Review

Direkt an die Ereignisse des Vorgängers anschließende Weiterführung der Abenteuer um Simon Qing und seine Lust- und Schandtaten in weit zurückliegender Zeit; wobei der Film wie auch sein kopulierender Vorgänger wiederum eine mehr oder minder rühmliche Ausnahmerscheinigung im Kantonesischen Kino schon allein aufgrund seiner Originalität darstellt. Vielleicht nicht gleich in Bezug auf seine Machart oder die eventuelle Qualität dahinter, sondern weil man sich gänzlich allein auf weiter Flur befindet; sind dergleichen Werke seelischer und erlebnismäßiger Übergangsstimmungen in den letzten Jahren scheinbar selbst aus dem Bereich der kleinbürgerlichen Heimvideoware, geschweige denn der Setzung im Programmplan der Kino vollends verschwunden [ Einhergehend auch mit der Askese von Stephen Yip Tin-hang, der allein zwischen 1999 und 2001 ganze zwanzig Produktionen gedreht hatte. ] Der Punkt allgemeinen Negierens hat sich diesmal auch im Film selber fortgesetzt, wird nunmehr das Weltgefühl im Qing He County von einer allgemeinen Disharmonie im Land und der speziellen Entfesselung der Hauptfigur bestimmt, eine grundlegende Verschlechterung im Gefühlsleben aller Beteiligten, in der der sexuell weiterhin aktive Mann zwar nicht seine Stoßkraft verliert, diesen weiterhin tatsüchtigen Vitalismus aber in für seine Umwelt und deren gespreizte Schenkel expressivere und auch gefährlichere Bahnen lenkt.

Von der schon hymnisch verkündeten Ekstase des Erstlings, bei der der Drang nach Freiheit, Lust und Liebe in einer Art mythisierenden Zirkusphantasie dargeboten wird, man es in allerlei schwingenden, theoretisch von vorn und seitlich und hinten eher nach verrenkender Akrobatik statt Geschlechtsverkehr aussehenden Abstraktion miteinander trieb und diese Begierde gar in die heiligen Tempel einschmuggeln konnte, ist hier nur noch ganz wenig zu Beginn über. Die Neuorientierung verzichtet stark auf die magische Beschwörung der filmischen und filmhistorischen Vergangenheit, auf die distanzierenden Kalauer als rituelle Kleinigkeiten, die den Ton fast als Komödie und die Höhepunkte weniger als Orgasmus und eher als Klamaukgipfel auszeichneten. Möchte das bisher ausgelebte Gefühl intensivieren, aus der Sucht heraus in die extensive Steigerung hinein ständig immer mehr steigern und verliert sich nach dem ersten neckischen Spiel bald in eine unerbittlich glaubenslose Destruktion im schmerzvollen Schauder. Wobei das unschuldig Abstrakte über der Häufung des Konkreten schnell in ein schuldig Abstraktes Richtung Horror-Gebräu abdriftet; ein Weg, den in frappierender Weise auch die Stimmung von Sex & Zen zum teils Fantasy/Horror-düsteren Sex & Zen II ging:

Nach dem Mord an Wu Da-lung [ Frankie Ng ] hat sich Simon Qing [ Oscar Lam ] von seiner bisherigen Reise durch das Land und seine Betten in das heimische Domizil in Qing He County zurückgezogen, wo er sich mit seiner ersten Ehefrau Moon [ Hikaru Wakana ] und der neu gewonnenen Konkubine Lotus [ Serina Hayakawa ] verlustiert, was ihm bald nicht mehr ausreicht. Statt wie bisher durch die Bordelle zu springen, hat er es nun auf Pinky Li [ Kaera Uehara ], der Gemahlin seines Freundes Hua Zi-xu [ Tam Kon-chung ] abgesehen, die er nach einem weiteren Mord und mithilfe eines verabreichten Aphrodisiaka auch für sich gewinnt. Nachdem diese sich aber seinem Diener Bamboo [ Samuel Leung ] und so einer ménage à trois verweigert und mit Lotus alles ausprobiert ist, gerät das bisher unauffällige Dienstmädchen von Moon, Plum [ Winnie Leung ] in sein Beuteschema; ohne zu wissen, daß Moon diese extra für eigene Zwecke ausgesucht und durch einen Schamanen [ Lee Kin-yan ] hat präparieren lassen. Außerdem sinnt Wu Da-lungs jüngerer Bruder Wu Song [ Andrew Wu Qing-zhe ] auf Rache.

