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Im nächtlichen Turin geht ein debiler Taxi-Fahrer um, der am liebsten junge, hübsche Frauen entführt, die er anschließend in seinem ranzigen Unterschlupf langsam zu Tode foltert. Jüngstes Opfer ist das Model Celine, das sich aktuell in den Klauen des Psychopathen befindet und sich argen Torturen ausgesetzt sieht. Auf der Suche nach der Vermissten wendet sich ihre ältere Schwester Linda an den abgefuckten Inspektor Enzo Avolfi, der an einem persönlichen Trauma laboriert, weil er als Kind Zeuge der Ermordung seiner Mutter wurde und der schon seit einiger Zeit hinter dem irren Frauenkiller her ist. Ein Hinweis bringt die beiden schließlich auf die richtige Spur: Der Gesuchte hat aufgrund einer Leber-Erkrankung einen ungesunden, auffällig-gelben Teint! Na, dann dürfte es jetzt ja kein Problem mehr sein, den Täter ausfindig zu machen, oder...? "Giallo" ist vielleicht nicht der allerschlechteste Film von Dario Argento, aber in Anbetracht der namhaften Besetzung und seines geradezu proklamatorischen Titels mit Sicherheit der enttäuschendste... denn wenn man ihn schon so nennt, dann hätte er formal und inhaltlich doch wirklich eine Summation des 70er Jahre-Italo-Thriller-Sujets rund um mysteriöse Killer mit schwarzen Handschuhen und verschwurbelten Mord-Motiven (die am besten in einem Rutsch mit einem Paukenschlag auch nochmal das ganze Genre fulminant auf den Punkt bringt) sein MÜSSEN, oder etwa nicht? Anstatt aber nun noch einmal konkret zu den Murder-Mystery-Anfängen seiner Tier-Trilogie zurückzukehren oder auch nur das Niveau eines "Aura" oder "Sleepless" zu erreichen, äfft der ehemalige Meister-Regisseur hier ohne Whodunit? lediglich halbärschig das Serienkiller-Kino amerikanischen Zuschnitts nach, orientiert sich dabei allerdings nicht an Vorbildern vom Format eines "Das Schweigen der Lämmer" oder "Sieben", sondern hat lediglich einen durch und durch banalen Stoff aufgetan (einer der Drehbuchautoren hat da vorher übrigens ein paar beknackte Monsterfilmchen für den Sci-Fi-Channel geschrieben, das nur nebenbei!), der gerade mal TV-Serien-Niveau hat... "C.S.I." lässt grüßen! Oscar-Preisträger Adrien Brody ist dennoch wieder mal völlig game und performt weit über Gebühr in einem Streifen, der ziemlich unter seiner Würde ist, aber dass er da neben dem Klischee-Bullen mit eingebautem Trauma unter dem Anagramm-Pseudonym "Byron Deidra" auch noch - mittels zwiespältigem Make-Up und Rambos Perücke einigermaßen unkenntlich gemacht - den grunzenden Killer spielt, erweist sich schnell auch als völlig sinnbefreit, denn dadurch wird keine zusätzliche Bedeutungsebene eingebracht und die Chose gerät auch nicht zu einem Krimi-Vexierspiel à la "Sleuth". Die Inszenierung ohne jedwedes Flair gereicht derweil nicht mal Argentos bereits eh schon nicht besonders wohlgelittenem "The Card Player - Tödliche Pokerspiele" zur Ehre, wobei insbesondere das Ende hier im Schnitt wirklich auf eine geradezu schockierende Art und Weise zusammengestümpert wurde, bei der einem fast schon die Kinnlade auf den Boden klappt. Schlimmer noch: Die Szenen mit der entführten Pataky im Versteck des Killers nerven mit endlosem Geschrei ganz schön ab, während man die schraddeligen Torture-Porn-Anklänge da als ziemlich neben der Spur und beileibe nicht als gewollte Reminiszenz an einen "Terror in der Oper" empfindet, denn solche Eli Roth-liken Hosteleien im dingy Folter-Keller sind eigentlich ein künstlerischer Offenbarungseid für einen Altmeister wie Argento, dessen Handschrift hier nicht mal im Ansatz wiederzuerkennen ist. Die Magie solcher alten Klassiker wie "Suspiria" oder "Rosso - Die Farbe des Todes" ist nun also gänzlich verflogen. Dass "Giallo" in den Momenten, in denen er nicht schlichtweg peinlich ist und zum Fremdschämen einlädt, dann auch noch spannungslos und echt derbe langweilig daherkommt, bricht ihm endgültig das Genick. Ergo: Statt gelb sieht man hier eher schwarz...

3/10

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