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Wohl kaum einer kennt sich mit dem Genre Sexploitation mit all seinen Unterarten so vortrefflich aus wie der gute Andreas Bethmann. Seine mit viel Mühe und Liebe zum Film inszenierten Werke zeugen mit zahllosen Verweisen ebenso auf ein enormes Detailwissen, auch seine (zugegeben stilistisch saumäßigen) Bücher thematisieren stets schmuddelige Abgründe der Filmgeschichte. So schrieb und publizierte Bethmann in seinem „Deep Red Gore Book“ über die 100 blutigsten Filme und in seinem „Deep Wet Torture Handbook“ über die 100 besten Frauenfolterfilme.

Auch zum Thema Kannibalenfilm wüsste der Mann sicherlich einiges zu sagen, vor allem da er bestimmt jeden einzelnen Genre-Vertreter gesehen haben dürfte. Umso erstaunlicher die Tatsache, dass das gleichnamige Buch von einem völlig anderen Autor stammt, einem gewissen Aaron Boone. Und waren schon die gedruckten Worte nicht gerade das Gelbe vom Ei (nur für Genre-Neulinge wirklich zu empfehlen), so ist die dazu gehörige „Dokumentation“ purer Etikettenschwindel und einfach nur als dreist zu bezeichnen.

Der emotionslose, wenig begeisterte Kommentator und die katastrophale technische Umsetzung sind aufgrund der Gegebenheiten und vor allem des nicht vorhandenen Budgets nicht die Faktoren, die es zu kritisieren gilt. Viel schlimmer ist es, dass ein so bekennender Exploitation-Fan wie Bethmann nichts von seinen persönlichen Eindrücken preisgibt. Ein paar Anekdötchen, der ein oder andere Insider und eventuell sogar filmhistorische Informationen hätten schon viel ausgemacht, schließlich kommt es bei einer solchen Liebhaber-Doku nur auf den Inhalt an, wie es formal aussieht ist kaum von Belang.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt handelt es sich bloß um eine Aneinanderreihung von diversen deutschen Trailern, einige kennt man sogar schon von diversen Trailer-Shows von DVDs. Widerlich ist auch die Eigenwerbung zu Bethmanns damals noch in der Produktion stehenden „Todesengel“. Mit diesem Werk sollte sich der extravagante Regisseur deutlich absetzen aus dem Pulk deutscher Amateur-Filmemacher und fand seinen eigenen, wenn auch völlig kranken Stil. Da schon thematisch der „Todesengel“-Trailer total fehl am Platz ist (in einer Doku über Frauenfolterfilme wäre das sicher anders), disqualifiziert dieser letzte Kritikpunkt den Film völlig. Einzig der unfreiwillig komische Kommentar weiß stellenweise zu begeistern, einige Trailer sind wohl auch sehr rar geworden.

Für die hier gebotene Arbeit Geld zu verlangen ist schlichtweg vermessen, selbst als DVD-Bonus will das Teil wohl keiner sehen. Kein Wunder das die wenigen verkauften Tapes mehr oder weniger vergessen sind und in etwa so bekannt sind wie Bethmanns erste filmische Gehversuche (ich sag nur „Weststadtmassaker“).

Fazit: Wirklich ganz schön unverschämt, was uns Bethmann hier vorsetzt, gerade in Anbetracht seiner ordentlichen Regie-Arbeiten wie „Exitus Interruptus“ oder „Rossa Venezia“. Verschlimmert wird dieser Gesamteindruck von der offensichtlichen Lieblosigkeit, die nur den wenigsten Produkten aus dem Hause X-Rated anhaftet.

01 / 10, weil nicht weniger geht

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