Review

Ohne dem Mann sein über zwei Dekaden bestätigtes Talent, den Einfluss und die Fähigkeit abzusprechen, die Geschichten vor allem auch als Großes Kino in satt überhöhten Bildern zu erzählen, zu feiern und zu würdigen: Der nun nach Exiled schon zweite Aufguss von The Mission, die man im besten Fall als zusammenhängende, trotz ihrer Autonomie auch Bindungen eingehende Trilogie bezeichnen, im schlechtesten Fall als Ideenlosigkeit abstufen könnte, unterliegt mittlerweile schon öfters tagträumenden Abhängigkeitsverhältnissen. Der Film ist quasi schon derart im Bund mit einer pathetischen Illusion, und gleichzeitig viel zu sehr an bestimmte Spielregeln gebunden und wie ein mechanisch perfekter Apparat dirigiert, dass er sich die Freiheit zum Atem und Leben selber einschränkt.

Trotz zweier neuer / alter Einflüsse hat vor allem die Art des Inszenierens die immer wiederkehrenden, immer gleichen, auf Dauer auch nicht mehr zeitlos epochal, sondern kleinkariert manipulierend wirkenden Ausdrücke; eine bewusste Stilisierung, die erst den gewünschten Klischeevorstellungen entgegen kommen, sie in der ständigen Requisiterie aber schon wieder unterläuft und ad absurdum führt. Monologe und Dialoge werden nicht einfach nur gesprochen, sondern langsam, wie gleichfalls in Zeitlupe wie fast alle sonstigen körperlichen Bewegungen in den Raum hinein geschoben; die Sprache als Floskel und als Ornament. Dabei ist Vengeance als [zum Teil] englischsprachiges Debüt, im Verkehr mit etwas Französisch und Kantonesisch noch am Unvermögen der Darsteller gelitten, die Sätze in flüssiger Form statt in aufdringlicher Akzentuierung wie in der permanente Suche nach dem nächsten Wort vortragen zu können; zwei der Hauptdarsteller werden in entsprechenden Passagen sogar gedubbt, während der dritte, der eigentliche Clou, an krankheitsbedingter Mumifizierung zu leiden scheint:

Als Irene Thompson [ Sylvie Testud ] in ihrem Haus in Macau überfallen, ihr Mann [ Vincent Sze ] und ihre beiden Kinder vor ihren Augen erschossen und sie selber schwer verletzt wird, reist ihr in Paris lebender Vater Francois Costello [ Johnny Hallyday ] sofort an die Stätte der Gewalt, wo er von der ermittelnden Insp. Wong [ Maggie Siu, gesprochen von Florence Kwok ] weder großartig Trost noch Hoffnung auf Lösung des in den Kreisen der Triaden vermutenden Falles erwarten kann. Während der eigenhändigen Suche durch die Metropole des Glücksspiel trifft der vor zwanzig Jahren als Profikiller tätige, nunmehr ein Restaurant auf dem Champs-Élysée leitende Costello auf die gerade einen Mordauftrag für Gangboss George Fung [ Simon Yam ] ausführende Gruppe von Lee Kwai [ Anthony Wong ], Chu Yiu [ Gordon Lam, gesprochen von Terence Yin ] und Tsui Fat Lok [ Lam Suet, gesprochen von Convoy Chan ]. Er heuert die Drei als seine Kundschafter und Unterstützung an; nach Besichtigung des Tatortes und Informationen von Kwais Cousin Tony [ Stanley Fung ] begibt man sich zusammen nach HK, wo man in Python [ Felix Wong ], Crow [ Berg Ng ] und Wolf [ Eddie Cheung ] schnell die Mörder von Costellos Familie findet. Doch diese erweisen sich als reichlich schussresistent und haben außerdem noch den geheimen Auftraggeber der Blutrünstigkeit im Rücken.

In einer gegenseitigen Wechselbeziehung aus dem kulturellen Bereich wird die [Stereo]Typisierung von Handlung und Figuren aus der Risikofreude hinaus in ein alles überstrahlendes, aber auch reichlich blendendes Ideal gezwungen. Ebenso wie Kollege John Woo ist auch Regisseur Johnnie To seit jeher bekanntermaßen ein Liebhaber des Französischen Kinos, eher Melville als Truffaut; wobei bei Festival- und Kritikerliebling To die Faszination auch jetzt noch anhaltend ebenso rückwirkend entgegengebracht wird. Bei Beiden stand für lange Zeit eine Neuverfilmung des Le Cercle Rouge (1970) an, nachdem Le Samouraï (1967) als Quelle der Inspiration genug zitiert und kopiert wurde. Revenge [ Alternativtitel ] als weiterer vornehmlicher Schritt in diese Richtung gegenseitiger Ideologien, wobei die anfangs geplante Besetzung mit Alain Delon persönlich nach einigen Besprechungen auf Johnny Hallyday ausweichen musste.

Ebenso wichtig für die ausgeprägte Reflexion des Filmes, die über Wege hinweg als mal freischwebende, mal halsstarrig verkrampft Annäherung an ein Phänomen und so zwischen Hommage und Parodie taumelnd im Wind erscheint, ist die aus den Vorzeiten mitgeschleifte Lebensform der Blutsbruderschaft, in der man bis über den Tod hinaus ewige Treue schwört, – und weit wichtiger – sich auch daran hält. Die Gruppe um Kwai, Chu und Fat Lok halten in Zeiten der hier stetig drohenden Gefahr zusammen wie Pech und Schwefel, stehen auch zu ihrem dem weißen Neuankömmling gegebenen Wort und verzehren sich trotz baldiger Unterzahl gegenüber heranströmender Feindschaften in ihrem außergewöhnlich besitzergreifenden Schicksal. Dabei steigen sie von besseren Söldnern, die die Kriege anderer Menschen austragen, zu Beschützern der Moral und schließlich gar – in einer Szene, in der die Todgeweihten ernsthaft über das Wasser wandeln, mon dieu – zu  mythologisierter Fügung auf.

Weitere Wünsche an Gott erfüllen dann erst wieder die Actionszenen wesentlich ästhetischer Kraft, wo allerdings leider auch schon längst die Uniformität eingetreten ist. Die Gemetzel mit einer ganzen Bataillon an Schergen To-typisch in einer mächtig dröhnenden, auch schon wieder philosophisch erscheinenden, die Aggression verschleiernden Symphonie gehalten, in der Schuss / Gegenschuß und Treffer wie in der Zeit eingeschlossen und für die Ewigkeit verwahrt sind. Nicht nur, dass nahezu sämtliche Einstellungen wiedermal in die Langsamkeit zerdehnt und so auf Dauer auch in eigens erworbene Statussymbole verwandelt werden; das Finale beginnt gar am helllichten Tag auf einem Marktplatz und endet nur wenige Sekunden später und eine Querstraße weiter mitten in düsterer Nacht. Selbst die häufig zündenden Blutpäckchen dienen diesen in präzisen Tiefen eingefangenen shootout - Orgien aus viel Konzeption und ganz wenig Intuition nur als Ansehung der Verzierungen; einzig der alles einleitende Überfall auf das Familienhaus wirkt in seiner plötzlich hereinbrechenden Gewalt und unausweichlichen Fatalität und Brutalität mal ohne die sonstig choreographierende Kundgebung des Vorherwissens eben nicht seelisch verhungernd.


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