Review

Das Kabinett des Doktor Parnassus
Terry Gilliam

Gerade mal Acht Spielfilme drehte Terry Gilliam nach "Der Sinn des Lebens". Dieser letzte große Monty Python Film liegt nun schon knapp 27 Jahre zurück. Jedoch bereicherte uns Terry Gilliam mit ebenso kultigen Filmen wie Brasil, 12 Monkeys und Fear and Loathing in Las Vegas. Dann wurde es etwas ruhig um den Meister des skurrilen. Erst Sieben Jahre nach Fear and Loathing meldete er sich mit Brothers Grimm zurück. Dort warf man ihm vor zu kommerziell geworden zu sein. Trotz allem drückte Gilliam auch diesem Werk seinen eigenen Stempel auf. Mit Tideland verbaschiedete sich Gilliam dann vorerst von den großen Leinwänden.

Nun ist er zurück. Mit einem Film der genau so ungewöhnlich ist wie sein Titel. Und das wir überhaupt noch in den Genuss dieses Films kommen, hat man Terry Gilliam selbst zu verdanken, und all den Leuten und Gaststars die nach Heath Ledgers Tod an dem Film mitgewirkt haben. Denn trotz all dieser Steine die diesem Film in den Weg gelegt wurden, ist dieser letztendlich nicht nur ein letztes Andenken an Heath Ledger, sondern auch ein Terry Gilliam in Höchstform der hier einen visuell beeindruckenden Film abliefert.

So legt das Kinojahr 2010 Seitens westlicher Produktionen schonmal einen enormen Start hin. Erst mit Avatar hat James Cameron bereits ein visuelles Meisterwerk abgeliefert. Doch da wo es Avatar an Tiefgang fehlt, da punktet Doktor Parnassus. Terry Gilliam lädt hier in eine surreale Traumwelt ein die den Zuschauer zum nachdenken anregen soll.

Terry Gilliam erzählt uns auf seine ganz eigene Art eine Geschichte zwischen Realität und Traum. Wahrheit und Lügen. Mit Happy End und doch keinem Happy End. Eine Geschichte wo selbst der Teufel, ein wettsüchtiger zocker, noch eine menschliche Seite besitzt. Doch auch das wahre Böse lauert in dieser Geschichte.

Doktor Parnassus braucht eine Weile bis er in Fahrt kommt. Doch auch bis dahin bleibt der Film interessant. Dies hat man der schon sehr ungewöhnlichen Story zu verdanken. Man weiß nicht was als nächstes kommt oder welche Richtung der Film einschlagen wird. Denkt man das man den Film durchschaut hat, so wird man auch gleich wieder enttäuscht weil es neue Wendungen in der Geschichte gibt.

Natürlich ist nicht klar in wie weit Terry Gilliam die Geschichte nun umgeschrieben hat. In wie weit sie verändert wurde oder wie letztendlich das Originaldrehbuch aussah. Die Notlösung Heath Ledger durch Drei andere Namhafte Schauspieler zu ersetzen, die allesamt den Schauspieler persönlich kannten, war letztendlich eine fabelhafte Idee. Doch dieses ganze drumherum um ein Originaldrehbuch wie auch den Ersatz für Heath Ledger machen Terry Gilliams neusten Film so geheimnisvoll und interessant. Das wird bestimmt nicht jeder toll finden was er da sieht, aber wer sich so dermaßen allen Regeln der Erzählkunst widersetzt verdient Lob. Und zumindest meinen Lob kann sich Terry Gilliam gewiss sein.

Doch das es hier so manche Ungereimtheiten in der Geschichte gibt will ich nicht bestreiten. Mit dem Auftauchen von Heath Ledger macht es immer wieder den Anschein als würde Hier und Da was fehlen. Als würde die Geschichte überhaupt nicht komplett erzählt werden. Dies wird man in vielen Szenen bemerken. Dies alles macht zwar den Charakter Tony so unergründlich, so unergründlich das der Teufel Persönlich nicht dahinter kommt wer diese Person ist, jedoch kann man dem Film dadurch aber auch trotz der Gaststars manchmal auch nur schwer folgen. Man hat stehts den Eindruck das man hier nicht das sieht was man eigentlich sehen sollte. Eine Illusion? Dies bleibt wohl das Geheimnis von Terry Gilliam. Ob es jemals eine andere Schnittfassung geben wird, das wage ich doch zu bezweifeln.

Wie ich bereits schrieb, visuell ist Doktor Parnassus unbeschreiblich. Ich wurde regelrecht verzaubert durch all diese Bilder die mir da vorgesetzt wurden. Eine Welt so unbeschreiblich schön und doch zugleich das absolute Chaos. Natürlich gibt es mehr Szenen in der Realen Welt. Das knappe Budget von rund 18 Millionen Pfund hat dann aber auch solch extravagante Ausflüge in die Traumwelten auch nicht zugelassen.

Schauspielerisch gibt hier jeder sein Bestes. Ob Christopher Plummer als versoffener und hoffnungsloser alter Mann der das ewige Leben leid ist, Tom Waits als undurchschaubarer Teufel, Lily Cole als kleine Lolita oder aber Heath Ledger als Tony, der unberechenbar zu sein scheint. Hier gibt es keine Nebendarsteller, jede Figur ist wichtig für die Geschichte. Aber erwähnenswert sind hier auch die Gaststars: Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell, die Tony ihre Gesichter leihen. Natürlich sollte man auch Verne Troyer noch nennen, der so manch bedrückende Stimmung aufheitern konnte. Den Abschluss gab schließlich Peter Stormare als ein im Rollstuhl sitzender Präsident. Hier ist jedoch anzunehmen das die Figur dieses seltsamen Präsidenten nur der Phantasie von Tony entsprungen ist.

Fazit:
Terry Gilliams neustes Werk wird nicht jedem gefallen. Es ist auch bei weitem nicht einfach zu verstehen. Was man vorgesetzt bekommt ist recht schwer zu begreifende Kost die alleine schon durch das wahrscheinlich häufige umschreiben des Drehbuchs nicht einfacher wird. Dennoch ist der Film ein Erlebnis. Eine kleine Odyssey durch eine uns fremde und surreale Welt. Und dieses besondere Filmerlebnis schätze ich. Und mir ist auch klar das dieser Film nie die Anerkennung bekommen wird die ihm eigentlich zusteht. Ein Geheimtip. Und vielleicht ist das auch gut so.

Trotz einiger ungereimtheiten bin zumindest ich begeistert. Und wer sich hier auf einen ungewöhnlichen Film einlassen kann, der sollte sich zurücklehnen. Denn diese Reise dauert gute 120 Minuten. 9 von 10 Punkte.

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