Costello - seines Zeichens Chefkoch in seinem eigenen auf der Champs-Élysées gelegenen Pariser Restaurants - kommt in Macao an, nachdem seine Tochter schwer verletzt im Krankenhaus liegt. Ihre ganze Familie wurde duch Auftragsmord ausgelöscht und sie kann ihrem Vater mit letzter Kraft die Worte "venge moi" in einer französischen Zeitung aufzeigen.
Als Costello wenig später in seinem Hotel drei Killer nach erledigtem Auftrag auf dem Korridor begegnet, faßt er einen Entschluß, dessen Ende nicht nur sein Leben für immer verändern wird ...
Johnnie To hat mit VENGEANCE wieder einmal ein kleines Meisterwerk erschaffen. Mit lyrischen, beinahe epischen, Bildern erzeugt er einen Strudel aus Rache und Gewalt, aus dem es auch für den Zuschauer kein Entrinnen gibt. Man fühlt sich immer wie an einem warmen Sommerabend, an dem die Luft klar, dennoch elektrisch geladen ist, und man weiß, das Gewitter wird kommen.
Böse Zungen könnten sagen, daß Monsieur To bei seinen eigenen Filmen geklaut hat und die schon fertigen Bestandteile einfach neu angeordnet hat. In der Tat gibt es für den Kenner mehr als einmal einen Aha-Effekt, dieser Punkt ist aber alles andere als negativ zu sehen, sondern dadurch fühlt man sich auch ein wenig heimisch und geborgen.
VENGEANCE wartet mit grandiosen Szenen auf, die man sich am liebsten einfrieren und als Standbild ausdrucken würde, um diese danach groß an die Wohnzimmerwand zu kleben.
Schon die erste Begegnung zwischen Costello und den drei "guten" Hitmännern (Anthony Wong, Lam Ka-tung und Lam Suet) ist auf seine Art und Weise ganz, GANZ großes Kino. In seiner Reduziertheit des Bildes und des Tons hört man förmlich eine Stecknadel im Kino fallen. Es gibt weitere Momente, die einfach nur für die Ewigkeit erzeugt wurden, Stichworte: Fahrrad, Barbecue oder einfach die vom Himmel geschickten und vom Mondschein wunderschön eingefangenen Blätter, während des elektrischen Sturms, während der Waldschießerei. Wow!
Dennoch gibt es nach den ersten zwei Dritteln so etwas wie einen stilistischen Bruch. Danach wirkt alles ein wenig übereilt, einfach zu hauruckartig. Vielleicht war To schon wieder an einem neuen Projekt dran? Dieser Umstand ändert sich dann aber glücklicherweise in den letzten finalen Minuten, denn da bekommt man wieder ein Schlußbild, welches des Maestros würdig ist.
Was kommt nach EXILED? Richtig, VENGEANCE!
9/10