Yes, Review Nr. 500!!! So long... and thanks for all the Shoes.
So, da ich den Runden natürlich tüchtig feiern will, und weil ich nicht weiß, ob ich die 1000 noch erleben werde, will ich dieses Review einem ganz besonderen Film widmen. Einem Film, der bei mir damals einen Schalter umgelegt hat, der mir gelehrt hat, ein paar Dinge aus einer etwas anderen Perspektive zu sehen, und der mir viele nützliche Weisheiten und Lebensregeln mit auf den Weg gegeben hat.
Das klingt jetzt gewiss sehr hochgestochen, aber FIGHT CLUB - dieser eine Film - hat für mich sehr lange Zeit etwas repräsentiert, zu was kein anderer Film (und geschweige denn die Realität) im Stande war. Dieser Film war für mich Wahrheit.
Hm, das nimmt ja immer abstrusere Formen an hier. Aber wartet mal ab, Leute...
Alle, die den Film kennen, werden folgende Passage wohl als absolute Zeitverschwendung betrachten, doch vielleicht gibt es ja doch jemanden, der diesen brutal geilen Streifen tatsächlich noch nicht gesehen hat, und genau dieser einen Person widme ich folgende Inhaltsangabe:
FIGHT CLUB erzählt die Geschichte eines anonymen Büroangestellten dem sein "Zahnrad im Uhrwerk der Gesellschaft"-Dasein gehörig aufs Gemüt schlägt. Sein karger Job füllt ihn genau so wenig aus, wie die desillusionierenden TV-Shows, sein schachtelförmiges Apartment-Leben und sein kleinkariertes Konsumverhalten, dessen sich unser Titelheld leider nur zu bewusst ist. Ausgelaugt von Schlaflosigkeit, fehlendem Lebenssinn und mangelnder zwischenmenschlicher Wärme bewältigt er den Alltag nur noch im Rausch ähnlichen Schwebezustand zwischen Wachsein und Sekundenschlaf. Als ihn die lebensverneinende Antriebslosigkeit fast schon völlig aufgesogen hat, begegnet er einem Mann namens Tyler Durden und dieser wird für ihn zum Retter, zum Propheten, zum Messias und zum besten Freund.
Tyler ist allerdings das komplette Gegenstück zu unserem Protagonisten. Tyler ist selbstbewusst, gebildet, ist erfolgreich beim anderen Geschlecht... und Tyler hat Visionen.
Es beginnt alles damit, dass sich Tyler, unser anonymer Erzähler und ein paar sich ebenso wertlos vorkommende Typen der Marke "White Trash der Arbeiterklasse" jeden Samstag treffen und sich gegenseitig prügeln, womit unser "Fight Club" schon einmal ins Leben gerufen wurde. Dies hört sich auf den ersten Blick wahrscheinlich gänzlich sinnfrei an, bietet den missmutigen Mannen aber erstens eine Plattform, um ihr überschüssiges Testosteron abzubauen, und zweitens stellt der Klub eine Art Insel dar, auf der nur die eigenen Gesetze gelten.
Doch Tyler strebt in Wahrheit an, eine Armee aufzubauen und mit dieser das Establishment zu stürzen. Als der "Fight Club" immer mehr Zuwachs bekommt und die Aktenkoffer-Guerillas erste Attentate auf Wahrzeichen des kleinbürgerlichen Spießertums vornimmt, wird unserem Anonymus der Boden unter den Füßen zu heiß.
Zu spät bemerkt er, dass Tyler, der zusehends dem Größenwahn verfällt, ihm das Austreten aus dem "Projekt: Chaos" nicht mehr gewährt...
Soweit so gut... Ich geb' zu, das kling jetzt noch nicht unbedingt nach d e m wahnsinns vom Hocker hauenden Überstreifen, gell!?
Liebe Unwissenden, die ihr diesen "Gottfilm", wie es oft so schön heißt, noch nicht geseh’n habt, bitte lasst im Kopf einfach ein klitzekleines Hintertürchen offen, durch dessen Spalt sich noch eine storytechnische 180°-Wendung hindurchmogeln kann. Diese ist es nämlich, die diesen Film so einzigartig, so überragend, so Briana Banks-mäßig macht…
Ferner spielt Brad Pitt hier (neben dem Bullen in „Sieben“ und dem irren Tierfreund in „12 Monkeys“) auch die Rolle seines Lebens, Ed Nortons schauspielerische Darbietung eines an der eigenen Kultur zugrunde gehenden Sesselpupers ist ohnehin jenseits jeder Wertbarkeit (ist positiv gemeint…) und ganz nebenbei bekommt man auch dufte Serviervorschläge aus dem „Anarchist Cookbook“ unterbreitet, z.B. wie man aus Orangensaft und Benzin ganz schnell hauseigenes Napalm fabrizieren kann.
Und hier noch die beiden wichtigsten Zitate des Films:
„Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich.“
„Erst wenn wir alles verloren haben, sind wir frei alles zu tun.“
Ich fasse zusammen:
FIGHT CLUB ist mehr als nur ein Film. FIGHT CLUB ist Anarchie, Poesie, Philosophie.
FIGHT CLUB ist der Wutschrei des Mittelstandes, die geballte, erhobene Faust des kleinen Mannes, der Ausbruch aller von der modernen Zivilisation unterdrückten Grundbedürfnisse.
FIGHT CLUB ist ein Hetzgesang gegen moderne Versklavung, gegen Gehirnwäsche durch die Medien, gegen d i e Art von Recht und Ordnung, wie sie die da oben uns aufoktroyieren.
FIGHT CLUB schildert den täglichen Kampf, in den man jeden Tag ziehen muss, um in der heutigen Zeit als eigenständiges Individuum Fußfassen zu können.
FIGHT CLUB zeigt auf, dass morgens einsam aufwachen, zur Arbeit schlürfen, sich dann wieder in sein einsames Kämmerchen verziehen..., dass dieser Trott, der uns geistig und emotional vor die Hunde gehen lässt, der für uns in der ersten Welt aber oft gar als Normalzustand angestrebt wird, nichts anderes als Selbstmord auf Raten ist.
FIGHT CLUB ist -*Penis*- der Filmriss, der dich daran zweifeln lässt, ob du gerade wach bist oder schläfst.
FIGHT CLUB ist die Apokalypse in deinem Kopf.
"With your Feet in the Air and your Head on the Ground, Try this Trick and Spin it"...
Ich bin Jack’s grinsende Rache, aber „Where is My Mind?“
Fazit:
Ist er es wirklich? Der beste Film, der je einem menschlichen Geiste entsprungen ist?
Egal. FIGHT CLUB ist jedenfalls einer meiner absoluten Lieblingsfilme, wenn nicht sogar die Nummer 1.
Ein Film, der einen aufrichtet, wenn man ganz unten ist, der einem Mut schenkt, und der den Funken Wahnsinn am Glimmen erhält.
Der Nullpunkt – hast DU ihn schon erreicht?