Inhalt:
China, zur Zeit der spätmittelalterlichen Ming-Dynastie. Wang Yizhou "The Wind Waving Scholar" (Au Wai aka Ou Wei), Lu Dachao "The Bull Demon" (Li Kuan-Chang), Bai Feng "The Butcher" (Han Chiang) und die so schöne wie skrupellose Gu Miaozhen "The Seducer" (Lee Fung) wollen das "Great Mystery"-Manual, ein KungFu-Handbuch von unerklärlicher Macht und Bedeutung über die Schwerter von "Tai Hsuan" in ihren Besitz bringen.
Sie überfallen hierzu die Yunfeng-Village des Adelsherren Lu, da sie das Handbuch dort vermuten. Sie töten fast die gesamte Familie in einem blutigen Massaker, und brennen alles nieder. Nur die Tochter, noch ein Säugling, überlebt, da sie von einem Freund des Hauses (Tai Liang), nachdem ihre Mutter (Chiang Ching-Hsia) -die danacht stirbt- sie rettete, in Sicherheit gebracht wird.
Knapp 20 Jahre später. Der Säugling ist nun eine junge Frau, die schöne Lu Xia (Wang Ling). Sie ist eine exzellente Schwertkämpferin, und nunmehr bereit ihre Eltern zu rächen. Sie will die 4 Mörder von einst zur Rechenschaft ziehen, einen nach den anderen will sie töten und so Rache üben. Als erstes fällt ihr Bai Feng "The Butcher" zum Opfer, auch dessen Schergen werden dahingemetzelt. Doch Bai Feng hat einen Sohn, Bai Jiang (Tung Li), der nun wiederum selbst Rache schwört und Lu Xia nach dem Leben trachtet!
Lu Xia ist mit einem Pferdekarren unterwegs, bei einem Überfall durch Straßenräuber steht ihr ein älterer Schwertkämpfer zu Seite: "Lightning Sword" Wang Guanyu (Cho Kin aka Tsao Chien), er wird zum Gefährten von Lu Xia. Später stellt sich heraus, dass Wang Guanyu selbst eine Rechnung mit einem der Mörder -Wang Yizhou- offen hat und im Besitz des "Great Mystery"-Manuals ist.
Als nächstes soll Lu Dachao "The Bull Demon" sterben, ein erstes Duell endet ohne Ergebnis. Danach stellt Bai Jiang den Rache-Engel Lu Xia, es kommt zum Kampf, Lu Xia wird entwaffnet und ist dem Tode geweiht. Doch Bai Jiang bekommt Skrupel, und zeigt gar Verständnis für Lu Xia. Sie soll ihre Rache vollenden, Bai Jiang wird sie gar unterstützen. Doch dann will er sie zum Duell auf Leben oder Tod fordern.
Lu Dachao "The Bull Demon" kann seinem blutigen Schicksal nicht entgehen. Danach ist Gu Miaozhen "The Seducer" an der Reihe, es kommt zu einem ersten Kampf, bis Bai Jiang eingreift, der Kampf wird vertagt. Derweil kommt es zwischen Wang Guanyu und Wang Yizhou "The Wind Waving Scholar" zur Abrechnung, und Wang Guanyu hat keine Chance. Lu Xia und Bai Jiang setzen ihn bei.
Dann muss sich Gu Miaozhen "The Seducer" der Rache von Lu Xia stellen. Es kommt zwischen den beiden attraktiven Frauen zum dramatischen Duell auf Leben oder Tod...! Und schließlich stellen Lu Xia und Bai Jiang den letzten verbliebenen der Mörder von einst, Wang Yizhou "The Wind Waving Scholar".
In den weiten Sand-Dünen vor der Küste kommt es zum blutigen Show-Down. Und Lu Xia und Bai Jiang wissen, danach ist ein Duell zwischen ihnen anscheinend unausweichlich...!
Kritik:
Im Jahre 1968 (laut hkmdb.com, nach anderen Angaben 1969) drehte Regisseur "Peter" Pan Lei diesen klassischen WuXia-Eastern für die Studios von "Union Film" auf Taiwan. Der Film wurde jedoch allem Anschein nach von den Shaw Brothers "aufgekauft" und in den Vertrieb gebracht. Vor dem Film läuft denn die Logo-Emblemik nebst Fanfare der Shaw Brothers, und auch im Abspann heißt es "Another Shaw Production" nebst Shaw-Logo. Die Studios von Run Run und Runme Shaw hatten also ihre Finger im Spiel, kein Zweifel.
Es entstand ein klassischer WuXia-Eastern, mit einer einfach-schnörkellosen Rache-Story, und einer klaren Linie in der stringent-kohärenten Erzählung einer doch ziemlich spannenden Handlung. Gerade diese Einfachheit der Handlung, (nebst solider Darstellungen und gediegender Eastern-Atmosphäre in pittoresker taiwanesischer Landschaft -es wurde weitestgehend outdoor in der Natur und vor und in authentischen Kulissen gedreht-), die kompakt und ohne große Umschweife in Szene gesetzt wurde, macht wohl die Spannung aus. Man weiß, ein Kampf wird dem nächsten folgen, der weibliche Rache-Engel seine Abrechnung abarbeiten, ein Killer nach dem anderen -wobei einer weiblich ist- sich vorgenommen.
