Mit "Judge Man" feiert C. Thomas Howell (Suspect Device, Gettysburg) seinen Einstand bei PM Entertainment und gleichzeitig seinen besten Film unter Joseph Merhi und Richard Pepin. Die etwas überzogene Story kommt von Stammautor Jacobson Hart (Lion Strike, Steel Frontier) und mit Routinier Merhi auf dem Regiestuhl konnte eigentlich nicht viel schiefgehen. Doch der Filmkenner wird schnell Parallelen zum besseren "Extreme Justice" entdecken.
Als Jugendlicher musste Mark Goddard (C. Thomas Howell) mit ansehen, wie seine Familie von einem Killerkommando ermordet wurde. Mark überlebte schwerverletzt und schwor sich ein guter Cop zu werden, um eines Tages die Mörder seiner Familie zu richten. Selbst fünfzehn Jahre später ist er noch nicht darüber hinweg, als Cop hat er es weit gebracht, doch er geht mit solch einer Brutalität ans Werk, dass er bald neun Tote auf dem Gewissen hat. Da tritt plötzlich der dubiose Molls (Ed Lauter) an ihn heran und will Mark für eine geheime Vereinigung werben. Diese nennt sich J.I. (Justice Incorporated) und besteht aus Ex-Cops, die das Gesetz in die eigenen Hände nehmen. Doch Mark merkt schnell, dass mit dem Verein etwas nicht stimmt.
"Judge Man" beginnt mit einer heissen Verfolgungsjagd, denn Dale Goddard (Jeff Fahey) hat seinen Sohn Mark mit auf Streife und ein Dealer entführt den Polizeiwagen, Dale hechtet hinterher, so ist für Action im Auftakt schon mal gesorgt. Kurz darauf geschieht das Massaker an Marks Familie, die Täter sind dem Zuschauer noch unbekannt. Der Beginn ist furios, doch mit dem Sprung in die Gegenwart wird das Tempo wesentlich gemächlicher. Mark versucht seine Ex-Frau Melissa (Janet Gunn) zurückzugewinnen, die Beiden haben einen gemeinsamen Sohn. Doch Mark ist zu sehr mit seiner Arbeit beschäftigt und geht so rabiat vor, dass er schnell der J.I. ins Auge fällt. Dafür muss man neun Tote auf dem Kerbholz haben, zusätzlich lockt man Mark mit den Mördern seiner Familie. Wer die ermordet hat, kann man sich mittlerweile schon denken.
Leider wird "Judge Man" jetzt ein wenig absurd, oder übertrieben trifft es wohl besser. Denn die J.I. darf sich wirklich alles erlauben, auch wenn dabei Zivilisten ins Gras beissen. Keiner hinterfragt das Handeln der Einheit und man wirft mit dem Geld nur so um sich. Mark bekommt eine Villa, drei Sportwagen und wird mit jeder Menge Waffen ausgerüstet. Schnell erhält er seinen ersten Auftrag und dabei geht es ordentlich zur Sache. Die Shootouts haben es wirklich in sich und geizen nicht mit graphischen Einschüssen. Die Leute sterben wie die Fliegen, der Munitionsverbrauch ist hoch und nebenbei wirft man noch mit Handgranaten um sich. Besonders der Schusswechsel auf dem großen Anwesen des Drogendealers gefällt. Obendrein hat Mark noch kleinere Keilereien zu bestehen, die höchstens solide sind. Natürlich dürfen in einem PM Film auch die Verfolgungsjagden nicht fehlen. Da werden wie immer viele Autos geschrottet, es gibt nette Stunts zu sehen und große Explosionen. Nur die mittige Autojagd mit den explodierenden Gasflaschen wirkt fast schon lächerlich und ist selbst für den Actionfan zuviel des Guten. Von der Menge her dürfte es ein bisschen mehr Action sein, aber Merhi hat die Sequenzen gut im Film verteilt, so ist "Judge Man" durchgehend unterhaltsam.
Leider ist auch "Judge Man" mit dem üblichen PM Look ein wenig gestraft. Wer einige Filme der B-Schmiede kennt dürfte den ewig gleichen Großstadtlook mittlerweile kennen, dennoch sieht "Judge Man" zu keiner Zeit billig oder monoton aus.
Auch ein paar namhafte Darsteller haben es in die Riege geschafft und besonders C.Thomas Howell sticht hier positiv heraus. Seine Frisur und Vollbart sond zwar etwas gewöhnungsbedürftig, doch er verkörpert den geläuterten Cop Mark Goddard auf überdurchschnittlichem Niveau. Auch die etwas einfühlsameren Szenen mit seinem Sohn wirken nicht aufgesetzt. Jeff Fahey (Freefall, Jagd auf Eagle One) segnet sehr schnell das Zeitliche, Ed Lauter (Death Wish 3, Extreme Justice) ist als Unsympath eine sichere Bank. Janet Gunn (The Quest, Inferno - Gefangen im Feuer) verkörpert Marks Ex-Frau Melissa.
Alle Filme der PM-Schmiede sehen nun mal identisch aus, da macht auch "Judge Man" keine Ausnahme. Dennoch unterhält er prächtig und hat einige harte Actionszenen zu bieten, die gut im Film verteilt wurden. Die Story beginnt solide, wird aber in der zweiten Hälfte zu übertrieben, doch Merhi weiss das mit Action und seinen ordentlichen Darstellern gut zu kaschieren. Als Actionfan ist man auf jeden Fall gut aufgehoben.