Über den (vermeindlichen) Inhalt des Filmes ist schon genug geschrieben und interpretiert worden.
Vielen, die den Film als Gesellschaftskritik, als Kritik an reinen Werten des Konsums sehen und ihn dann aufgrund der überwälltigenden optischen und akustischen Aufbereitung hochjubeln, ist am Ende des Filmes wahrscheinlich eine Kleinigkeit entgangen.
Im Film werden immer wieder die Juppies, die Konsumenten, die Geldverdiener und nachher auch vollkommen "normal" lebende Menschen, Mütter, Kinder und ganze Familien angeklagt.
Dank eines Tyler Durden, der dunklen Seite eines erleuchteten Mitschwimmers im Strudel der materiellen Maßlosigkeit, dargestellt durch Edward Norton, bekommen all diese Nichtwissenden, verabscheuungswürdigen Kreaturen ihre gerechte Strafe.
Tyler spuckt und Uriniert ihnen ins Essen, reichert es noch mit ein Wenig körpereigenem Eiweiß an.
Als Kino-Filmvorführer montiert er Einzelbilder männlicher Genitalien in die harmlosesten Kinderfilme und amüsiert sich königlich darüber, dass diese Bilder unbewußt hängen bleiben und für Verstörung beim Zuschauer sorgen.
Eine subtile und feige Form der Rache und Vergeltung an denen, die ihm nichts angetan haben, die er aber für die Verkörperung des Bösen, für die Verantwortlichen seiner traurigen Existenz hält.
Er zerstört ganze Lebenswege nachhaltig, indem er Unschuldigen Todesangst durch die an den Kopf gehaltene Waffe einflößt, den Führerschein abnimmt und ihnen als glaubwürdiger Psychopath androht, sie irgendwann zu töten - er habe ja nun ihre Namen und Adressen.
Was da so als spontane, "lustige" und "kreative" Einzelaktion zunächst erscheint, entpuppt sich später bei einer kurzen, beiläufigen Kameraeinstellung als sadistische Masche - eine zufallende Tür in Tyler's Haus gibt für einen kleinen Moment den Blick frei auf auf das, was da so Pinwand-ähnlich alles angebracht ist - einen riesen Bestand an Führerscheinen ...
Nur, was die Zuschauer, die vor lauter undifferenzierter Antizipation eines weiteren Meisterwekes dieses "Genies" David Fincher nicht mitbekommen, besser noch, nicht mitbekommen wollen, ist die Klatsche und der Schlag ins eigene Gesicht.
Ganz am Ende des Films, als die böse Konsumwelt, das Herz der Wirtschaft und des Kapitalismus, der wertelosen Welt in Form der Hochhäuser und Banken, in einer wunderschönen Choreografie in Staub und Asche gelegt werden, als das Höllenfeuer für Gerechtigkeit auf Erden sorgt, da werden ebenfalls Zwischenbilder eingefügt.
Und wer ganz, ganz genau hinsieht, der hört danach innerlich das schallende Gelächter des Tyler Durden.
Und der heißt in Wirklichkeit ... David Fincher.
Der allerdings zeigt uns nicht nur im Einzelbild den Schwanz eines Pornodarstellers, sondern gleich in Derer drei.