Review

Für C. Thomas Howell („Red Dawn”, „The Hitcher”) sollte sich sein Einstand bei P.M. Entertainment auch gleichzeitig als sein bester Film unter der Ägide von Joseph Merhi und Richard Pepin herausstellen. Mitten in den goldenen Jahren des erfolgreichen Independent-Studios entstanden, überzeugt „The Sweeper“ mit nahezu allen Attributen, die der Produktionsfirma ihren legendären Ruf einbrachten.

Um innovative Impulse bemüht sich natürlich auch diese Story von Drehbuchautor Jacobsen Hart (u.a. auch „Steel Frontier“, „Rage“ und „The Stuntdriver“) nicht, sondern montiert bekannte Genreversatzstücke mit handwerklich wie üblich klasse inszenierten Actionszenen zusammen. Howell muss hier als junger Bub miterleben, wie eine Handvoll Gangster in das Haus seiner Familie eindringen und alle erbarmungslos hinrichten. Er überlebt als Einziger schwer verletzt und tritt schließlich in die Fußstapfen seines ermordeten Vaters Dale Goddard (Jeff Fahey, „Freefall“, „Grindhouse“). Als reizbarer und jähzorniger Gesetzesvertreter, der mögliche Verbrecher immer sofort zur Strecke bringt anstatt sie zu verhaften, zieht er sich aber schließlich nicht nur den Unmut seiner Vorgesetzten zu, auch die J.I. (Justice Incorporated) wird auf ihn aufmerksam. Diese geheime Truppe ehemaliger Polizisten, angeführt von Ed Lauter („The Longest Yard“, „Yukon“), hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kriminelle zur Strecke zu bringen, die durch das Netz der Justiz geschlüpft sind und werden mittels eines Regierungsfonts großzügig ausgestattet...

Der Fortlauf der Geschichte verläuft soweit überraschungsfrei in bekannten Bahnen, bremst den Film aber kaum aus, auch wenn er mehr Drive vertragen könnte und nicht ganz an die Spitzenfilme von P.M. Entertainment heranreicht. Vor allem die privaten Probleme Mark Goddards (Howell) rund um die Trennung von seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn oder der spätere Besuch bei seiner Oma im Altersheim geraten für das Studio aber typisch unglücklich. Dramatische Elemente wirken in ihren Produktionen nun einmal meist unpassend. Man hat solche Szenen allerdings speziell von Regisseur Joseph Merhi auch schon wesentlich kitschiger gesehen.

Abseits dieser kurzen Niveauabfälle konfrontiert der Filmemacher den Zuschauer dafür mit allem, was man von einem Film aus dem Hause P. M. Entertainment erwartet. Anstatt eine Verfolgungsjagd als Highlight zur Filmmitte zu setzen, gibt es gleich drei Stück mit sehr sehenswerten Szenen, die mal wieder vom unverwechselbaren Stil Spiro Razatos’ (Second Unit Director + Stunt-Koordinator) geprägt werden. So gibt es eingangs eine wilde Raserei auf dem Pier mit tollen Stunts und einem ziemlich gewagt ausschauenden Sprung ins Wasser, eine wilde Raserei bei Nacht auf dem Freeway bei der ein Lastwagen Gasflaschen verliert und alsbald zig Fahrzeuge explodierend durch die Luft sausen und zum Finale noch ein Rennen, in dem, ganz nach P.M. Entertainment – Tradition, ein Tanklastwagen involviert wird, auf dass zum Schluss alles in einem brennenden Inferno endet. Was man hier mal wieder als Genrefan geboten bekommt, ist vom Feinsten, super choreographiert und sucht heute 10 Jahre später immer noch locker seinesgleichen.
Garniert werden die Feldzüge Marks, der sich nach anfänglichem Zögern in die Dienste der J.I. begibt um mit seinem fürstlichen Honorar seine Familie zu unterstützen, von einigen blutigen Shootouts. Der Bodycount schraubt sich dabei dank unendlicher Bodyguards jedes Mal in ungeahnte Höhen und ein paar akrobatische Einlagen (beidhändig feuern beim Rückwärtsfallen etc) sorgen auch für ein wenig Ästhetik. Hinzu gesellen sich noch eine ziemlich riskante Klettereinlage an einem Hochhausdach und ein Zweikampf auf einem fliegenden Doppeldecker.

Über mangelnde Abwechslung braucht man sich also nicht beklagen. Da fällt der latent unkonkrete Plot auch nicht mehr sonderlich auf. Mark kann sich nie richtig entscheiden, was er denn nun eigentlich will. Mal will er seine Familie zurück, dann seine ermordete Familie rächen, dann begnügt er sich wieder mit seinem Status und tötet auftragsgemäß den Bösewicht, während er mit einer Kollegin unter die Dusche steigt.
C. Thomas Howell, der hier mit langer Mähne und Bart etwas eigenartig ausschaut, spielt allerdings nicht den Rest der Darsteller an die Wand oder profiliert sich gar als Actionstar. Es mag daran liegen, dass ich mit ihm nie besonders viel anfangen konnte, aber Kollegen wie Gary Daniels, Richard Norton oder Thomas Ian Griffith hatten zu der Zeit einfach mehr anzubieten und seien es nur ihr natürliches Charisma in Verbund mit Martial Arts. Da er auch noch zu wenige Oneliner aufsagen und nie so richtig kaltblütig agieren darf, bleibt er leider relativ blass.

Natürlich ist die Geschichte nicht neu, fand ähnlich in diversen verwandten Filmen („Renegade Force“, „Extreme Justice“, „Scar City“ etc.) auch schon Anwendung und verfügt über die üblichen Plotholes (Warum leben alle Mitglieder eigentlich wie Millionäre?), doch die Frequenz der Actionszenen erweist sich als hoch genug, um diese Mankos fast völlig zu überspielen. Im wenig später folgenden „Pure Danger“ ging das Rezept für C. Thomas Howell deutlich weniger auf, um mal einen studiointernen Vergleich zu ziehen.


Fazit:
Grundsätzlich fällt das Resümee zu fast allen P.M. – Filmen jener Zeit identisch aus. Die Autoverfolgungsjagden und Shootouts sind spektakulär inszeniert, so dass man als Genrefan auch mit „The Sweeper“ seinen Riesenspaß hat. C. Thomas Howell agiert als Hauptdarsteller nur solide und verfügt bekanntlich über keinerlei Martial Arts – Kenntnisse, weswegen dieser Part aus der Actionpalette herausfällt. Insgesamt läuft der Film trotz kurzer, dramatischer Aussetze aber schnörkellos ab und versucht nicht zu viel Handlung zwischen die Action zu spinnen, sondern mit bekannten Motiven den Zuschauer bei Laune zu halten. Hat mal wieder funktioniert.

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