Christopher Plummer spielt den unsterblichen Zauberer Dr. Parnassus, der mit seinem eher zweitklassigen Bühnenprogramm von Ort zu Ort reist. Parnassus, der einst einen Pakt mit dem Teufel schloss, wird von diesem persönlich daran erinnert, dass seine Tochter, gespielt von Lily Cole, an ihrem sechzehnten Geburtstag in den Besitz des Satans übergeht. Der Teufel bietet Parnassus jedoch eine neue Wette: Schafft er es innerhalb von drei Tagen fünf Seelen zu sammeln, kann er seine Tochter behalten. Mit seinem magischen Spiegel und dem neuen Publikumsmagnet in seiner Truppe, gespielt von Heath Ledger, erscheint dies als machbar, bis sich der namenlose Neue schließlich in das Geschehen einmischt.
Die Monty-Python-Truppe zeichnete besonders ihr schräger, absurder Humor und ihr Hang zum Fantastischen aus, womit sie, auch über die Grenzen Großbritanniens hinaus, den Kultstatus erreichte. Und auch die Regie-Arbeiten von Terry Gilliam, der einst den britischen Kultkomikern angehörte, zeichnen sich in aller Regel durch ihre ausgefallene, skurrile Machart aus, die Film für Film absolut einzigartig ist. "12 Monkeys" oder "König der Fischer" sind dabei eindrucksvolle Beispiele dafür, dass Gilliams Machart funktionieren und gut unterhalten kann, bei "Das Kabinett des Doktor Parnassus" hingegen hat er sich ähnlich wie bei "Brazil" oder "Brothers Grimm" deutlich übernommen.
So wirkt der Film zu keinem Zeitpunkt so, als wüsste Gilliam auch nur im Ansatz, worauf er eigentlich hinaus will. Geht es hier vor allem um den alterschwachen und zunehmend resignierenden Doktor Parnassus, der sich einst für seine Unsterblichkeit, seine Jugend und die Liebe zu einer Frau verkaufte und nun Tag für Tag den Preis dafür in einer Welt, in der er sich nicht mehr so recht zurechtfindet, zahlt? Geht es um das Duell mit dem Teufel, dem es eine Freude ist, Parnassus immer wieder aufs neue anzustacheln, ihn immer wieder zu neuen Wetten und Pakten zu verleiten? Und was zum Teufel hat der Fremde, den Parnassus und seine Truppe unter einer Brücke aufgehängt vorfinden, mit dem eigentlichen Plot zu tun?
Ansätze über Ansätze, Fragen über Fragen, dazu noch Wendungen, die zu nichts führen und allerlei Überlegungen über Geschichten und Fantasie und weder ein roter Faden, noch Antworten. Dies ist so etwa dass, woran "Das Kabinett des Dr. Parnassus" über weite Strecken krankt und weswegen er hoffnungslos überladen, verworren und wenig unterhaltsam daherkommt.
Da bringt dem fertigen, in jeder Beziehung unvollkommen wirkenden Produkt, das wahrscheinlich auch nicht stringenter gewirkt hätte, wenn Leger es hätte fertig stellen können, auch seine berauschende Optik nicht mehr viel. Die Fantasiewelten, die bei Eintritt in den Spiegel zustande kommen, haben mitunter durchaus eine berauschende Wirkung, werden dann aber auch wieder sehr schnell zu bizarr, sodass auch hier wieder nichts als ein befremdliches Durcheinander entsteht, was auch für die musikalische Unterlegung des Geschehens gilt, genauso, wie für Maske und Garderobe, die ebenfalls zu skurril ausfallen.
Heath Ledger zeigt in seiner letzten Rolle eine durchaus überzeugende Leistung, die jedoch eher unauffällig bleibt und in keinem Vergleich zu seiner Glanzleistung in "The Dark Knight" steht, weder, was seine Schauspielerei angeht, noch seine Präsenz, wobei er in einem absolut unglücklich konstruierten Charakter steckt. Christopher Plummer zeigt sich daneben vielleicht sogar etwas besser, spielt den alten, ausgebrannten Parnassus auf ganzer Linie überzeugend, während Tom Waits als süffisanter Teufel der auffälligste und präsenteste Darsteller im Ensemble ist. Wäre noch zu erwähnen, dass Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell, die den Heath-Ledger-Part vollenden, ihre Sache gut machen, und Lily Cole, eigentlich Model, eher blass bleibt.
Fazit:
"Das Kabinett des Dr. Parnassus" ist durcheinander, verworren und entwickelt in seinen zahlreichen Ansätzen zu keinem Zeitpunkt einen roten Faden. So fesselt der ebenso bizarr und befremdlich umgesetzte Film zu keinem Zeitpunkt, was besonders wegen der Darstellerleistungen und ein paar gelungener Bilder bedauerlich ist.
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