Ganz ordentlicher TV-Film um die Arthur-Sage, der allerdings nicht ganz zu fesseln weiß.
Die drei Schwestern Viviane (Anjelica Huston), Igraine (Caroline Goodall) und Morgause (Joan Allen) sind die Töchter des Herrschers von Cornwall. Viviane, die älteste der drei, ist gleichzeitig die Herrin des Sees, eine Hohepriesterin der alten Göttin, deren Anhänger in Rivalität zu den Christen stehen. Igraine verliebt sich in Uther Pendragon (Mark Lewis Jones), den neuen König Britanniens, und warnt ihn, als ihr Mann diesen umbringen will. In der Kurzfassung hört sich das Ganze jetzt vielleicht etwas konfus und überfrachtet an, in Film selbst ist es aber ruhig und ordentlich geraten.
Uther entkommt der Falle und tötet Igraines Mann in der Schlacht. Er heiratet Igraine anschließend und zeugt mir ihr einen Sohn, Arthur Pendragon, der zusammen mit seiner Schwester Morgaine aufwächst, wobei ein besonderes Band zwischen den Geschwistern entsteht. Uther lässt derweil Christentum und alte Religion parallel und friedlich nebeneinander existieren. Morgaine übernimmt die Rolle der Erzählerin in dieser feministischen Version der Arthur-Sage.
Allerdings werden die Heranwachsenden getrennt. Arthur wird von Merlin (Michael Byrne) zum König erzogen, Morgaine von Viviane zur nächsten Herrin des Sees ausgebildet. Als Erwachsene treffen sich Morgaine (Julianna Margulies) und Arthur (Edward Atterton) wieder, doch bald verstricken sie sich im Ränkespiel am Hof, dass dramatische Folgen hat...
Die fast drei Stunden lange Verfilmung von Marion Zimmer Bradleys Roman „Die Nebel von Avalon“ ist eine interessante Neuerzählung der Arthur-Sage, die einen anderen Blickwinkel auf die Geschichte wirft und viele Charaktere unter neuen Aspekten darstellt. Deshalb kann auch die an sich bekannte Handlung Interesse beim Zuschauer wecken, auch wenn die Spannung kein mehr als solides Niveau erreicht. Die verschiedenen Aspekte sind unterschiedlich interessant, wobei der Mittelteil eher flau ist und das Finale sowie vor allem die Jugendzeit Morgaines ziemlich interessant sind.
Dem Film mangelt es an vielen Stellen auch an großer Dramatik; vor allem in der Filmmitte werden viele Schlüsselszenen einfach zu unspektakulär abgehandelt. Am ehesten zu vergleichen ist „Die Nebel von Avalon“ mit „Excalibur“, wobei hier mit neuem Blickwinkel und realistischerer Optik gepunktet wird (die Fantasy-Aspekte werden fast gänzlich ausgeblendet), während Boormans Werk sicherlich etwas mehr Epik und Kinoflair bietet. Dennoch liegen beide Verfilmungen qualitativ auf ungefähr gleicher Ebene.
Für einen TV-Film kann sich die Inszenierung sicherlich sehen lassen. Die Kulissen sind OK, die CGI-Effekte ziemlich schwach, aber nur von geringer Zahl. Dafür sind die paar Schlachtszenen zwar ziemlich jugendfrei gehalten, aber dennoch ordentlich und spannend inszeniert. Leider mangelt es auch hier an der Dramatik von „Braveheart“ oder „Herr der Ringe“, denn „Die Nebel von Avalon“ könnte um einiges epischer rüberkommen, trotz der langen Laufzeit.
Die Schauspieler sind für einen TV-Film alle sehr bekannt und agieren ganz ordentlich, wenn auch nicht alle auf Kinoniveau. Großes Lob an Hauptdarstellerin Julianna Margulies, die am besten agiert. Ebenfalls sehenswert die Leistungen von Anjelica Huston, Joan Allen und Michael Vartan, die ebenfalls noch herausragen können, wenn auch nicht so weit wie Margulies.
Ganz unterhaltsamer TV-Film, der allerdings mit vielen Schwächen zu kämpfen hat und nicht aus der Masse herausragen kann.