Um es vorweg zu sagen: Es ist wahrscheinlich die unsagbare deutsche Synchro, die diesen Film aus dem Rinnstein der Filmgeschichte in die Kloake derselben befördert ... wer die Möglichkeit hat, schaue ihn sich auf englisch an (das GB-Tape ist ausserdem uncut) oder - falls nur die deutsche Fassung vorliegt - trinke vorher ein paar Bierchen, ziehe einen dicken Stechapfel-spliff durch und setze sich eine 3D-Brille auf (denn nur so läßt der Film sich einigermaßen ertragen)!
Zur deutschen Fassung:
Das Cover (von IHV) bekommt 10 Punkte für das tolle 80s Airbrush Artwork - das soll erst mal jemand nachmachen!
Ausserdem ist "The Redeemer" noch auf die Haben-Seite zu rechnen, dass er 2 Jahre vor Halloween, nämlich 1976, einige slashertypische Regeln vorwegnimmt.
Es gibt auch ein paar Morde, die in der Originalfassung wahrscheinlich in ihrer vollen Blutigkeit zu bewundern sind - aus der deutschen Fassung sind sie aber allesamt entfernt worden - dabei sind diese Szenen die einzigen, die das Niveau des Films (um ein paar Millimeter) anheben würden.
Wie schon gesagt, die Synchro läßt das Herz eines jeden Trash-Liebhabers höher schlagen - allen anderen wird selbiges nach ein paar Minuten in die Hose rutschen.
Zur Geschichte (Geschichte ist fast schon zuviel gesagt):
Es gibt zwei Stränge. Im ersten steigt ein Junge aus einem See (ist der Junge der Redeemer? Ich weiss es nicht.) und geht völlig durchnäßt, aber strammen Schrittes in eine nahegelegene Kirche, in der ein pervers aussehender Priester anderen kleinen Jungs ein paar heiße Tips fürs Leben gibt - und ... ach was, das wird jetzt wirklich zu verworren. Jedenfalls - im zweiten Strang, der recht stringent ist - geht es um 6 ehemalige SchulkameradInnen (3 female, 3 male), welche zu einem Ehemaligentreffen eingeladen wurden. An der Schule angekommen, machen sie sich erstmal über das bereitstehende Buffet her, ohne sich zu überlegen, warum nur sie 6 eingeladen wurden, und warum sonst niemand im Gebäude ist. Bald kommen sie zur Einsicht, dass ein Butzemann sich im Haus herumtreibt, und ihnen ans Leder will. Dieser ominöse Herr (er hat drei Daumen!!) hat auch alle Ausgänge verschlossen, und sämtliche erreichbaren Fenster oder Löcher zugemauert + die Telefonleitungen gekappt.
Das weitere Prozedere kennen wir alle: nach und nach lichten sich die Reihen - der Redeemer läßt seiner Phantasie freien Lauf bei der Auswahl der Todesarten (Bunsenbrenner, Flinte, Schwert, Ersäufen,...) und erinnert dabei ein wenig an Vincent Price in "The Abominable Dr. Phibes".
Nachdem dann alle Sünder (denn jede/r der 3 Mädels und 3 Jungs hat eine Sünde, der er/sie besonders verfallen ist) der Hand des Allmächtigen übergeben wurden wird wieder zum ersten Erzählstrang umgeschwungen: der ekelhafte Priester beendet seine Predigt, und der Wassermann bzw Wasserjunge macht sich wieder auf den Weg nach Hause: in den See. Finis. (Das Verwirrende habe ich jetzt einfach mal weggelassen).
Leider stand dem Regisseur nicht genügend Geld zur Verfügung, so dass er sich mit absoluten Nicht-Schauspielern und einer kurzen Drehzeit begnügen mußte ... wenn dem nicht so gewesen wäre, hätte "The Redeemer" ein schönes kleines Horrofilmchen werden können! Einige Elemente, die später Einzug ins Regelbuch des Slasherdrehens gefunden haben, werden hier schon vorexerziert:
der Bodycount, der umherschleichende Psychopath, die Maskierung des Killers, das verlassene Schulgebäude, Tod als Bestrafung für den Verstoß gegen die vorherrschenden moralischen Codizes...
leider aber in miserabler Qualität.
Für die harten Fans des Slashergenres und des schlechten Geschmacks auf jeden Fall einen Versuch wert. Wegen Cover, Partyfaktor und gutem Willen: 4 Punkte.