit habe ich den größten Vorteil. Ideale, jetzt mal unabhängig von der Zerstörung der Kreditkartenfirmen, zu verfolgen ist schwierig wegen der zuvor eingegangen Kompromisse.

Das Projekt Chaos soll die Ordnung der Gesellschaft zur Folge haben. Beseitigung von Unfairness und Priviligiertem. Alle fangen bei null und nichts an. Du bist erst dann frei all das zu tun was du willst, wenn du vorher alles verloren hast. Wie schon gesagt, hart, aber möglicherweise funktionabel. Wer nichts mehr zu verlieren hat ist zielstrebiger. Genauso wie die Zerstörung von Eigentum und Schulden als Gleichberechtigungsmethode realitätsfern ist, ist doch die Überspitzung in diesem Film hervorragend dazu geeignet sich selbst von außen zu betrachten und nachzudenken.

Fakt ist, daß eine Fortsetzung mich schwer enttäuschen würde. Sicher würde ich mir einen zweiten Teil angucken, aber ich weiß jetzt schon, daß ich ihn nicht so gut finden würde. Soviel ich weiß ist auch keiner in Planung, zum Glück. Es kann einfach nicht mehr dabei rausspringen als jetzt.

Klar: 10/10

Ach ja: Namenlos? Jack ist der Name.

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