„Blood and Bone“ war ein Projekt, das Michael Jai White sehr am Herzen lag, doch im Endeffekt ist dennoch ein recht konventioneller Prügelfilm herausgekommen.
Isaiah Bone (Michael Jai White) ist ein tougher Typ, ein Fighter durch und durch, das macht gleich der Auftakt klar, währenddessen er eine gesamte Knastgang zusammendrischt. Woher er all die netten Sachen kann, warum er nicht nur waffenlos, sondern auch mit Pistole und Schwert so gut ist, wer er überhaupt ist – all das macht „Blood and Bone“ nie klar, er erscheint wie der Loner im Western, der sich um scheinbar nichts schert und doch edle Motive hat.
Bone weiß, was er will, nämlich sich in der Streetfight-Szene einen Namen machen. Mithilfe von Pinball (Dante Basco) schafft er Ein- und Aufstieg – all das mit dem Ziel die Aufmerksamkeit des Gangsters James (Eamonn Walker) zu gewinnen…
„Blood and Bone“ ist trotz seiner B-Herkunft auf der technischen Höhe der Zeit, sieht wirklich schick aus und hat im Bereich Schnitt einige witzige Einfälle zu bieten, gerade in der pfiffigen Montage, die Bones Aufstieg in der Streetfight-Szene zusammenfasst. Inhaltlich sieht es dagegen weniger rosig aus, denn der Versuch Spannung dadurch zu erzeugen, dass man erst nach und nach alle relevanten Infos preisgibt, ist durchaus ehrbar, andrerseits stellt sich dann Enttäuschung ein, wenn man merkt wie simpel die Angelegenheit im Grunde ist und dass einige Subplots sinnlos ins Leere laufen: Da werden mal hier und da Nebenfiguren gemeuchelt, um die Bösartigkeit des Schurken zu betonen, doch wirklich weiter bringt es den Film nicht.
Doch immerhin spult der von Ben Ramsey inszenierte Film seinen Plot flott herunter und versucht sich an einem mal mehr, mal weniger funktionierenden Drama-Anstrich für die Sache. Allerdings haben Werke wie „Undisputed 2“ das besser hinbekommen, denn um dies überzeugend hinzukriegen braucht man eben vernünftige Charaktere und Bone ist eine Standardfigur, die fast nur cool und sonst nichts ist. Dabei sind die Ansätze durchaus gelungen, z.B. wenn Bone zum Beschützer seiner Vermieterin und der Waisenkinder, die diese aufgenommen hat, aufsteigt.
Am wichtigsten ist jedoch die Action und da überzeugt „Blood and Bone“ meistens. Anfangs setzt der Film auf One-Punch-Knockouts, doch danach werden die Gegnerscharen größer oder die Kontrahenten stärker, womit dann für längere Fights gesorgt ist. Das Repertoire an gezeigten Techniken bietet nette, teilweise gesprungene Kicks und gelegentliche Anleihen aus dem Grapplingbereich, wobei vor allem der Endfight zwischen Bone und Price (Matt Mullins) eine echte Freude für den Genrefan ist. Lediglich nach dem Sieg Bones über Hammerman (Bob Sapp) ist eine unschöne, actionarme Durststrecke zu verzeichnen, die mit Beginn der finalen Konflikte dann auch wieder endet.
Nicht nur als Fighter, sondern auch als Schauspieler macht Michael Jai White hier eine gute Figur, auch wenn er sich teilweise etwas arg ins Rampenlicht setzen lässt, doch er hat das Charisma eine derart auf cool gebürstete Rolle zu tragen, ohne dabei lächerlich zu wirken. Eamonn Walker als Bad Guy ist OK, aber nichts besonderes, Dante Basco als quirliger Promoter ist wirklich gut drauf und in Nebenrollen veredeln Ron Yuan, Julian Sands und Francis Capra den Film. Nona Gaye hingegen bleibt Staffage macht aber noch das Beste draus, während Bob Sapp das gleiche Problem als Schauspieler hat wie als UFC-Fighter, wo er häufig auf die Moppe bekommt: Er ist eindrucksvoll massiv, was eine gewisse Ausstrahlung hat, aber technisch fehlt ihm das Know-How.
In den 90ern wäre das hier ein brauchbares Vehikel für Billy Blanks gewesen, 2009 ist es ein brauchbares Vehikel für Michael Jai White, aber an dessen herrlich schrägen „Black Dynamite“ kommt er nicht heran. Denn abseits der schicken Fights ist der Film zwar solide gemacht, aber doch etwas schwach auf der Brust.