„Willkommen im Fight Club!“ Brad Pitt steht mit freiem Oberkörper in einem schäbigen Keller. Man hört im Hintergrund Altwasser tropfen und Männer spucken. Um Pitt herum: Eine Horde Männer: Dicke, dünne, hässliche, schöne. Der eine ist im echten Leben gutverdienender Manager, der andere Sozialhilfeempfänger. Doch etwas hat sie zu Tyler Durden (die von Brad Pitt dargestellte Figur) geführt. Den Drang nach Emotionen, nach Gefühl, nach reinem Menschsein. Durden sagt, Selbstverbesserung sei Masturbation; er frönt der Selbstzerstörung und zelebriert sie. Durden ist „hauptberuflich“ Seifenverkäufer, die er in seiner Badewanne primär aus von einer Fettabsaugungsklinik geklautem Menschenfett zubereitet. Dann kellnert er auch noch in einem Nobellokal, vergisst aber nie den servierten Köstlichkeiten seine ganz persönliche Note beizufügen: Die Elite der Stadt verspeist Durdens sämtliche Körperflüssigkeiten. Ferner ist der Guerilla auch noch in einem Kino als Vorführer tätig – um in Disney-Filme kurze Porno-Schnipsel einzuschneiden. Durden zeigt, dass Sicherheit eine Illusion ist. Durden ist eine Kultfigur.
Edward Norton spielt in Fight Club einen namenlosen Erzähler. Ein Bürohengst, der seine Appartementwohnung mit Ikea-Möbeln zubaut, und sich fragt „welche Sofagarnitur wohl am besten seine Persönlichkeit widerspiegelt“. Auch er lebt in einer Welt, in der er sich selbst noch nicht gefunden hat. Schlaflosigkeit ist die Folge seines unbefriedigenden Jobs, seines langweiligen Lebens in einer kalten Welt. Um endlich wieder etwas zu spüren besucht er Selbsthilfegruppen und simuliert das jeweilige Leiden. Wenn Läukemiekranke, Hoden-amputierte Männer oder von Parasiten geplagten Bürger sich bei ihm ausweinen, kann auch er heulen. Endlich kann er wieder schlafen. Doch sein Glück währt nicht lange. Marla Singer (Heather Bonham Carter) taucht in seinen Selbsthilfegruppen auf. Auch sie ist eine „Elends-Touristin“. Nur, in Gegenwart einer weiteren Betrügerin kann er selber nicht weinen. Die kurze Begegnung zwischen den beiden scheint ein jähes Ende zu haben, als sie beschließen, ihre Gruppen aufzuteilen.
Eines Abends kommt der Erzähler von einer Geschäftsreise wieder (er besichtigt Schauplätze von Autounfällen im Namen des Autoherstellers um eine Rückrufaktion abzuwägen), um festzustellen, dass sein Appartement – sein in Möbeln ausgedrücktes Ich – in die Luft gesprengt wurde. Hilfesuchend wendet er sich an den eben kennengelernten Tyler Durden, der ihm sofort ein Zimmer in seiner Bruchbude in der Paper Street anbietet. Dieses Duo erfindet den „Fight Club“.
Mehr darf ich jetzt nicht verraten, nur ein Spoiler zu viel, und schon verliert der ganze Film an Wirkung. „Fight Club“ ist hart, böse, zynisch und hinterhältig. Man hört den Parolen Tylder Durdens zu, und stimmt ihnen zunächst zu – bis er zu weit geht. Das moralische Ende ist schwerer zu verdauen, als ein Bad Ending. Aber zwischen Anfang und Ende erwartet den Zuschauer ein Bildgewitter aller höchster Klasse. Verzerrte Momentaufnahmen eines dahinscheidenden Lebens, schnelle, rasante Steadycamfahrten in den Schluchten der unbekannten Stadt. Und Dialoge die einfach nur göttlich sind. Dass Fincher bei all der bösen Oberfläche eigentlich eine Liebesgeschichte inszeniert, merkt man zu spät. „Fight Club“ – der Film zur Seife, oder andersherum? „Fight Club“ – der Film für den jungen Mann, der noch nicht weiß, wo sein Platz in der Gesellschaft ist, und ein Film für denjenigen, der endlich mal rebellieren will – und wenn es nur mit den Augen ist.
Ein wirklich großer, befreiender Film, der wirklich zu den besten Filmen der 90er gehört. Vermutlich neben „Pulp Fiction“ und „Reservoir Dogs“ zu DEM besten Film der 90er.