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Der erfolgreiche Kunstfotograf Gale - von Richard Grieco sehr sensibel als schillernde, charismatische Persönlichkeit verkörpert - gerät in die Mühlen der Justiz: bei sadomasochistischen Strangulationsspielen hat er eine seiner Sex- und Foto-Partnerinnen mit ihrem Schal erwürgt. Das Gericht folgt seiner Beteuerung, es sei ein Unfall gewesen, und verurteilt ihn zu einer Bewährungsstrafe wegen Totschlags - mit der Auflage, zweimal pro Woche einen Bewährungshelfer aufzusuchen.

Beth Spinella ist seine Bewährungshelferin: jung und sehr attraktiv, aber gegenüber ihrer Klientel eiskalt und professionell. Die bei dem Sex-Unfall umgekommene Lisa war ihre beste Freundin. Entgegen allen Bedenken der Kollegen wegen ihrer Befangenheit reisst sie den Fall an sich; sie will genau wissen, wie ihre Freundin ums Leben gekommen ist.

Gleich beim ersten Termin macht Beth dem erfolgsverwöhnten, gutaussehenden Junggesellen klar, dass sein selbstbewusster Charme hier nicht funktioniert. Aber nach einigem Hin und Her gelingt es ihm trotzdem, die junge Frau in seinen Bann zu ziehen: Sehr geschickt nutzt Gale Beths Vorgeschichte als Missbrauchsopfer ihres eigenen Vaters und ihre Verstrickung in die Sache mit Lisa dazu, die Bewährungshelferin in eine ganz und gar ungesetzliche und unprofessionelle Affaire zu verstricken, in der sie genau dieselben sadomasochistischen Praktiken an sich selbst erlebt, denen die Freundin zum Opfer gefallen ist.

Die Geschichte endet grausig mit mehreren Morden - und mit einer Überraschung, die um der Spannung willen hier nicht verraten werden soll.

Der Stoff ist in mehrfacher Hinsicht heikel: Sowohl Kindesmissbrauch als auch SM sind sensible Themen, und an einigen Stellen schrammt der Film zudem hart daran vorbei, die Grenze zur Pornografie zu überschreiten. Andererseits ist gerade eine dieser Stellen eines der Highlights des Films: Gale schleppt Beth in einen Swinger-Club, in dem die Beiden zu Voyeuren eines Geschlechtsakts auf offener Bühne werden. Der Film-Zuschauer wiederum darf sich voyeuristisch daran erfreuen, wie Gales Hände sich dabei erstmals ganz leise und vorsichtig zu Beths Brüsten vorwagen. Wohl selten in der Filmgeschichte wurde so augenfällig der Unterschied zwischen Sex und Erotik demonstriert.

Abgesehen von ein paar solcher erotischer Highlights wirkt die Regie wenig inspiriert; der Film lebt hauptsächlich von der guten Leistung der beiden Hauptdarsteller. Er ist spannend und einige Male auch wirklich hoch erotisch. Aber um daraus den Psycho-Thriller par excellence zu machen, den der Stoff durchaus hergegeben hätte, ist die Regie zu bieder.

Für mich bleibt zudem auch in Bezug auf SM und Kindesmissbrauch ein ungutes Gefühl: beides wurde hier in einer Weise für Krimi-Unterhaltung instrumentalisiert, die diesen sensiblen Themen nicht unbedingt gut tut. Deshalb "nur" 60 Prozent.

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