Review

“Die Metapher ist weit klüger als ihr Verfasser, und so sind es viele Dinge.
Alles hat seine Tiefen.
Wer Augen hat, der sieht alles in allem.“
- Georg Christoph Lichtenberg

Peter hat keine Freunde. Ihm fällt das allerdings erst auf, als er nicht weiß, wen er anrufen soll, um die frohe Kunde seiner Verlobung zu verkünden. Und wer soll überhaupt Trauzeuge sein? Sein Vater oder sein schwuler Bruder kommen gar nicht erst in Frage, und so geht Peter los, um sich einen besten Freund zu suchen. Natürlich durchläuft er da erst einmal einige Traufen: sein Fechtpartner kann ihn nicht leiden, die Fitnessclub Bekanntschaft ist schrill und aufbrausend, der Mann der besten Freundin seiner Verlobten wird von ihm angekotzt, und der sympathische Kerl, den seine Mutter empfiehlt, steckt ihm zum Abschied für gefühlte 20 Minuten die Zunge in den Hals.
Dann trifft er Sidney, einen Slacker mit Peter Pan Syndrom, der das komplette Gegenteil vom steifen Peter ist: ausgelassen, sorglos und sich irgendwie durchs Leben wurschtelnd – die Bromance beginnt…
Hat Regisseur und Drehbuchautor John Hamburg mit "Along Came Polly“ noch gezeigt, wie man eine pointenfreie Komödie dreht und dabei gute Darsteller verheizt, scheint er inzwischen einiges gelernt zu haben. Hier geht es nicht um eine profane Lovestory; der Kerl kriegt das Mädel schon am Anfang und alles ist toll. Überhaupt spielen Frauen hier nur eine untergeordnete Rolle – es werden zwar starke, liebenswerte Frauenbilder gezeichnet, aber in erster Linie geht es um die reine Männerfreundschaft, und das in seiner pursten Form. Als hätte Hamburg die Beziehung von Seth und Evan aus "Superbad“ noch eine Stufe weitergetragen, ist die Freundschaft zwischen Peter und Sidney rein und ohne jegliche Hintergedanken. Man ist befreundet, weil man sich mag – nichts weiter; selbst wenn man kurz Zweifel einstreut, die Sidney dazu verleiten könnten, mit der verheirateten Freundin von Peters Verlobten anzubändeln oder ihn um einen nicht unbeträchtlichen Haufen Geld zu bescheißen, stellen sich diese am Ende als völlig unbegründet heraus – als Mann behandelt man Freunde einfach nicht so.
Sidney mag in dieser Beziehung ein wenig naiv gezeichnet sein, aber dieses Verhalten, zu dem u.a. auch eine "Jerk Off Station" neben der Couch gehört, auf der Handcreme und Kondome allzeit bereitstehen, sind nur treffende Charakteristika seiner entwaffnenden Ehrlichkeit.
Und während man bei anderen Filmen im Dunkeln gelassen wird, und sich fragt, wie das enden soll, wenn ein Architekt aus Baltimore eine ihm unbekannte Journalistin aus Chicago zu Weihnachten auf dem Empire State Building trifft, wird hier das Ende nach dem Film schon in der Mitte prophezeit. Sidneys Freunde haben sich allesamt weiterentwickelt, Karriere gemacht und Familien gegründet, während er in seiner Höhle gesessen, und auf 10 Fernsehern "Lost“ geschaut hat. Und wenn am Ende auch die letzte Singledame aus Peters Bekanntenkreis ihre Jagd auf Sidney aufgibt, um sich dem nächsten Ziel zu widmen, während er in kindlicher Pose auf der Bühne die E-Gitarre schwingt, wird klar, daß auch Peters Welt sich weiter dreht und auch dort für Sidney irgendwann kein Platz mehr sein wird. Das ist zwar schade, aber auch wieder ehrlich, weswegen der kurze Moment der Freude am Ende auch nicht der Braut gehört – auf die Eheschließung samt „Ja, ich muß wohl.“ wird verzichtet – sondern den beiden Freunden. „I love you, man.“; Abblende und Happy End; genießt es, es wird nicht von Dauer sein - der Preis für Nimmerland ist eben hoch.

Ps: Sollte der Text jetzt unglaublich schwul wirken, verweist der Verfasser auf das Eingangszitat von oben.

Details
Ähnliche Filme