Review

Inhalt:

China um das Jahr 1200. Das Reich ist geteilt, im Norden die Jin-Dynastie, welche von einem fremden Volk begründet wurde, den Juchen (Dschurdschen). Südlich des Flusses YangTze herrscht die han-chinesische Sung-Dynastie.

Die Geschwister Lu Hsiao-Ling (Polly Shang-Kuan) und Lu Liu (Pai Ying) gehören einem geheimen Netzwerk von Rebellen an, die im Gebiet der Jin-Dynastie nahe der Grenze zum Reich der südlichen Sung-Dynastie, leben. Als Verbündete der Sung müssen sie ein Ausweis-Dokument, eine Namensliste, entgegennehmen und weitergeben, welche es 2 Armeen die für die Sung kämpfen, ermöglicht, sich zu vereinigen.

Zheng Yun (Chia Lu-Shi), ein General der Sung-Dynastie, der sich als Mondkuchen-Verkäufer tarnt, will das Dokument Lu Liu, der als städtischer Nachtwächter tätig ist, übergeben. Lu Hsiao-Ling soll die Liste danach dem vertrauenswürdigen Rebellenführer Li Wen-Tung (Miao Tien) überbringen. Eine äußerst gefährliche Mission, denn die Jin-Spione lauern überall. Gegenspieler der Rebellen ist der skrupellose und machtbessenen Jin-Lord Yu Lu-Chong (Tsao Chien), und dessen ´rechte Hand´, der brutale General Chin Chu (Hsueh Han aka Sit Hon)...!

Ein verkrüppelter Bettler, Tan Tse (Shi Chun), ist ein aufmerksamer Beobachter, und steht auf Seiten der Rebellen. Doch auch er kann nicht verhindern, dass sowohl Lu Hsiao-Ling, als auch ihr Bruder Lu Liu und die Mutter (Chang Ping-Yu) der beiden in die Hände Yu Lu-Chongs fallen. Die Mutter begeht Selbstmord, bevor sie gefoltert werden soll. Als Lu Liu und Lu Hsiao-Ling auch nach Androhung schwerster Folter die Liste nicht herausgeben wollen, sollen sie exekutiert werden.

Erst in allerletzter Sekunde kann die Hinrichtung verhindert werden. Li Wen-Tung und einige Patrioten können den Geschwistern Entsatz bieten. Es kommt zum heftigen Kampf, und Li wie auch Lu Hsiao-Ling können in die Berge entweichen.

Dort muss in einem brutal geführten Show-Down die Entscheidung fallen. Es kommt zum blutigen Kampf auf Leben oder Tod...!

Kritik:

Bereits im Jahre 1970 drehte Regisseur Yang Shih-Ching für die Studios von "Union Film" auf Taiwan diesen insgesamt schönen und spannenden WuXia-Eastern mit einem der weiblichen Top-Stars des Genres, der damals gerade mal 21-jährigen Polly Shang-Kuan.

"Union Film", die Film-Gesellschaft von Eastern-Edelregisseur King Hu, der für dieses Studio 3 Jahre zuvor den Klassiker "Dragon Gate Inn" ("Die Herberge zum Drachen-Tor", siehe mein Review auf dieser Webseite) schuf. Und so wie "Dragon Gate Inn" kommt hier dieser Klassiker, dieser Streifen rüber.

Behutsam, ja gemächlich im Aufbau, in seiner Mach-Art, künstlerisch ambitioniert. Doch ist "The Grand Passion" nicht so langweilig, baut der Film zwar subtil seinen Spannungsbogen auf, aber bei -im Gegensatz zu "Dragon Gate Inn"- nur 83 Minuten Laufzeit kommen keine große Längen auf, und die für damals rasantes Fightaction mit Drive haut eben noch extra einen raus! "The Grand Passion" kann da somit gar besser gefallen, als King Hus ja so gefeiertes Meisterwerk.

In oft düsteren Bildern gehalten, in überzeugenden Kulissen in- wie outdoor, erzählt Regisseur Yang Shih-Ching also seine Story über ein Geschwisterpaar das mit Rebellen kooperiert subtil-spannend. Es gelingt, einen Handlungsbogen dicht in Szene zu setzen, und die Spannung baut sich bis zum unausweichlichen Show-Down recht flüssig auf. Die Darstellungen sind zudem äußerst solide, Yang Shih-Ching setzte hier auf Schauspieler, die auch in den Klassikern King Hus zu sehen waren.

Und hier ist die damals blutjunge Polly Shang-Kuan das ganz große Plus dieser Produktion. Verkniffen-fuchsig agiert Polly hier, wie man sie kennt und die Eastern-Fans sie schätzen. Ihre Figur will es wissen, lässt sich nichts gefallen, und wirft sich todesmutig in jeden Fight. Und gerade ihre Action-Szenen sind Sahne-Schmankerl. Die Fightaction, hier eher ala King Hu tänzerisch, doch Polly Shang-Kuan kann mit ihrer intensiven Agilität noch einen draufsetzen. So erhält die Fighaction -natürlich weitestgehend Swordplay- mehr Drive, und am Schluss stimmt gar der Bodycount. Also "The Grand Passion" hat da mehr zu bieten als "Dragon Gate Inn", der bedeutendere Klassiker, in dem Polly ja debütierte (und gar auch dort für die besten Szenen sorgte!).

Polly ist der Star des Streifens. Und hier zwar noch nicht auf dem Zenit ihrer Attraktivität, aber ich könnte sie, die hier noch blutjung ist, nur abweisen, wenn ich mit Sonja Gerhardt liiert wäre.

An ihrer Seite, Genre-Haudegen und ebenso einer der Lieblings-Akteure King Hus: Pai Ying, der mit kernigem Spiel und auch agiler Fight-Power, diesem Film seinen Stempel mit aufdrückt. Miao Tien agiert solide, Shih Chun als Bettler im Roll-Wägelchen in spezieller Rolle, auch er ein King Hu-Spezi. Lung Fei und Shan Mao, hier noch am Anfang ihrer Kariere sind als "Extras" ganz klein am Start.

Die Villains: Hsueh Han (aka Sit Hon) agiert als foltergeiler General in weitestgehend stummer Rolle. Mehr zu sagen hat der Ober-Schurke, Tsao Chien, der einen teuflischen Jin-Lord spielt. Böse und verschlagen, eitel und grausam, und so spielt das Tsao Chien, der somit als Villain überzeugt.

Die Fightaction hat gemessen am Baujahr rasanten Drive, vor allem im letzten Viertel, als die Kampf-Dichte und die Dramatik natürlich zulegen. Zunächst sind die Fights eher tänzerisch, hier orientierte sich Regisseur Yang Shih-Ching an King Hu, an "Come drink with me" ("Das Schwert der gelben Tigerin", 1966, siehe mein Review auf dieser Webseite) und "Dragon Gate Inn" (1967), beide von KH.

Doch dann steigert sich das, vor allem durch eine fulminante Polly Shang-Kuan. Die Fights entwickeln zum Finale hin und in diesem, rasanten Drive, mehr Härte mit hohem Bodycount. Zudem werden die zuvor eher düsteren Bilder im Gebirge heller, die Atmosphäre griffiger und räumlich offener.

"The Grand Passion", im Dunstkreis King Hu´s entstanden, aber besser als seine ja oft eher langwierig-langweiligen Klassiker. Für einen Eastern im Früh-Stadium des Genres, mit einer starken Polly Shang-Kuan, war das recht ordentlich, und so kann sich "The Grand Passion" knappe, aber verdiente 7 von 10 Punkten in meiner Bewertung redlich erfighten.

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