"Ich lebe die geheimsten Träume jedes Mannes aus."
Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) ist ein gefürchteter Enthüllungsjournalist für das Millennium-Magazin und steht nach seiner letzten, kompromisslosen Recherche vor einer Freiheitsstrafe. Bevor er diese antreten muss macht ihm der 82jährige Industrielle Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube) ein lukratives Angebot: Er soll das Verschwinden von Henrik Vanger's Nichte Harriet aufklären, die seit 43 Jahren vermisst wird. Der Fall konnte von der Polizei nie abgeschlossen werden, wodurch Harriet als ermordet gilt.
Parallel erhält die Hackerin Lisbeth Salander (Noomi Rapace) den Auftrag Blomkvist auszuspionieren. Allerdings zieht sie auch nach der Beendigung ihres Auftrages Daten von Blomkvist's Notebook und hilft ihm verdeckt bei der Suche nach Harriet. Nachdem Blomkvist auf Lisbeth aufmerksam wird und sie ausfindig macht, stellen die beiden gemeinsam Ermittlungen an und stoßen auf ein düsteres Familiengeheimnis.
Nach Stieg Larsson's ableben wurde seine als Millennium-Trilogie verfasste Romanreihe zu einem weltweiten Bestseller und von der Presse stets gelobt. Eine Verfilmung der Vorlage ist nach solch einem großen Erfolg also kein Wunder. "Verblendung" ist der erste Teil der ebenfalls als Trilogie geplanten Leinwandfassung.
Es fällt sofort ins Auge, dass der düstere Krimi mit Psychothriller-Elementen eine Produktion verschiedener TV-Sender ist, denn Hochglanz-Kino-Niveau erreicht "Verblendung" zu keinem Zeitpunkt. Stattdessen scheinen immer wieder Aspekte von TV-Krimis durch, gerade bei der Präsentation der Bilder. Denn obwohl die visuellen Möglichkeiten ausgereizt werden, gibt es keinerlei anspruchsvolle Kamerperspektiven.
Es dauert etwas, bis die Geschichte vollends zupackt. Gerade während den endlosen Ermittlungen der beiden Protagonisten ist die eine oder andere erzählerische Länge nicht von der Hand zu weisen. Und auch die komplexe Liste der Täter innerhalb der Vanger Familie sorgt eher für Verwirrung statt geschickt aufgebauter Spannung. Während der Laufzeit konzentriert sich die Handlung jedoch auf einen übersichtlicheren Personenkreis, der nicht vollends ausgemalt wird.
Die Figurenzeichnung beschränkt sich genau genommen einzig auf die beiden Hauptpersonen. Insbesondere der skurrilen Lisbeth wird viel Zeit gewidmet. Durch vielzählige Rückblenden entsteht das Bild einer Frau, die ihr Leben lang immer wieder misshandelt und traumatisiert wurde und sich zu einem Menschen wandelte, der es den Tätern mit mindestens der gleichen Münze heimzuzahlen bereit ist. Es ist aber ihre parallele verletzliche Seite, die sie erst zu einer komplexen und faszinierenden Figur macht. Dagegen wirkt die Figur des Journalisten Blomkvist regelrecht simpel und psychologisch wenig tiefsinnig. Im Gegensatz zu diesen beiden werden weitere, auch handlungstragende Personen, völligst vernachlässigt und erscheinen vergleichsweise eindimensional.
Wie schon in der ausgiebigen Figurenzeichnung zu sehen, scheut sich "Verblendung" nicht auch drastische Themen anzusprechen. Während Missbrauch in beinahe übermäßiger Detailfreude bebildert wird, erscheint die faschistische Gesinnung manch eines Personenkreises geradezu klischeehaft. Verstümmelung und Folterung werden im Film nur so weit angedeutet, wie es für dem Thriller notwendig erscheint. Daher schafft es "Verblendung" nicht den finalen Schrecken der Serienmorde zu übertragen.
Humor ist auf nötigste Situationskomik eingeschränkt. So kann sich die düstere Atmosphäre schnell entfalten. Verstärkt wird diese durch den genretypisch stimmigen Soundtrack, der sich mit zunehmender Laufzeit mangels eingängigem Thema merklich abnutzt.
Michael Nyqvist und Noomi Rapace harmonieren sehr gut. Letztere sticht durch eine beeindruckend greifbare Präsentation einer schroffen, aber auch zerbrechlichen Frau heraus, die ihre gespielte Figur hervorragend unterstreicht.
Wie viele andere Umsetzungen leidet auch "Verblendung" an der Portation von Buch zu Film. So wächst "Verblendung" kaum über Krimiserien und Filme mit ähnlichen Handlungen hinaus, bietet eine teils langatmig offenbarte Handlung, dafür jedoch eine gelungene Dunkel-Ästhetik. Heraus sticht die detaillierte Figurenzeichnung der beiden wichtigsten Protagonisten, die passend durch ihre Darsteller verkörpert werden, sowie der Blick auf menschliche Abgründe, die jedoch zum Schluss nur oberflächlich abgehandelt werden. Und obwohl der Krimi durch viele mysteriöse Elemente Spannung erzeugt, bleibt nach dem sehen der recht vorhersehbaren Handlung und schlichten Auflösung doch ein enttäuschter Nachgeschmack.
5 / 10