Review
von Alex Kiensch
Als die Familie seiner Tochter brutal ermordet wird, reist der unter Amnesie leidende Costello (Johnny Hallyday) nach Macau und Hongkong. Hier engagiert er drei Auftragskiller, um die Mörder zu finden und sich an ihnen zu rächen. Bei ihrer Suche geraten diese unversehens ins Visier ihres eigenen Chefs.
Hongkongs Action-Profi Johnny To erzählt mit diesem inhaltlich schlichten Rache-Reißer einmal mehr eine Geschichte, die sich hauptsächlich durch ihre ästhetischen Bildkompositionen trägt. Mit für ihn typischen formalen Mitteln wie Zeitlupen, gleitenden Kamerafahrten und ausgewaschener, unterkühlter Farbdramaturgie entwickelt er eine eigenständige Ästhetik, die dem Geschehen einen eleganten, tief melancholischen Unterton verleiht. Die hauptsächlich in Grau-Blau gehaltenen Bilder von überfüllten Straßen, vermüllten Gassen und zwielichtigen Gegenden passen perfekt zur inhaltlichen Düsterkeit. Für den einen oder anderen Zuschauer mögen die dauernden Zeitlupen und anderen formalen Spielereien mit der Zeit etwas überhand nehmen und durchaus formverliebt wirken. Insgesamt aber erreichen sie ihr Ziel, die inneren Nöte der Protagonisten auf das visuelle Setting zu übertragen.
Und diese Protagonisten sind durchaus gelungen: Der französische Sänger Johnny Hallyday überzeugt als wortkarger Vater mit steinharter Mimik und dubioser Vergangenheit - die Hilflosigkeit angesichts seiner zunehmenden geistigen Verwirrtheit kann er mit wenigen Ausdrücken und feinen Bewegungen vermitteln und verleiht der an sich harten Figur damit ein großes Maß an Verletzlichkeit. Auch die drei Auftragskiller, mit denen er sich unerwartet anfreundet, sind bei aller Oberflächlichkeit der Charakterzeichnung (der Dicke futtert bei jeder Gelegenheit?) ziemlich sympathische Handlungsträger. Allerdings bleiben die meisten Darstellerleistungen eher auf Mittelmaß - "Vengeance" ist eben kein Charakterdrama, sondern bleibt bei aller Ästhetik immer noch ein Actionfilm.
Als dieser überzeugt er mit ruhig eingeleiteten und stilvoll umgesetzten Schießereien, atmosphärisch dichten Spannungssequenzen und einem wahrhaft dramatischen Showdown. Auch hier verleiht die Inszenierung den Handlungen eine eigene Ästhetik: Die lange Duellszene im nächtlichen Park etwa hat durchaus das Zeug zum Kult. Und auch die finale Schießerei gegen eine Übermacht von Gegnern gefällt mit blutiger Gewalt und heftiger Action. Immer wieder auch fallen besonders spannende Szenen durch die Zurücknahme von Tempo und Lautstärke auf - feine Mimikspiele ersetzen hier unnötige Dialoge oder Erklärungen.
Auch wenn "Vengeance" inhaltlich ziemlich flach bleibt, dramaturgisch auch mitunter stolpert und die Konzentration auf die formale Ästhetik durchaus Geschmackssache ist, kann er doch mit seinen charismatischen Darstellern und niveauvoll inszenierter Action gut unterhalten. Als Rachefilm mit melancholischem Grundton ist er auf jeden Fall ein gelungener Genre-Beitrag.