Review

kurz angerissen*

“Giallo”, nennt der mitprägende Regisseur der gleichnamigen italienischen Filmgattung sein Werk im Jahr 2009. Ein zentrales, ein zusammenfassendes Werk also, ein selbstironisches gar? Um der Meta-Stufe Herr zu werden, weiß sich Dario Argento jedenfalls nicht besser zu helfen, als einen Serienkiller mit Gelbsucht auf den Plan zu bringen, denn klar: giallo = gelb.
Ganz ohne den Surrealismus seiner Hochphase um „Suspiria“, ähnelt „Giallo“ im Aufbau eher wieder den frühen Krimis wie „Die neunschwänzige Katze“, selbstverständlich aber ohne deren inspiriertes Gefühl, das große Zukunftstaten verspräche. Im Gegenteil, die Spielzeit wird mit hässlichen, austauschbaren Kellerräumen und nervenzerreißendem Frauengeschrei gefüllt. Aufpeppende, symbolträchtige (wenn auch allzu durchschaubare) Sequenzen wie jene anfängliche in der Oper gibt es zu selten, und wenn Argento sein Auge über die Turiner Dächer schweifen lässt, um vergangenen Bildkompositionen nachzueifern, beweist er ein dramatisch schlechter gewordenes Auge für Farbe und Form – die einstmaligen von Meisterhand geschaffenen Stillleben weichen einem wie zufällig eingefangenen Gegrießel aus Ecken und Kanten.

Würde doch wenigstens der Inhalt stimmen, doch Adrien Brody ist in einer höchst kuriosen Doppelrolle gefangen, die Doppelbödigkeit vortäuscht, mit ihrer abstrusen Spiegel-Symbolik aber bloß Schwere erzeugt. Dem Schauspieler bleibt angesichts der Konstruktion seiner Figuren fast nichts anderes übrig als schlecht zu spielen. Und sich dadurch ideal zu integrieren.

*weitere Informationen: siehe Profil

Details
Ähnliche Filme