Review

Für Freunde schlechten Geschmacks und unterirdischen Niveaus schaltet Regisseur Ryan Nicholson, der mit „Live Feed“ und „Gutterballs“ ohnehin kaum positiv überzeugen konnte, noch einen Gang runter und bringt mit „Hanger“ so etwas wie eine Hommage an Troma.
Mit dem Unterschied, dass Troma oftmals Trash in Form charmanten Unvermögens produziert(e), während bei diesem Streifen latente geistige Umnachtung ohne einen Funken Humor herrscht.

Der 18jährige Hanger ist ein gebrandmarktes Kind: Als Sohn einer Nutte und des Freiers John wurde er vom damaligen Zuhälter Leroy abgetrieben, überlebte jedoch und wuchs bei einem Obdachlosen auf der Straße auf.
Nun will John Rache an Leroy üben, nimmt Hanger unter seine Fittiche und lässt ihn mit „Gleichgesinnten“ auf einem Schrottplatz arbeiten, ohne zu ahnen, welche Triebe der Entstellte im Laufe der Zeit entwickelt hat…

Diese Inhaltsangabe ist in jeder Hinsicht geschmeichelt, denn vom dramaturgischen Aufbau her ist dieser Streifen eine komplette Nullnummer.
Zu keiner Figur baut man eine Bindung auf und selbst der Titelgebende entpuppt sich als Deformierter ohne Eigencharakter, denn er lässt sich lediglich von seinem Umfeld, sprich dem ebenfalls entstellten Russel und seinem Erzeuger John leiten.
Aber was reden wir über Figuren, Emotionen und einem Handlungsaufbau, wenn der Streifen ohnehin nur aus einer Aneinanderreihung von Abartigkeiten und der wahllosen Verkettung von Ekel und Softsex besteht.

Das beginnt mit der geschmacklosen Abtreibung per Kleiderbügel, geht über die Obsession mit gebrauchten Tampons Tee zu kochen und endet beileibe nicht mit der Vergewaltigung durch einen Freizeitschwulen.
Explizit ist hier nicht allzu viel auszumachen, - hier und da mal eine Mumu, ab und an ein Dummy-Schwanz, aber natürlich keine Penetration, wäre ja auch noch … schöner.
Doch die geballte Ladung Ekel ermüdet bereits im ersten Drittel, schon allein, weil das schlichte Ambiente des Schrottplatzes und die billigen Latex-Masken der Missgebildeten auf Vorschul-Niveau hindeuten und sich die debilen Dialoge rasch dem hirnentschwundenen Gehalt angleichen.

Splatterfreunde schauen indes selbst bei der ungeschnittenen Fassung in die Röhre, denn ein zertrümmerter Kiefer und ein zertrampelter Schädel erinnern in ihrer billigen Inszenierung doch eher an die frühen Achtziger, als man mit Gummimaske und Fleischfüllung noch ein breites Publikum angoren konnte.

So sprechen die albernen Figuren darüber wer wohl am weitesten abspritzen mag, dazwischen räkelt sich eine Lady auf dem Bürotisch (wer ist die und wessen Tochter soll das sein?), ein halbwegs klärendes Zwiegespräch zwischen Erzeuger und Sohn findet immerhin noch statt und die Kontrahenten Leroy und John stehen sich final gegenüber.
Doch im Endeffekt erhält man 90 % gehaltlose Lückenfüller und 10 % effektive, jedoch völlig spannungsfreie Handlung.

„Hanger“ ist ein abartiges Machwerk, aber keines, das wirklich provoziert oder gar kontroverse Momente zum diskussionswürdigen Ereifern hervorbringt.
Denn dafür müsste man dem Film eine gewisse Durchdachtheit attestieren können, was selbst mit viel Wohlwollen und dem Ausschalten sämtlicher Gehirnzellen nur schwerlich gelingen kann.
Entwürdigungen, eine Ansammlung von Körperflüssigkeiten und selten doofe Make-up Effekte untermauern in nahezu jeder Szene diesen dummen, sprunghaft mit sinnfreien Momenten verkleisterten Film.
Konzeptlos, niveaulos, vulgär und in der Quintessenz wertlos…
2 von 10

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