Die Geschichte dahinter ist im Vergleich hier nicht mehr so sehr Hilfskonstruktion zur Ordnung all der trotzdem zahlreichen Sexszenen, die anfangs wie typisch nur zwei, bald aber drei und mehr und rasch auch unfreiwillige statt freiwillige, von sich aus am körperlichen Alkt teilnehmen wollende Personen involvieren. Die Verführungskünste waren allerdings schon einmal erhabener, wechseln nun von harmomisch und romantisch hin zu dominant, von vereinigend zu wählend und bestimmend. Bildrhythmus und Klangfarbe ähneln sich scheinbar, das beliebte Setting wurde auch in den letzten Zuckungen der DTV - Abteilung wie The Impotent King, The Sexy Dragon Inn, Tortured Sex Goddess of Ming Dynasty viel und fleißig genutzt, verhält man sich dazu und dem Vorgänger jedoch in seiner zunehmend hässlichen Erscheinung und dem Stilbruch vom Naturalismus in eine Neue Sachlichkeit wie das misslungene Äquivalent. Derart sinnberaubt wird sich vom Geheimnisvollen der Frau, der es nach den Freuden des Körpers verlangt hin zum willkürlich Offenbarenden geändert, der Zufall der Poesie aus- und das Notwendigzufällige eingeschaltet. Wer nicht gehorcht, muss fühlen. Das Wollen kennt keine Grenzen mehr, die Leidenschaftswellen nehmen seltsame Außenformen an, von Bondage zur Erregung durch Blut und Folter, vom Voyeurismus und "Anbieten" der eigenen Partnerin zum Tausch zur ungefragten Massenvergewaltigung.

Dabei besitzt der aufwändige Film zwar die Potenz, sich in nunmehr anderer Form exemplarisch zu artikulieren, die Ereignisse des Vorgängers durch die Veränderungen in ein gleichsam anderes, sowohl schöneres als auch gleichzeitig düsteres Licht zu setzen wie auch aus den eigentlich bereits vertrauten Antworten ganz neue Auseinandersetzungen zu provozieren. Das Beharrungsvermögen ersetzt das Vorspiel gleich mit, wird aus der Sehnsucht ein Zwang, aus der phallischen Macht des Hauptdarstellers, die auch Nonnen verzückte nunmehr eine strenge soziale Hierarchie, in der die Frau nicht mehr wie noch zur Jungfräulichkeit und den ersten Gehversuchen bewundert und wenigstens ein ausbalanciertes Vermögen zwischen den Geschlechtern vorhanden, sondern eigentlich nur noch als Verlockungsprämie im Selbstbedienungsladen zu Diensten ist und sich auf diese Komplikationen des Alltags auch neu einzustellen hat. Das barbarische Festhalten oder Verzichten auch unter den Damen, die nunmehr aus der Not geboren als entblößte Instrumente hinterrücks selber Ränke und Schmiede führen und erst durch diese fragwürdigen Verhaltensweisen auch den bisher Simon zugestandenen Standort des monologisierenden Erzählers einnehmen dürfen, hieven das Werk so auf eine höhere dramaturgische Funktion, die eben nicht nur das künstliche Abfilmen einer absoluten Little Miss Innocence Passion in allerlei zeigefreudigen Akten postuliert, sondern vollends mit dieser lockeren Unbestimmtheit von Liebe in Leidenschaft bricht und die Triebe des Mannes zur Ejakulation schon als sein persönliches Schwert des Damokles kennzeichnen. Die Obszönität als Beginn des Untergangs.

Wirklich erotisch ist dies spätestens beim fast schon splattrigen Finale, der die ganze Tragödie missverstandener Mythen des Eros in expliziten Bildern aufzeigt, dabei nicht mehr. Zwar bedient man aus der Schlüssellochperspektive allerlei Fetische, aber dies als aggressive denn eher lüsterne Phantasie und lässt die eigentlich direkte Sexualität natürlich nicht in vollständiger Öffentlichkeit, sondern gleichsam verhüllt und angedeutet stattfinden. Dass das vulgarisierende japanische adult video idol Serina Hayakawa oft den Vorzug der Regie bekommt und mit ihrem Silikon im Ancient China eher irritierend statt verlockend wirkt, während Hikaru Wakana bis auf eine Masturbationsszene mit und ohne Dildo fast vollkommen aus dem Geschehen außen vor bleibt, reizt die Imagination auch nicht wirklich an.

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