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Der arme Zia. So eine Trennung kann einen schon ganz schön mitnehmen. Weil er die Sache nicht so gut verkraftet, wählt er den einfachen Weg des Suizids. Auf die Art landet er in einem anderen Universum, in dem sich weitere Suizidopfer tummeln. Er muss sich dort durchschlagen, bis er erfährt, dass seine Ex ebenfalls eingetroffen ist. Wie jetzt, falscher Film ? Jaa, wenn man sich auf die offizielle Synopsis des Streifens verlässt und blindlings das Teil in den Player schiebt, könnte dieser Gedanke auch kommen. Denn eines ist klar, statt des oben beschriebenen Dramas ist "Hanger" ein schmutziges Teil, welches auf dem guten Geschmack nur so herumtrampelt.

Die Prostituierte Rose wird durch Freier John ungewollt schwanger. Dies ist besonders ihrem Zuhälter Leroy ein Dorn im Auge, weil er dadurch fallende Einnahmen befürchtet. Weil sie trotz seiner Einschüchterungen das Kind nicht abtreibt, tatsächlich nur Almosen von John reinbringt und sich auch noch absetzen will, nimmt Leroy die Sache selbst in die Hand, indem er das Kind mit einem Kleiderbügel abtreibt, was Rose nicht überlebt. Zwar landet der Fötus im Mülleimer, dank eines zufällig vorbeikommenden Penners überlebt er jedoch. Allerdings ist er durch die rabiate Methode sichtlich gezeichnet. Nach 18 Jahren holt John ihn ab, denn es ist Zeit, mit Leroy abzurechnen.

"Hanger" ist ein Trashkandidat, wie man ihn nicht alle Tage sieht Nicht nur der titelgebende Hauptdarsteller sieht mehr als degenieriert aus, mehr als die Hälfte der Charaktere besticht durch ziemlich unästhetisches Ausshen und hat auch im Kopf mindestens eine Schraube locker. Sei es der durchgeknallte Zimmergenosse Russell, der nur Pornos im Kopf hat, Arbeitskollege Phil, der den Harten markiert und seinen Döngel überall reinstecken will und noch einige andere. Warum viele so eine Visage haben, darüber kann man spekulieren. Wahrscheinlich wollte Ryan Nicholson hier vordergründig seiner eigentlichen Arbeit als Maskenbildner nachgehen. Dies ist ihm auch gut gelungen.

Sowohl Drehzeit als auch Budget waren bei diesem Film recht knapp. Dies spiegelt sich auch an den Kulissen wieder. Alles wirkt recht billig und teils schäbig. So wird bei Szenen außerhalb getrickst, indem man z.B. das Geräusch eines hupenden Autos einspielt, jedoch in Wahrheit gar kein Auto vorbeifährt. Die Schauplätze beschränken sich auf den Schrottplatz, das Zimmer der beiden Hauptpersonen sowie noch ein paar wenige andere. Tut dem Film jedoch keinen Abbruch, soll der Film schließlich nicht durch megamäßige Ausstattung punkten.

Die oben bereits genannte Abtreibung ist nur eine Geschmacklosigkeit von vielen, das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. Im gesamten Verlauf finden sich einige Szenen, die den ein oder anderen Zuschauer an den Rand seiner Ekelgrenze bringen könnten (Kotbeutel, *hust*). Was den Splattergehalt angeht, so ist der Film eigentlich für Gorehounds nur bedingt geeignet, den Splatter gibt es wider Erwarten eher wenig und wenn, dann ist er nicht sonderlich gut getrickst. Selten ließen sich in einen Film Köpfe dermaßen leicht zu Muß verarbeiten, während ein Schuss ins Gesicht eher keine größere Blessur ist. Die deutsche Vertonung ist soweit dem Film entsprechend passend. Keine Meisterleistung, aber auch kein Totalausfall. Einen "Verfickt"-Marathon erwartet den Zuschauer diesmal nicht, trotzdem ist der Umgangston nicht die feine englische Art.

Zum Schluss die Frage, wem man dieses Teil nun ans Herz legen kann. Allgemein nur absolute Fans dieses Genres (selbst Trashkönig Lloyd Kaufmann gibt sich die Ehre), aber auch Leuten, denen keine Geschmacklosigkeit zu hoch ist. Alle anderen sollten ihre Nerven lieber schonen oder lieber eine Kotztüte bereithalten. So oder so: Trotz billiger Optik und dämlicher Charaktere weiß "Hanger" zu unterhalten.

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