Es gibt tatsächlich Filme, die nicht umsonst Kult sind. Einer davon ist ohne Zweifel «Fight Club», der den Puls der Zeit nicht nur getroffen, sondern gnadenlos zerfleischt hat. Dieser Streifen ist Power pur, Philosophie in Reinform und Perversion at it's best. Von der ersten Sekunde an wird das Publikum in den Sog dieses filmischen Spektakels gezerrt, das in kompromisslosen Bildern eine Weltsicht beschreibt, die gleichermassen verstörend und faszinierend ist.
Es ist die Geschichte eines Mannes ohne Vergangenheit und Zukunft, eines Menschen wie du und ich, geplagt von Selbstzweifel und Unzufriedenheit. In einem Stadium der chronischen Gleichgültigkeit trifft er auf Tyler Durden, der das genaue Gegenteil seiner eigenen Existenz zu sein scheint. Im wahrsten Sinne des Wortes pisst Tyler auf den kommerziellen Lebensstil. Er ist ein echter Revoluzzer: Tyler hat Visionen. Visionen, die unseren namenlosen Protagonisten inspirieren – und mit ihm auch uns.
Die Ideen des exzentrischen Mannes erscheinen uns erst ganz spassig. Alles beginnt mit einer harmlosen Prügelei, doch das Drehbuch schlittert unaufhaltsam in eine diktatorisch geführte Terroroganisation. Die Sache läuft aus dem Ruder, der Film schlägt höhere Wellen, als wir Zuschauer es uns gewohnt sind. Auf brutalste Weise wird unsere eigene Moral auf die Probe gestellt. Zusammen mit dem Protagonisten versuchen wir, aus der grässlichen Welt Tylers auszubrechen.
Und hier, genau an diesem Punkt, erwartet uns eine der brillantesten Storytwists der Filmgeschichte. Einmal mehr überrennt uns der Streifen gnadenlos. Über diesen genialen Clou will ich mich brav totschweigen, denn wenn es einen Film gibt, der durch Spoiler nutzlos wird, dann ist es «Fight Club».
Zur überwältigenden Wirkung des Filmes tragen die drei Hauptdarsteller nicht unmassgeblich bei. Brad Pitt als Tyler Durden ist Sex und Männlichkeit pur. In keiner anderen seiner nachfolgenden Rollen konnte er so gekonnt auftrumpfen wie hier. Helena Bonham Carter meistert die Rolle der Marla Singer mit der von ihr gewohnten Präsenz. Doch trotz ihrer hervorragenden Performance stehen die beiden unweigerlich im Schatten von Edward Norton, dessen schauspielerische Leistung beispiellos ist und auch bleiben wird.
Hinzu kommt das ausgefeilte Drehbuch, das keinen Hundertstel der Laufzeit ungenutzt verstreichen lässt. Zwar kann man der Handlung problemlos folgen, doch die Genialität derselben offenbart sich erst am Ende dieser mentalen Achterbahnfahrt. Die Inszenierung tut ihr Übriges. Restlos alles ist bis ins letzte Detail ausgearbeitet, die Drehorte fügen sich stimmig ins Gesamtbild ein, vermitteln eine wunderbar dichte Atmosphäre.
«Fight Club» ist geballte Energie. David Finchers Werk hat mehr zu sagen, als ein normaler Mensch während zwei Stunden aufnehmen kann. Dieser Film entzieht sich jeglicher Beschreibung. Man muss ihn schlicht und ergreifend gesehen haben. Und das definitiv mehr als nur ein einziges Mal.
10/10