Mario Barth spielt einen erfolglosen Bühnenkomiker, der tagsüber in einer Zoohandlung arbeitet und nachts in kleinen Bars schlechte Witze erzählt. Eines Tages zieht er die Beziehung seines besten Freundes, gespielt von Dieter Tappert, und dessen Anhang, gespielt von Anja Kling, vor Publikum ins Lächerliche, womit er einige Lacher einheimst. Während er selbst mit seinem Programm immer weiter aufsteigt bröckelt die Freundschaft der beiden immer weiter.
Seit Jahren gehört Mario Barth zu den gefragtesten deutschen Comedians, ist regelmäßig bei "TV Total", im "Quatsch Comedy Club" und sogar bei "Wetten dass...?" zu sehen, füllt die größten Hallen in den deutschen Großstädten und stellte in Berlin vor 70.000 Zuschauern im quasi ausverkauften Olympiastadion den Weltrekord für die meisten Zuschauer bei einem Comedy-Event auf, den vorher Chris Rock mit nicht einmal 20.000 Zuschauern hielt. Doch dies scheint Barth, der im Grunde immer die gleichen Gags über die Beziehungen von Männern und Frauen vom Stapel lässt, nicht zu reichen, so erschien dieses Jahr mit "Männersache" sein erster Kinofilm, in dem er selbst die Hauptrolle übernahm, das Drehbuch verfasste und kurzerhand selbst produzierte. Der Sprung von der Bühne auf die Leinwand gelingt ihm jedoch nicht so gut, wie man es sich im Vorhinein erhoffen konnte.
So ist die Handlung enorm brüchig. Der Film wirkt in der gesamten ersten Hälfte wie eine Sketsch-Show ohne roten Faden, die man genauso gut auf Sat.1 oder RTL hätte sehen können, ohne extra ins Kino zu gehen. Wenn die Handlung dann schließlich einsetzt, wird es jedoch nicht besser, das genaue Gegenteil ist der Fall. Der Versuch, durch die genauere Darstellung der bröckelnden Freundschaft zwischen dem Komiker und seinem Kumpel, doch noch einen Ansatz von Dramaturgie in den Film zu bringen scheitert nämlich kläglich an der vollkommen aufgesetzten Emotionalität, der nicht vorhanden Charakterkonstruktion, sowie der Kalkulierbarkeit des Plots, der keinen einzigen überraschenden Harken schlägt. Viel hätte man sich von der Handlung sowieso nicht erwarten können, aber es hätte den Film durchaus über das Mittelmaß hinaus geholfen, wenn die Story an sich amüsant gewesen wäre und so wenigstens ein bisschen Situationskomik zustande gekommen wäre.
Der Humor ist, wie zu erwarten war, ziemlich derb, fäkalhaltig, teilweise geschmacklos, aber unterm Strich unterhaltsam, weil die Gags vor allem in der Sketsch-Show-artigen ersten Hälfte überaus wohlwollend dosiert sind. Wer sich nicht an den sexistischen Kommentaren und dem überaus primitiven Niveau stört, wird so durchaus unterhalten, auch wenn dieses Konzept, das in etwa Barths Bühnenprogrammen entspricht, auf Dauer Verschleißerscheinungen zeigt. In der zweiten Hälfte, in der die pseudo-emotionalen Szenen schließlich die Oberhand gewinnen und die Gags dünner gesät werden, fällt der Unterhaltungswert noch weiter, womit der Film, der wenigstens ein paar halbwegs gelungene Wortwitze, oder Situationskomik beinhalten könnte, nicht über das untere Mittelmaß hinauskommt. Ansonsten tut Regisseur Gernot Roll, der als Kameramann schon seit über 40 Jahren im Filmgeschäft seine Brötchen verdiente und sich seit nunmehr 14 Jahren auch als Regisseur versucht, nicht sonderlich viel, um den Unterhaltungswert zu steigern, so sind die Gags teilweise schlecht getimt, die Auswahl der Musik ist eher mittelmäßig und auch die Stadtaufnahmen von Berlin können besser inszeniert sein, genauso, wie der Erzählfluss, bei dem sich einige narrative Mängel ergeben.
Darstellerisch leistet Mario Barth schlechte Arbeit. Am besten ist er immer dann, wenn er länger Monologe halten kann, oder seinen Freund und dessen Beziehung ins Lächerliche zieht, sprich, immer dann, wenn er Stand-Up-Comedy machen kann. Ansonsten ist es eher dürftig, was Barth hier zeigt, so bringt er die Gags nicht beiläufig genug ein und versagt bei den emotionalen Szenen kläglich. Comedy-Kollege Dieter Trappert, auch als Paul Panzer bekannt, verkauft sich da schon etwas besser. Auch wenn Barth selbst die meisten Gags für sich beansprucht, hat Trappert, der die Lacher wesentlich geschickter serviert einige gute Momente und verkauft sich in den dramatischeren Momenten überraschend gut. Die Nebenrollen, die Barth und Trappert zudem noch übernommen haben, meistern beide ziemlich gut, zumal diese ausschließlich auf ein paar komische Einlagen am Rande abzielen. Michael Gwisdek und Anja Kling, verbuchen wenige Lacher, spielen ihre Rollen aber solide, wobei dies von den beiden erfahrenen deutschen Darstellern auch so zu erwarten ist. Hinzu kommen noch ein paar relativ lustige Gastauftritte, unter Anderem von Jürgen Vogel, Uwe Ochsenknecht und Sido, die dem blassen Barth teilweise die Show stehlen, sowie die Nebenrolle von Michael Brandner, der als schmieriger Manager die beste Leistung des Films abliefert.
Fazit:
Auf der Bühne ist Mario Barth definitiv besser als in seinem Film, so wird er von allen anderen Darstellern weit übertroffen und enttäuscht mit einer schwachen Darstellung. "Männersache" unterhält im Endeffekt nur deshalb teilweise, weil die derben, fäkalhaltigen, teilweise geschmacklosen und überaus sexistischen Gags, die kaum primitiver sein könnten, wenigstens gelegentlich zünden und einen akzeptablen Unterhaltungswert garantieren, wenn man sich denn mit dem Niveau abfinden kann. Mit den Anflügen von aufgesetzter Dramaturgie in der zweiten Hälfte und dem brüchigen Erzählstil in der ersten Hälfte fällt der Film damit dennoch unter das Mittelmaß. Nur für Fans des Comedians geeignet.
42%