„Killer – Tagebuch eines Serienmörders“ erzählt uns eigentlich nicht wirklich eine neue Geschichte, denn das Thema um Serienmörder, welche im Knast sitzen, wurde oft genug bemüht. Glücklicherweise kann sich „Killer…“ nicht in die Riege nur mittelmäßiger Serienkillerfilme einordnen, welchen es nur um den spektakulären und vordergründigen Einsatz von möglichst blutigen FX geht. Nein, dieser Film weiß mit einer spannenden Story und eindringlichen Bildern, mehr als nur zu unterhalten. Leider scheint genau das der Grund dafür zu sein, dass dieser Film nie die ihm zustehende Aufmerksamkeit zu teil wurde und er eher ein Schattendasein hinter ähnlichen, weitaus plakativer angelegten Genrevertretern fristet.
Carl Panzram soll Amerikas erster Massenmörder gewesen sein. Panzram sitzt in Leavenworth / Kansas im Knast ein. Dort wartet er auf seinen Prozess und lernt während dieser Zeit den jungen Gefängniswärter Henry Lesser kennen. Panzram vertraut Lesser seine Memoiren an, die er aber auf gar keinen Fall veröffentlichen darf.
Mit dem Lesen des Tagebuchs tauchen wir ein, in die dunkle Welt Panzrams. Jene mag uns zwar kaum noch schockieren, dazu ist diese Welt des Panzram im Film zu klar auf „Bürgerschreck“ angelegt. Der Zuschauer ist dank vieler Filme und auch realer Vorkommnisse auf das, was da kommt, gut Vorbereitet. Die Bilder des Films zeigen aber trotzdem sehr gut, wie pervertiert Panzram und auch einige andere Zeitgenossen so sind.
Regisseur Metcalf lässt seinem Killer im Film freie Hand und zeigt dabei, das Gewalt natürlich meist Gegengewalt auslöst. Ein ewiger Kreislauf, in dem sich die düsteren schwarz - weiß Bilder aus Panzrams Vergangenheit, einreihen und so ein möglichst komplettes Bild der Entwicklung Panzrams abgegeben werden soll. Dies gelingt auf jeden Fall. Allerdings macht sich Metcalfe die Sache aber auch sehr einfach. So wird wieder einmal die Gesellschaft an sich, als Schuldiger herangezogen. Ohne dabei zu differenzieren oder zu hinterfragen. Das nimmt dem Film stellenweise eine Menge Potential. Sehr schade. Aber sicher ist es auch ein Anliegen Metcalfes gewesen, den Zuschauer zum nachdenken anzuregen. Selber hinter die Fassaden des Wahnsinns einer entgleisten Welt zu sehen und vor allem sicher auch das eigene Handeln zu hinterfragen. Eine tiefsinnige Erklärung werden wir im Film nicht finden.
Und so soll „Killer…“ sicher nicht schockieren sonder kritisieren. Das System an sich ist erkrankt. Es wird die Ausgeburt der Krankheit bekämpft, aber nie jene, welche das Nest bauen und die Brut ablegen. Es werden Gefängnisse für viel Geld gebaut, sozialverträgliche Wohnungen bleiben die Ausnahme. Wenn man möchte, kann man dies und vieles mehr hinter dem Film entdecken. Zumal dann immer noch die Frage nach der viel diskutierten Todesstrafe im Raum steht. Die Frage nach Moral und Humanität wird nicht beantwortet. Ja, sie kann nicht einfach beantwortet werden und schon gar nicht in diesem Film.
Wer sich schon bei „Henry“ und „Das Schweigen der Lämmer“ gut aufgehoben fühlte, wird sicher auch in „Killer…“ einen ansprechenden Genrebeitrag finden. Zumal James Woods in der Rolle des Panzram, wie die restliche Riege auch, hervorragend spielt. Der Film hat eine intensive düstere Grundstimmung und weiß durch einen gelungenen Spannungsaufbau zu gefallen. Ein Zeugnis für die gelungene Umsetzung des Streifens, ist sicher die Faust in der Magengrube des Betrachters, welche immer wieder knallhart zuschlägt und am Ende ein ungutes Gefühl hinterlässt.