Review

Heavy Traffic.

Ralph Bakshi ist ein Pfuscher!
Er drehte echte Szenen und ueberzeichnete diese dann spaeter. Der wohl bekannteste Film dieser Art von ihm ist 'Der Herr der Ringe' in dem er die gesamten Orkhorden auf diese Art und Weise ohne Computeranimationen plastischer darstellen konnte, als es z.B. in 'Heavy Metal' mit den Stories von Moebius gelang.
Doch diese Effekte sind auch heutzutage nicht schlecht aus der Sicht des etwas muede gewordenen Animations-Genres.

Heavy Traffic ist der Bakshi Film, in dem er aus dieser Technik keinen Hehl macht und sie sogar sehr effektvoll ankuendigt.

Michael, ein Spaetzuender Anfang 20 verbringt seine Tage damit, Comics zu zeichnen, sich in Dingen zu verlieren und schlichtweg auf Acid rumzuhaengen.
So beginnt der Film mit einer Real-Szene:

Michael steht an einem Flipper und starrt gebannt auf die Maschine, saemtliche Lichter und Toene verschwimmen vor seinem Auge und die Story nimmt etwas mehr 'Farbe' an.
Zwar wechselt der Film von nun an in die Animierte Umgebung, doch erfaehrt man erst hier wirklich etwas ueber Michael, seine Umgebung und die versiffte, dreckige und umbarmherzige Welt der Grossstadt.

Michaels Eltern pruegeln sich gegenseitig die Seele aus dem Leib, die Mutter eine enttaeuschte Juedin, der Vater ein Italiener mit mafioesen Beziehungen, der mit Nutten durch die Gegend zieht, sturzbetrunken, manchmal sogar bei den Tunten in den Hafencontainern landet, oder von Halluzinationen geplagt auf schmuddeligen Toiletten das Bewusstsein verliert.

Michaels Freunde existieren nicht, er hat Bekannte, die ihn mit leichten Maedchen entjungfern wollen. Verrueckte Penner, die mit Messern hinter Tauben herjagen, weil diese verhoehnend daherkommen, wie er sagt.
Wenn dies nicht der Fall ist, schleppt sein Vater 2 Zentner-Huren an, die Michael geradezu vergewaltigen.
Es scheint, als ob alle Michael in diesen dreckigen Sumpf ziehen wollen, vor dem er bislang erfolgreich durch Traeumerei und Zeichnen fliehen konnte.

Doch es gibt auch Lichtblicke in Michaels Welt ausserhalb des Zeichenpapiers: Carol, eine farbige Barkeeperin einer Hafenspelunke, die zaertlichkeitsuchenden Tunten hilft, wenn Sie wieder ein hereingefallener Seeman auf die etwas andere Art hart rannimmt.

Sie ist der Glanz in Michaels Augen, doch viel zu weit entfernt, eine andere Liga, wie der weise Spruch lautet ;-)

Michael zeichnet Strips aus dem kaputten Alltag, in den auch Carol verwickelt ist und laesst sie Ihr zukommen, weil es Sie amuesiert, ihm gut tut und weil Sie so einen Drink springen laesst.
Gegenseitiger Sonnenschein in einer Regnerischen Stadt.

Dann ist da noch Shorty, der Rausschmeisser der Hafenspelunke. Shorty hat keine Beine mehr, schiebt sich in einer Art Bollerwagen durch die Gegend und sorgt fuer Ruhe im Laden. Shorty mag Carol und hasst Michael fuer die Lichter, die er in Carols Augen zaubert.

Nachdem Carol gefeuert wird, steht Sie auf der Strasse und Michael nimmt Sie mit zu sich nach Haus.
Dies gefaellt weder dem doch etwas rassistischen Vater, noch der koscheren Mutter, was zur Folge hat, das Michael jetzt soweit ist, sich aus diesem Irrenhaus zu befreien und mit dem Plan, eigene Comics in grossen Verlagen zu veroeffentlichen mit Carol zusammen das Weite sucht.

Die Tragoedie des ganzen laeuft darauf hinaus, das der eigene Vater bei der Mafia um die Ermordung seines Sohnes bittet...und auch Shorty haelt diesen Plan nicht fuer das schlechteste...

Michael rutscht immer tiefer in diesen drekkigen, alles zerfressenden Sumpf des Egoismus, vor dem er sich vorher mit Bravour druecken konnte.
Alles scheint eben genau so zu laufen, wie er es immer vermeiden wollte. Er faengt an, den Grosstadtkampf mitzutreiben und merkt erst zu spaet, was denn da tatsaechlich geschieht.
Michael findet sich erst genau in dem Moment, als auch schon alles zu ende ist.
Die Tragoedie des Suchenden also.

Das Ende wird nicht verraten, jeder sollte das selbst erleben.

Heavy Traffic erzaehlt keine wirkliche Geschichte, sondern aehnlich wie Pulp Fiction bestimmte Lebensabschnitte einzelner Personen, die sich allerdings nicht bloss ueberschneiden, sondern zu einem Faden zusammenlaufen, den der Zuschauer zwar ahnt, ihn jedoch erst dann zu fassen bekommt, wenn alles andere soweit perfekt ist.

Eine gute Score von Ed Bogas, Cal Tjader und anderen Acid-Jazz Groessen (wie schon bei Fritz the Cat) darf man sich hier ins Ohr legen und in manchen Momenten erstaunt diese 'Uebermaltechnik' entdecken, sowie mit den Figuren leiden.
Es ist eben bis auf einige wenige Elemente kein Cartoon mit Holzhammerkomik und stuerzenden Klavieren, sondern ein Drama im Zeichentrickstil, das sehr wohl zu packen weiss, nur leider schon etwas betagt ist.
Fuer alle, die sich an Filmen und vor allem der Athmosphaere der fruehen 70er Jahre erfreuen koennen, sei dieser Film ein absoluter Pflichtstreifen.

Heavy Traffic ist ein psychedelischer, schwerer Film, der zu liebkosen und andererseits mit der Wahrheit feste in den Magen zu schlagen weiss.
Kein Gruppenspass und vor allem nichts fuer Kinder.
Ein echter Tri(ck)(p)film <;
10/10

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