"Gentlemen, Willkommen im Fight Club. Die erste Regel des Fight Club lautet: Ihr verliert kein Wort über den Fight Club. Die zweite Regel des Fight Club lautet: Ihr verliert KEIN WORT über den Fight Club!
Diese Rolle hat Edward Norton unsterblich gemacht. Er ist in seiner größten Rolle und spielt… einen Namenlosen? Die Namenlosigkeit des Hauptdarstellers hat natürlich seinen Grund. Er ist das Paradebeispiel für einen Durchschnittsbürger der 90er Jahre, der sich Gedankenlos dem Konsum hingibt, an nichts mehr glaubt und seinen Lebensinhalt in der Vervollständigung seiner Ikeakatalog Wohnung sieht "Wir sind Sklaven des IKEA-Nestbautriebs!". Damit ist er nicht sehr viel anders als wir alle. Eine Generation die sich damit abgefunden hat, dass Konzerne unser Leben mehr bestimmen als alles andere. "Wenn die Erforschung des Weltalls erstmal richtig abgeht, werden es die großen Konzerne sein, die allem einen Namen geben: Die IBM-Sternen-Sphäre, die Microsoft-Galaxie, Planet Starbucks…"
Mit solchen Aussagen wird der Zuschauer im Laufe des Films konfrontiert und ertappt sich sicherlich oft dabei, sich in dieser verlorenen Figur selbst zu erkennen. Eine an sich schon tolle Kernaussage, die dank Regisseur David Fincher (Se7en), dem Duo Edward Norton / Bratt Pitt und der einzigartigen Geschichte, die neben "Pulp Fiction" DEN Film der 90er Jahre abliefert und den Nerv der Zeit nicht besser treffen konnte.
Da Nortons alter Ego von seinem Leben Gelangweilt ist und nichts mehr fühlt, geht er zu Selbsthilfegruppen. Er nutzt deren Mitgefühl aus um selbst wieder was zu Fühlen und gibt sich als Schwerkrank aus. Es geht um das Entfliehen aus dem Alltag, um das Entkommen aus der Normalität, der Einsamkeit. Doch dann wird seine Lüge aufgedeckt: „Marla… Diese Elendstouristin. In Ihrer Lüge spiegelte sich meine Lüge... Plötzlich fühlte ich nichts mehr. Ich war unfähig, zu weinen.“ Seine Unzufriedenheit über die Sinnlosigkeit seines Lebens zwingt ihn und seinen Verstand immer härtere Maßnahmen zu ergreifen. Erst ist es der Fight Club, einem Club bei dem jeder mal seinen Dampf ablassen kann und später der sogar eine Terroristische Organisation. Eine Geschichte, die nach 9/11 sicherlich nicht den Weg auf die Leinwand gefunden hätte.
Mit unglaublich genialen Perspektiven, schnellen Schnitten und einer wahnsinnigen Detailverliebtheit in jeder Einstellung übertrifft Fincher nach Se7en sich selbst. Rein Optisch ist Fight Club ein Meilenstein der Filmgeschichte. Nehmen wir uns zum Beispiel die Kopiereroptik vor. "Schlaflosigkeit vernebelt die Realität. Alles ist weit weg. Alles ist eine Kopie einer Kopie einer Kopie." Während der Erzähler diesen Satz spricht, sieht man im Vordergrund den Kopierlaser - die Kamera befindet sich über einem Kopierer - Der Laser wandert von links nach rechts, während man im Hintergrund das Großraumbüro sieht, man riecht den Alltagsstress, alles bewegt sich. Diese geniale Einstellung ist keine Ausnahme. Es wird allerhand neues für das Auge geboten. Sogar Orson Welles (Citizen Kane) hätte sich vor Fincher verbeugt. Das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit der beiden Filme. Auch „Fight Club“ wurde in seiner Qualität unterschätzt, bekam damals ein Gemischtes Feedback und wurde nur für einen Oscar Nominiert. Es ist vielleicht zu direkt, zu dunkel und Brutal um jeden Gefallen zu können.
„Fight Club“ ist der Höhepunkt des Effektreichen Kinos der 90er. Bei der Schnelligkeit bleiben Aussage, Kritik, Humor und eine tolle Geschichte in keiner Einstellung auf der Strecke. Ein Meisterwerk, das noch etwas Zeit braucht um Vollständige Anerkennung zu erlangen, jede Menge neues bietet und einem zum Nachdenken zwingt. Mehr geht nicht: Pflichtprogramm.