Review

Nachdem mich "Tideland" ratlos zurückließ und ich an den Fähigkeiten Gilliams ernsthaft zu zweifeln begann, überraschte mich "Das Kabinett des Dr. Parnassus". Mit diesem Film kann der visionäre Regisseur fast wieder an seine früheren Werke anknüpfen. Fast.

Dass Heath Ledger während der Dreharbeiten im Januar 2008 verstarb, verlieh dem Film quasi schon vor der Fertigstellung einen gewissen Status. Nur auf die Rolle runtergebrochen, die Ledger in dem Film verkörpert und ohne zu wissen, welche Änderungen sich durch sein Ableben ergaben: Nach der Sichtung des Filmes kann man sagen, dass es kein Ledger-Vehikel geworden ist. Zwar führt sein Charakter Tony Wendungen herbei, die Grundstruktur findet allerdings zwischen Dr. Parnassus und Mr. Nick statt. Und beide, Christopher Plummer und (vor allem) Tom Waits, füllen ihre Charaktere sehr ansehnlich aus. Daneben kommt es auch nicht alle Tage vor, dass man viele weitere so bekannte Gesichter in einem Film versammelt, wie es hier mit Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell der Fall ist. Wobei diese als Ledger-Ersatz in die Bresche sprangen und seine Rolle jenseits des Spiegels einnahmen. Und selbst Farrell, den ich eigentlich gar nicht allzu gern sehe, fügt sich in das Ensemble ein. Weiterhin sind noch Lily Cole, Andrew Garfield und Verne Troyer zu sehen, die sich aber neben den Anderen kaum entfalten können.

Optisch ist der Film oft eine Augenweide. Von den bizarren Landschaften hinter dem Spiegel, die abschnittsweise auch an Monty Pythons Flying Circus erinnern, hätte ich gerne mehr gesehen. Denn in der ersten Filmhälfte hält der Film den Ball doch recht flach. Dadurch geht es auch mal etwas langatmig zu; allerdings nie so, dass er in nichtssagende Langeweile abdriftet. Die Geschichte selbst mag eine Variation der Faust-Thematik sein, lässt dies jedoch durch den spielfreudigen Cast nicht als Plagiat erkennen und gefällt (mit den oben genannten Einschränkungen). Allerdings muss sich das Werk ankreiden lassen, mit seinem episodischen Aufbau einem optimalen Erzählfluss nicht immer gerecht zu werden. Dannas Score ist leider zu  unspektakulär ausgefallen. Er hätte bombastischer ausfallen dürfen um sich gegen die Bilderflut zu behaupten.

Der Überhit ist Gilliam mit "Das Kabinett des Dr. Parnassus" nicht gelungen; ein Reinfall ist es aber bei weitem nicht. Allerdings ist er genauso wenig das angekündigte Vermächtnis von Heath Ledger. Seine Darstellung des Joker aus "The Dark Knight" wird da eher in Erinnerung bleiben. Es ist einfach ein weiterer Film, der sich unter den oberen Plätzen im Schaffen des Regisseurs einordnet und beweist, dass er es immer noch versteht, visuell bizarr-beeindruckende Filme mit einer interessanten Erzählweise zu schaffen.  Mehr davon!

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