Die Elefantenpolizei, Tarzerix, der Rächer, ... - eine Auszeichnung für den anspruchsvollsten Titel dürfte dieser Zeichentrickfilm wohl nicht gewinnen. Kann man vom Titel auf den Film schließen? Sind sparwitzige Bemerkungen und Bezeichnungen den ganzen Film über zu erwarten? Oder was?
Das chinesische Götterpantheon ist relativ vielschichtig, und enthält - ähnlich der griechischen Mythologie - sehr menschliche Götter. Man könnte den Film als animierte Fantasy/Eastern/Komödie für Erwachsene bezeichnen. Warum für Erwachsene werden sich jetzt viele Fragen. Ganz einfach: Der Film ist streckenweise sehr brutal und Kämpfe gehen selten unblutig aus.
Der Film spielt während der Zeit der ersten Kaiserreiche im Land der Mitte. Die Story kann man in zwei Bereiche aufteilen: Der große Kampf Gut gegen Böse, bei dem die guten Götter und deren Geschöpfe gegen die bösen Geschöpfe der chinesischen Mythologie, gegen habgierige und böse Gottheiten, und gegen korrupte Adlige und machtbesessene Magier kämpfen, und in mehrere kleine Kurzgeschichten, in denen - basierend auf dem Story Arc der Götter - die Erlebnisse der einfachen Menschen erzählt werden. Dabei gibt es immer wieder Querverweise und Überschneidungen, wobei diese teilweise ganz schön chaotisch wirken. Trotzdem findet die Story immer wieder zu ihrem roten Faden zurück. Ach ja: Titelgeber Tarzerix ist ein übermächtiger Bruce Lee Verschnitt, der im Namen des Guten weiter oben aufgezählten Abschaum bekämpft.
Warum in aller Welt, dieser Held in der deutschen Synchro Tarzerix genannt wird, wissen wahrscheinlich nur die Herren vom Verlag. Am Schluss gibt es noch einmal einen beeindruckenden Schlusskampf, bei dem nach guter alter Eastern-Manier mit den Bösewichtigen so richtig aufgeräumt wird.
Dem Film merkt man jedoch sein Alter an: Die Animationen sind in der Regel etwas trocken, computeranimierte Hintergründe darf man sich ebenso wenig erwarten, wie 3D-Schwenks oder dergleichen. Der Sound ist jedoch durchaus stimmig und passend, und erzeugt in den jeweiligen Szenen die passende Stimmung. Ebenso gut hätte er zu einem guten Eastern gepasst. (... wenn man das furchtbare Titellied ignoriert)
Am Ende habe ich mich immer gut unterhalten, jedoch ist dies eindeutig kein Film für Kinder. Warum der Film ab FSK 6 Jahren freigegeben ist, wird mir ein ewiges Rätsel bleiben, aber Anfang der 80er Jahre haben wohl alle Zeichentrickfilme zur Vereinfachung eine entsprechend großzügige Jugendfreigabe bekommen, ich kenne da noch das ein oder andere Beispiel.
Die einzelnen Teilstories sind an für sich recht brutal und nicht selten blutig. Graumsame Gleichnisse, wie ein Mann, der um seine Umschuld zu beweisen, sein eigenes Herz herausschneidet und dem fiesen Adligen auf einem Teller serviert, um zu zeigen, dass es keine schwarze Flecken hat, ist nur ein Beispiel.
Insgesamt muss ich sagen, dass dieser Film - obgleich brutal und auf entzückende Weise naiv - wesentlich mehr Klasse, Story und Abwechslung bietet, als jede Pokemon oder Dragonball Folge. In diesem Film gibt es zwar auch einige Kämpfe, jedoch mutieren diese nicht zum Selbstzweck.
Für Fans von Eastern und Fantasy Anime (ja, ja, ich weiss, es ist ein chinesischer Film, kein japanischer) kann der Film durchaus empfohlen werden. Er ist keine Offenbarung, jedoch ein solider und überraschend ehrlicher Eastern in Zeichentrickform. Allerdings ist die Story ein wenig überladen - nur 10 bis 15 Minuten mehr an Laufzeit hätten wahrscheinlich schon einiges ausgemacht. Meine Wertung deshalb: 7 von 10 Punkten.