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Dario Argento (Tenebrae, Suspiria) legt zwischen seinen Filmen gerne mal eine mehrjährige Pause ein, um dann mit einer neuen Idee das nächste Werk in Szene zu setzen. Gerade nach dem enttäuschenden "Mother of Tears" hätte man sich Besserung gewünscht, besonders bei einem Film der auch noch "Giallo" heißt. Doch diese spezielle Atmosphäre des italienischen Subgenres bekommt Argento nicht mal im Ansatz hin, dabei gehörte er damals zu den Regisseuren, welche den Giallo und auch den Slasher stark beinflussten. Hier haben wir nur eine unterdurchschnittliche Jagd nach einem Serienkiller, spielend im heutigen Turin. Teilweise will es Argento noch gelingen ein paar altmodische Bilder einzufangen, nebst greller Farbkombinationen, man nehme nur mal das Theater zu Beginn. Auch ist die nostalgisch anmutende Stadt durchaus brauchbar als Kulisse, doch es ist den ganzen Film über keine Bedrohung spürbar. Das mag auch teilweise an dem enorm schwachen Score liegen und überhaupt mangelt es "Giallo" an den Argento typischen Elementen, die damals seine Filme prägten. Am Drehbuch schrieb er auch mit und schien zumindest Oscar Preisträger Adrien Brody (Predators, The Experiment) damit überzeugt zu haben, welcher hier als Produzent fungiert.

Schon eine ganze Weile ist Inspector Enzo Avolfi (Adrien Brody) hinter einem Serienkiller her, der nur hübsche und junge Frauen entführt, um sie zu entstellen und schließlich zu ermorden. So kidnappt er auch das Model Celine (Elsa Pataky), die gerade unterwegs zu ihrer älteren Schwester Linda (Emmanuelle Seigner) war. Zusammen mit Enzo macht sich Linda auf die Suche nach dem mysteriösen Killer, viel Zeit haben sie nicht, denn das nächste Opfer lässt nicht lange auf sich warten.
Ein Killer mit Gelbsucht ist des Rätsels Lösung, den man viel zu früh zu Gesicht bekommt. Mit Hilfe eines Taxis lockt er seine Opfer in die Falle, um sie dann mit diversen Instrumenten zu entstellen. In einigen Sequenzen lässt Argento den roten Lebenssaft richtig suppen, so werden mal ein Finger oder eine Oberlippe mit der Zange abgetrennt, diverse blutige Messerstiche und einem Opfer wird in Nahaufnahme mit dem Hammer der Schädel eingeschlagen. In diesem Punkt steht Argento seinen früheren Werken in nicht viel nach, aber eine vernünftige Story wäre wesentlich wichtiger gewesen. Der Täter steht bereits von Anfang an fest, so ist es an Enzo und Linda ein paar Hinweisen nachzugehen, die schließlich immer direkt zum Killer führen.

Auch die Figur Enzo Avolfi ist alles andere als überzeugend, trotz tragischer Vergangenheit, welche hier in Rückblenden aufgearbeitet wird. Er haust in einem Keller unter dem Polizeirevier, wendet gerne mal Gewalt an und ist im Grunde genommen ein total unsympathischer Mensch, mit dem man sich als Zuschauer kaum identifizieren kann. Die Krönung wäre noch eine Lovestory zwischen ihm und Linda gewesen, doch immerhin dies erspart uns Argento. Die Hatz nach dem Killer ist schon uninteressant genug, diesen kann man übrigens auch nur bedingt ernst nehmen. Sein Motiv soll wohl ein schlechter Scherz sein und ganz unlogisch wird die Handlungsweise des Killers im Finale. Außer ein paar Foltereinlagen, einer kleinen Verfolgungsjagd zu Fuß und der extrem kurzen Konfrontation zwischen dem KIller und Enzo hat "Giallo" kaum spannendes Material zu bieten. Und ganz bitter ist die Performance von Adrien Brody, den man schon lange nicht mehr so blass gesehen hat. Die Frisur, sein Outfit und die Verkörperung des dauerrauchenden Inspectors will einfach nicht passen. Emmanuelle Seigner (Die Neun Pforten, Frantic) als besorgte Schwester ist da wesentlich passender besetzt, während sich die restlichen Darsteller im Durchschnittsbereich tummeln.

Sieht aus wie gewollt und nicht gekonnt. Selten hat Argento solch ein lustlos heruntergekurbeltes Werk dem Zuschauer serviert. "Giallo" mangelt es nicht nur an Atmosphäre und Spannung, sondern auch an einer brauchbaren Story. Die hier aufgezeigte Suche nach einem Killer ist derart simpel gestrickt, zudem ist die Hauptfigur zu unsympathisch. Und gerade der Titel klang so verlockend, doch mehr als eine 08/15 Killerhatz darf man leider nicht erwarten.

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