Das sorgt für Spannung und reichlich Action, absehbar, und das unterhält einfach den eingefleischten Anhänger des Genres. Gefällig ´gestreckt´wird alles durch einen Neben-Plot, ein Gefährte der Rächerin hat eine eigene Rechnung mit einem der Villains offen, und die Andeutung einer Romanze: Denn ausgerechnet der Sohn eines der getöteten Rache-Opfer stellt den Rache-Engel, aber da er ein ´guter Kerl´ ist und die Schönheit der Rächerin ihm denn ins Auge fällt, wird er gar -wenn auch temporär denn ein Duell fordert er danach trotzdem- zu deren Verbündeten. Das sorgt für etwas Melodramatik in diesem ansonsten auf Rache-Fights und -Action fokussierten WuXia.
Wang Ling ist dieser Rache-Engel, eine attraktive Actrice die taff-zielstrebig, im Pferdekarren auf Sühne-Tournee aber stets gutgekleidet -also ohne die Aura einer wild-rauen Amazone- unterwegs ist. Von Ort zu Ort, von Villain zu Villain, von Fight zu Fight. Das macht Wang Ling äußerst solide, variabel im Spiel, denn sie ist nicht nur taff, sie zeigt auch eine brüchige Weiblichkeit, eine verletzliche Seite, und zeigt Gefühle für den, der ihr eigentlich nach dem Leben trachtet.
Derjenige, ist der Sohn -im Film- eines zuerst von der Heldin gekillten Villains, und wird dargestellt von Tung Li. Auch für ihn gilt: Taffer Fighter, aber auch er zeigt eine sensibel-vulnerable Seite, denn er könnte die Killerin seines Vaters töten, hat er doch die Gelegenheit dazu und für die Rächerin gibt es an sich keinen Ausweg mehr. Doch er lässt das Schwert sinken, versteht die Motivation der Rächerin, und hilft ihr temporär, aber ein finales Duell mit ihr danach offen haltend. Das Spielt auch Tung Li mit der gebotenen Variabilität, solide und gekonnt-überzeugend.
Auf große Darstellungskunst kam es ja auch nicht so an. So sind die Villains denn natürlich auch etwas stereotyp gezeichnet: Au Wai (aka Ou Wei), mit goldenem Cape und übernatürlichen Fähigkeiten, arglistig-verschlagen und der finale Gegner da am schwersten zu besiegen; Li Kuan-Chang, dicklich, grob-ungehobelt und notgeil, mit dornenbesetzter Eisenkugel an der Kette; Han Chiang als erstes Rache-Opfer...; und -very special- Lee Fung als kalt-arrogante Killerin mit nobler Vamp-Etikette! Ihr gefällt der Verbündete (Tung Li) der Heldin, also auch hier eine brüchige Weiblichkeit und Schwäche, aber die kalte Aura einer eitlen und vorteilsbedachten Villain-Amazone überwiegt natürlich. Das Damen-Duell mit Wang Ling, zwei attraktive Fighterinnen kämpfen auf Leben oder Tod, ist natürlich ein morbid-´charmantes´ Highlight.
Eine besondere Rolle und Figur, die mit einem Neben-Plot das Geschehen gefällig dehnt, obliegt Cho Kin (aka Tsao Chin). Er hat eine eigene Rechnung mit einem der Villains offen, steht der Heldin bei, wird so etwas wie deren ´väterlicher Freund´. Cho Kin spielt das abgeklärt-trocken, taucht auf als es nötig ist, und sein Ableben durch feige Tricks des -faktisch- Hauptschurken Au Wai, motiviert das Rache-Schema zusätzlich.
Das bringt mich abschließend zur Swordplay-WuShu-Fightaction in diesem WuXia-Eastern. An sich ja das Wichtigste in einem Eastern, hier aber -leider- die Schwäche. Die Fights -nur mit einem ziemlich ´spartanischem´ Dubbing (Geräuschkulisse) unterlegt, hätte man das aufgemotzter gemacht, hätte das der Action sicher nicht schlechtgetan-, oft schnell-hastig geschnitten was wohl das Tempo erhöhen sollte, und auch die Choreografie ist weitestgehend leider nicht hochklassig. Es ist anscheinend so, dass man da -bereits ausgangs der 1960er Jahre, insbesondere bei Filmen der Shaw Brothers mit den Fighting-Instructor-Legenden Lau Kar Leung und Tang Chia- verwöhnt ist. ZU verwöhnt.
Aber komischer Weise..., da alles andere stimmt, und sich die Fightaction -gerade durch das Damen-Duell und dem visuell beeindruckenden Finale in den weiten Sand-Dünen vor einer Küste- dramatisiert, ´gewöhnt´man sich gar an die einfachere, unspektakuläre -verglichen mit Shaw-Werken jener Zeit- Choreografie mit weit das Ziel verfehlenden Schwert-Schwingern. Schwer zu beschreiben... oder zu deuten: Der Streifen hat soviel WuXia-Charme, unterhält so wunderbar old-school, routiniert, gefällig und kompakt, dass die Schwächen in der Fight-Choreografie für mich gar nicht mal so sehr ins Gewicht fielen.
"Purple Darts", in der Fightaction nicht der allerspektakulärste WuXia, aber da alles andere -Bildführung, WuXia-Atmosphäre, Darstellungen und eine einfache, spannend inszinierte Rache-Storyline- stimmt und den eingefleischten Fan des Genres gefällig, solide und routiniert unterhält, verdient sich dieser Film noch respektable 6 von 10 Punkten in meiner Bewertung.