Suspiria gehört für mich zu den besten Horrorfilmen aller Zeiten. Obwohl der Film rein inhaltlich nicht besonders glänzt und auch die Darsteller teilweise etwas amateurhaft wirken, besticht dieser Argento-Kracher durch seine Atmosphäre. Mit den Giallo-Filmen Argentos habe ich mich weniger beschäftigt, wie mit diesem Subgenre überhaupt kaum.
Nun habe ich mir Giallo zu Gemüte geführt. Der letzte Argento, den ich gesehen hatte, war das Phantom der Oper. Schon damals war ich ziemlich enttäuscht. Doch Giallo ist der sprichwörtliche Griff ins Klo. Dieser Film bietet nichts, was an den Großmeister des Horrorkinos erinnert.
Zu Beginn von Giallo scheint Argento sich selbst zu zitieren. Die Farben im Setdesign oder die Frau, deren Gesicht gegen die Taxi-Scheibe gedrückt wird, haben mich an Suspiria oder Inferno erinnert. Dies dämpfte das befürchtende Gefühl ein wenig ab, das sich später verfestigte: Argento weiß einfach nicht mehr, wie man spannende Filme dreht. Denn Spannung ist in Giallo absolute Fehlanzeige. Weder die Kamera, noch der Schnitt, geschweige das Drehbuch haben mich unter Strom gesetzt. Alles ist absolut undramatisch inszeniert: keine aufbrausenden Kamerafahrten, keine wilden Schnitte, keine interessanten Kamerawinkel, kaum Spiel mit Farbe und Architektur, keine dramatischen Close-ups und die Effekte waren absolut mies. Auch der Score war mehr als langweilig. Es wäre ja nicht schlimm, wenn Argento etwas gefunden hätte, dass all dies, was seinen früheren Stil auszeichnete, ersetzt hätte. Doch Pustekuchen. Giallo wirkt einfach lustlos.
Die Dialoge sind dämlich, die Darsteller grottenschlecht und die Story wirkt dritt- oder viertklassig. Ich weiß gar nicht mehr, wie lange das blonde Model gefesselt an derselben Stelle im Keller lag, immer in der selben Position, immer mit dem selben Gekreische. Hauptdarsteller Adrian Brody wirkt so, als habe man ihm zu dem Zeitpunkt, als er die Augenbrauen hochzog, eine Botoxspritze verpasst, damit er die Brauen nie wieder senken kann. Das Bärtchen und die schleimige Frisur lassen ihn zwar italienischer aussehen, verleihen seiner eindimensionalen Figur aber auch nicht mehr Glaubwürdigkeit - genauso wenig wie seine schlimme Kindheitserinnerung, die in einfallslosen Rückblenden erzählt wird. Und als Serienkiller (Brody spielt auch den, was man schon beim1. Blick des Taxifahrers in den Rückspiegel erkennt) wirkt Brodys Gestik kaum einfallsreicher.
Symptomatisch für Giallo und Argentos derzeitige Filmkunst scheint mir die Badezimmerszene zu sein, in der Linda unter der Dusche steht. Ihr Bad ist in dunklen Farben gehaltenen. In dessen Mitte ist eine goldfarbene Wendeltreppe angebracht. Das sieht alles toll aus, doch wozu hat jemand eine solche Treppe in seinem Bad? Visuell ist hier Argentos Handschrift noch einmal zu erkennen, aber es macht irgendwie keinen Sinn - so wenig wie der ganze Film.
Fazit: Giallo ist eine reine Enttäuschung, denn als Thriller funktioniert er nicht. Hier erreicht er RTL-Fernsehkrimi-Niveau. Auch optisch hat der Film so gut wie nichts zu bieten, schon gar nicht, wenn er von Argento inszeniert wurde. Hat man dem Italiener aufgrund seiner besten Filme die schwächsten noch nachgesehen oder verziehen, so muss er sich es auch gefallen lassen, dass dieser Bonus nun verbraucht ist. Und als humoristische Betrachtung des Subgenres Giallo hat mich der Film nicht überzeugt. Schwache 1,5/10